Letztendlich wirst Du die Maschine (idealerweise) ausprobieren müssen, wenn Du sie gebraucht kaufst, um tatsächlich festzustellen, was die Maschine leisten kann. Das ist u.a. auch abhängig vom verbauten Motor, ein 250Watt Anlasser Motor leistet natürlich weniger / hat ein eingeschränkteres Leistungsspektrum als z.B. ein 750Watt Servo mit Speed Reducer. Eine Maschine kann man oftmals schon mit Bordmitteln z.B. durch Positionierung von bestimmter Teile oder auch Austausch von Teilen upgraden oder auch downgraden. Das ist meist reversibel aber nicht unbedingt auf den 1. Blick zu erkennen.
Wesentlichen Unterschiede bei 3-fach Trsp Maschinen der Nähfußhub und die Größe der Unterfadenspulen (z.B. Adler 67 -> 167, Pfaff 145 -> 545, Juki 562 -> 563 usw.). Bei der Singer 211 gibt es sogar 3 unterschiedlich große Greifer - je nach Herstellungszeitraum und Herstellungsland.
Die größten Unterfadenspulen haben z.B. die Juki 563 und einige Singer 211 (z.B. 211U566), da sind die Spulen sogar größer als bei der Adler 167 oder Pfaff 545.
Der Nähfußhub und einige Leistungsmerkmale (max. verwendbare Nadelstärke, Greifergröße) sind meist an der Unterklasse auf dem Typenschild ablesbar aber da muss man natürlich die entsprechenden Listen kennen um die zu entschlüsseln bzw. die Details zur Maschine wenn es keine Listen gibt. Man muss aber wissen, dass gebrauchte Maschine auch im Laufe Ihres Lebens u.U. mehrfach umgebaut worden sein können, aber auch das ist aber meist reversibel, aber eben nicht unbedingt auf den 1. Blick erkennbar.
Bzgl. Teile (meist Nähfüße, Transporteure, Nadelplatten....) - da ist OEM Pfaff und OEM Adler natürlich sehr teuer. OEM Singer gibts kaum noch. Von allen Herstellern gibt es meist auch die gängigsten Teile als Generic Parts (meist No Name Nachbauten), die können u.U. Probleme mit der Passgenauigkeit habe. Das kann sein, muss aber nicht sein. Es gibt aber auch Hersteller mit Namen wie Yao Han (Taiwan) oder Kwokhing (HongKong), deren Qualität ist i.d.R. sehr gut.
Vorteil von Singer Maschinen und Singer Generic Parts ist, dass sie meist bei vielen Herstellern (außer Pfaff und Adler passen) passen, weil viele Maschinen von z.B. Juki, Seiko, Consew, Mitsubishi, Nakajima, Brother usw. (inkl. vielen made in China Klonen mit unterschiedlichsten Namen) auf Singer Maschinen basieren. Auch Dürkopp (239, 241) verwenden Nähfüße und Greifersättel, die baugleich mit denen von Singer sind (Nadelplatten und Transporteure passen jedoch nicht).
Ich für meinen Teil habe mich aufgrund der Teilesituation vor langem schon dazu entschlossen ausschließlich Singer Maschinen zu verwenden (siehe Signatur). Ich hatte vorher auch 545, 345, 167 usw. Die Singer Maschinen mögen vielleicht nicht immer die technisch "feinsten Finessen" haben (was oftmals auch unnötig ist), sind aber einfach zu warten und super zuverlässig - und die Teilesitation dürfte wohl unübertroffen sein, wenn man kein Problem mit Generic Parts hat.
Welche Maschinen die besten sind, ist m.M.n. eher philosophisch. Die Einen schätzen Pfaff, die Anderen Adler. Letztendlich hängt es davon ab wie gut eine Maschine erhalten ist / sie gewartet wurde und wie gut sie eingestellt ist. Eine dreckige ausgelutschte Pfaff mit abgenudelten Schraubenköpfen, die schlecht eingestellt ist wird nicht besser sein als ein gut gewartete, gepflegte Singer - und umgekehrt.
Viel hängt auch von der (auf neudeutsch) Usability ab. Da können schon z.T. große Unterschiede bestehen in Bezug auf Stichlängenverstellung, einstellen des Nähfußdrucks und einstellen des Nähfußhubes usw. - das muss man ggf. ausprobieren oder die Unterschiede erkennen und bewerten, in wie weit sie auf die "tägliche" Arbeit Einfluss haben oder nicht.
"Eine" Nähmaschine zu kaufen (vor allem eine gebrauchte) ist manchmal ein langer Weg. Es kann durchaus sein, dass du mit dem 1. Kauf nicht zufrieden bist und es 2 weitere Maschinen braucht oder Umbauten / Ergänzungen (anderer Motor, evtl Speed Reducer), bis Du da angekommen bist, wo du hin willst. Oder Du endest bei mehr als nur einer Maschine. Guess how I know.
Meine Sicht der Dinge
