Such nach Pflegemitteln, Reinigungsmitteln, Rezepten für Lederbalsame und Öle

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sputnik
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Re: Such nach Pflegemitteln, Reinigungsmitteln, Rezepten für Lederbalsame und Öle

#11 Beitrag von sputnik »

Ich habe selbst vor langer Zeit (hauptsächlich zum lernen) Lederwaren gewerblich produziert, habe sehr lange nur Lederschuhe mit Ledersohlen getragen, als Motorradfahrer natürlich auch Lederbekleidung und besitze Ledersitzmöbel. Deshalb habe ich auch bei den wenigen Kunden (Schuster, Sattler, Ledermöbelproduzenten und Bekleidungshersteller) die Leder verarbeitet haben immer nach deren Tips und Erfahrungen gefragt.

#1 Beitrag von A&I Lederhandwerk » Montag 26. Mai 2025, 10:37

Wie kriegt man das Leder, welches lange gelegnhat wieder etwas weicher?

Wie kriegt man das Leder nach einer langen Nutzung wieder gereinigt?

Welche Lederbalsame verwendet Ihr ?
Die Antworten lassen sich so zusammenfassen:

Von allem was chremig und einfach anzuwenden ist (z.B. Schuhpasta in Tuben) wurde mir immer dringend abgeraten. Niemals etwas mit Silikon-/Mineralöl verwenden. Von Balsam habe ich dabei nie etwas gehört, ausser das es welche für stinkende Schuhe gibt, die aber auch von Schustern nicht empfohlen werden (obwohl sie das Zeug verkaufen).

Zur Reinigung/Entfettung Wasser und Seife (Lederseife, Gallseife, Waschsoda).
Zum Fetten Lederfett. Bei sehr altem, ausgetrockneten Leder etwas einfetten, mit Heissluft vorsichtig einziehen lassen ... und nach einigen Tagen wiederholen ... so lange bis es passt.

Zum Färben flüssige Lederfarbe.

Für die Oberfläche die Wachsklötze für die Ausputzmaschinen oder bei Schuhen klassische, harte Schuhpasta in Blechdosen. Vorsicht bei Kleinlederwaren wegen abfärben! Besser vorgefärbtes Leder und nachher nur mehr farbloses Wachs.

Links in zufälliger Reihenfolge (erste Treffer):

Lederfett -> https://shop.w-r-lang.de/article/48703/

Wachsklötze für Ausputzmaschinen
-> https://www.goetz-service.com//web/pdf/goetzkatalog.pdf aus Seite E9
-> https://w-r-lang.de/content/uploads/use ... nblatt.pdf

-> https://shop.orthopaedie-schuhbedarf.de/Werkzeuge

Bei uns gabe es früher eine Einkaufsgenossenschaft für Schuster, welche aber schon lange Geschichte ist.
Wachsklötze hatte ich immer von Kunden/Freunden.
Ich selbst verwende aktuell, weil ich ja nur Kleinmengen brauche Lederfett & Lederseife aus dem Motorradzubehörhandel (z.B. Polo u.a.)

Viele Materialien welche für Schuster angeboten werden, lassen sich natürlich auch für andere Lederprodukte bestens verwenden. Z.B. Verklebungsstoffe (für Sitzmöbel etc.), Polstermaterialien (für Mappen, Taschen etc.), Futterstoffe (für Taschen & Rucksäcke etc), Klebstoffe, Nähfäden ......

Die Härte, Weichheit & Dehnbarkeit von Leder wird durch den Fettgehalt bestimmt. wenn es zu weich ist das Fett rauswaschen ... wenn es zu hart ist fetten. Wenn es zu dehnbar ist (bei Ledermöbeln) wird es mit speziellen Stoffen (eine Art Steifleinen auf Polyester/Polyamidbasis) verklebt/vernäht/verstärkt damit es die Form behält.

Bei hochwertigen Sitzmöbeln ist das Leder mit Verstärkung verklebt, dann eine dünne Schicht Polsterwatte, dann wieder eine Verstärkung und mehrer Schichten unterschiedlich harter Schaumstoff. Vieles aber nicht alles wird dabei verklebt!

Beim Formen nicht zu viel auf einmal dehnen, zerstört ist zerstört, Zeit geben und häufig nachspannen/pressen. Das kann für stark geformte Teile auch mehrere Tage bis Wochen dauern. Ein befreundeter Schustermeister der selbst auch Schuhe produziert hat, hatte dafür einen riesigen Raum voller spezieller Dehner, Pressen und anderer Hilfsmittel ... weil die Lederstücke/Schuhe oft Wochenlang eingespannt bleiben und nur einmal täglich leicht nachgespannt werden. Manchmal verwendet man als Hilfsmittel eine Mischunge aus Wasser und Essig/Alkohol.

Altes Leder reinigen ist nicht immer möglich (z.B. schwarzes Fett/Öl von Nähmaschinen/Motorad auf hellem Leder angry ). Wenn das Leder durch unsachgemässe Bearbeitung (Dehnen)/Lagerung (Schimmel) in seiner inneren Struktur zerstört/zerrissen ist kann man es nicht mehr reparieren. Dickes Leder kann man spalten, helles Leder dunkel färben. Bei Ledermöbel werden heute oft Lederstärken von ~1mm verwendet ... dafür braucht man allerdings spezielle Spaltmaschinen. Die ganzen Refresh Wundermittel (Vinyl etc.) funktionieren nur unzureichend (optisch ohne Belastung). Bei Schuhen (z.B. tiefer Kratzer) funktioniert schleifen/pressen/nachfärben/Ausputzwachs/polieren ... so sich der Aufwand lohnt.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist natürlich auch die Qualität des Leders. Von welchem Tier und wie Gegerbt. Fischleder kann Ziege nicht ersetzen. Känguruhleder kann Rind nicht ersetzen usw.. Für qualitativ hochwertige Schuhsohlen wird nur ganz lange grubengegerbtes (und damit teures) Leder verwendet. Bei Sitzmöbeln geht man heute gerne den Weg nur ganz hauchdünne Lederschichten zu verwenden weil damit die Verarbeitung einfacher und billiger wird.

Herzliche Grüsse vom Sputnik
Und sehen wir uns nicht in dieser Welt
dann sehen wir uns in Bielefeld! (Udo Lindenberg)

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