Wie Du vollkommen richtig sagst ... entscheidend ist der Preis.
Baumwolle hat sich nur deshalb etabliert weil sie relativ früh maschinell (bereits im 17 Jhdt.) und etwas später auch automatisch verarbeitet wurde.
Bei Industriemaschinen können üblicherweise keine Baumwollfäden verwendet werden weil sie der Belastung nicht standhalten. Auch die besten Kette/Schrägkette sind einfach unbrauchbar.
Bereits Ende des 19.Jhdt. wurde bei vielen Maschinen (z.B. Knopflochmaschinen) darauf hingewiesen das man damit keine Baumwollfäden verwenden soll/kann. Für Knopflöcher wurde damals Knopflochseide oder Schappeéseide verwendet.
Da sich aber Polyester nachträglich nicht brauchbar färben lässt und viele Bekleidungstextilien aus Baumwolle hergestellt werden benutzt man heute in der Bekleidungsindustrie hauptsächlich Baumwollumsponnene Polyesterfäden. Die haben den Vorteil belastbar und langlebig zu sein und trotzdem nachträglich (z.B. nach Kundenwusch) gefärbt werden können.
Man ist auch nicht auf Polyester allein angewiesen, es werden heute auch Fasern/Mikrofasern aus Holz (=Viskose), Casein, Acetat, Cupro usw. hergestellt.
Traditionell war Hanf die billigste Faser für hohe Belastungen. Seide ist ebenfalls sehr belastbar und fein aber teuer.
Hanf wurde früher hautsächlich für technische Textilien wie Taue, Seile, Planen, Segel, Säcke etc. verwendet. Auch die ersten Jeans wurden deshalb aus Hanfstoffen angefertigt. Da es keine besondere Nachfrage gab wurde die Verarbeitung aber nicht weiterentwickelt und verfeinert. Bauwollpflückende Sklaven waren einfach billiger. Die Arbeitsbedingungen in den Baumwollspinnereien waren auch eher Sklavenarbeit, was sich ja bis heute auch in vielen anderen Bereichen der Textilproduktion gehalten hat. Ein Markenhemd welches um <200,-€ verkauft wird darf nicht mehr als 2,-€ in der Produktion (Gesamtkalkulation von Stoffanlieferung bis in den Laden) kosten.
Ich hatte manchmal zu kämpfen um nicht zu heulen zu beginnen, wenn ich einen Lohnzettel in der Nähmaschinenschublade gesehen habe.
Es lebe die Mode!
Ähnlich aber mit nicht ganz so vielen/guten Eigenschaften ist der Flachs. Deshalb werden auch belastbare Fäden (z.B. Knopfannähzwirn) aus Naturfasern meistens aus Flachs hergestellt.
Ungarn war lange Zeit das Land mit der grössten Faserhanfproduktion in Europa. Ich war beruflich früher sehr viel in Ungarn unterwegs und wurde von meinen Kunden über aktuelle Neuerungen informiert. Dort zeigte man mir regelmässig neue Verarbeitungsmethoden für Faserhanf, wodurch sich die Qualität der Fasern und der daraus hergestellten Textilen Materialien soweit verfeinert hatten, das die Stoffe wenn gewünscht sich kaum noch von feinster Seide unterscheiden. Da kann die beste/feinste Baumwolle nicht annähernd mithalten. Leider ist aber die Baumwollindustrie, mit ihren sklavenartigen Arbeitsbedingungen soweit etabliert und kommerziell efolgreich, dass sich daran ohne Not wohl so schnell nichts ändern wird.
Google mal ->
Umweltbelastung Baumwolle vs. Leinen vs. Hanf
https://www.google.com/search?client=fi ... n+vs.+hanf
Arbeitsbedingungen Baumwollproduktion
https://www.google.com/search?client=fi ... roduktion
Arbeitsbedingungen Baumwollmühlen
https://www.google.com/search?client=fi ... %C3%BChlen
in Deutschland ->
https://tour-de-kultur.de/2017/06/07/ba ... ngungen-2/
Damit sind wir dann bei der guten Biobaumwolle ... die alle nur halb so schnell umbringt.
Herzliche Grüsse vom Sputnik