Informationen zu pfaff 37-9 Freiarm

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sputnik
Edelschrauber
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Registriert: Dienstag 30. Juni 2020, 01:14

Re: Informationen zu pfaff 37-9 Freiarm

#31 Beitrag von sputnik »

Viele tun sich schwer mit den Unterschieden. Ich selbst mir ja auch bei Maschinen/Marken die (und deren Systematik) ich nicht (gut genug) kenne.

Bei Industrie werden die Maschinen nach verschiedenen Parametern geordnet:
  • Klassen, welche üblicherweise die Grundmaschine beschreiben. - z.B.: Steppstich Schnellnäher, Overlock, Knopflochautomat ... usw.
  • Unterklassen welche die grundlegenden speziellen Ausprägungen einer Klasse beschreiben. - z.B. für Wäsche, Hemden, Oberbekleidung, Schuhe ... usw.
    UK.jpg
  • Ausstattung welche (bei Pfaff) mit Buchstaben bezeichnet wurde "A, B, C, D" welche die Nähgarnitur (und damit auch die Stichlochgrösse) beschreibt. z.B. "A" Nadel 60-70. "B" Nadel 80-100 ... usw.
    AUS.jpg
    Die Ausstattung bezieht sich auf die "Nähgarnituren" also Transporteur, Stichplatte, Nähfüsse


Diese Systematik ist aber von Hersteller zu Hersteller leicht unterschiedlich und deshalb teilweise schwer verständlich. Ich wurde bei einer Pfaff Vertretung nähmaschinentechnisch sozialisiert und kenne mich deshalb bei Pfaff halbwegs aus. Bei manchen anderen Marken wundere ich mich nur. wink

Mit diesem Wissen ist klar:
  • Ich kann mit einer Maschine für Wäsche keine dicken Lederriemen nähen, weil das Stichloch zu klein und der Füsschenhub zu gering ist
  • Ich kann mit einer schweren Dreifachtransportmaschine keine feine Wäsche nähen, weil das Stichloch zu gross ist und der Transport das Material beschädigt.
    etc .....
Die Ausstattung einer Pfaff lässt sich leicht durch den Austausch der Nähgarnitur (einiger weniger Teile) ändern.
Die Unterklasse lässt sich manchmal gar nicht ändern, weil die Gussteile komplett anders sein können. z.B. Schieberadtransport vs. Dreifachtransport (walking foot).

Und diese Beschreibung liesse sich jetzt fast endlos fortsetzten mit Parametern wie:
Presserfusshub, Stichlänge, Nadellänge, Transportsystem (Hüpfer, Schieberad, Bänder, Klammern ...), Zusatzausstattungen (Puller, Beschneidung ...), Apparate (mitgehender Bandeinfasser, Knopfleisten ...), Nahttyp (Steppstich, Kettenstich, Überwendling, Handnaht ...) und vieles andere mehr.

Dadurch braucht man für traditionelle feine Glaceéhandschuhe ~20 unterschiedliche Spezialmaschinen (Futter, Oberleder, Fingernaht, Kuppen schliessen, Bundverarbeitung, Ziernähte, etc.).

Das Alles ist dann noch der Zeit geschuldet und damit deren Mode unterworfen. Im Vergleich zum Ende des 19. Jhdt. werden heute kaum noch Glaceéhandschuhe oder Gamaschen erzeugt.
Und auch der Fertigungstechnik unterworfen. Z.B. wurde früher Rollpikiert und mit Pferdehaaren ausstaffiert. Heute wird verklebt und in Form gebügelt.
Viele frühere Arbeitsgänge wurde einfach (auch aus Kostengründen) obsolet, wie z.B. das kantieren (offenkantiges Einnähen des Lederinnenfutters mit gleichzeitiger knapper Beschneidung) von hochwertigen Schuhen, welches früher Standard war und heute nur mehr in Höchstpreissegment angewandt wird.

Konklusio:
Mit einer Wäschemaschine mit 1,2mm Füsschenhub kann man keine dicken Lederriemen nähen ... und mit einer (floating needle) Handnahtmaschine kann man kein elastisches T-Shirt herstellen. wink

Herzliche Grüsse vom Sputnik
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