Ich weiss leider nie welche Greifer in welcher Singer eingebaut sind weil ich sie nicht kenne.
Meine Worte beziehen sich meistens auf Industriemaschinen mit Umlaufgreifer. Da ist es eben so das es Unterschiede gibt.
Wie das bei Maschinen mit CB-Greifern oder bei Schuhreparaturmaschinen mit oszillierenden Greifern ist weiss ich nicht.
Das mit dem Fadenanzug ist bei Nähmaschinen mit doppelt umlaufenden Greifern immer ein Zeitproblem. Der Fadenhebel hat in der Drehbewegung der Maschine nur wenig Zeit zum anziehen des Fadens zur Verfügung. Deshalb auch die Empfindlichkeit mit der Transporteinstellung. Transportiert die Maschine zu früh geht es sich für den Fadenanzugshebel oft nicht oder nur schlecht aus den Stich richtig fest zu ziehen. Deshalb stellt man den Transport so spät wie möglich ein, damit der Transport in der entscheidenden letzten Phase mithilft die Verknotung fester zu bekommen. Je nach Konstruktion der Maschine (Abhängig von Greifer, Fadenhebelantrieb, Nähgeschwindigkeit ...) geht es sich manchmal besser und manchmal schlechter aus. Man kann auch nicht unendlich schnell und fest am Faden ziehen weil der sonst abreissen würde. Immer im Hinterkopf behalten dass
eine Stelle des Fadens bei normalen Maschinen
etwa 80x das Nadelöhr passiert.
Das ist auch bei starken, festen, dicken Material das Problem das sich der Faden durch die Belastung aufdreht ... und wenn er einmal soweit aufgedreht ist dass der Greifer zwischen die einzelnen Strähnen stechen kann reisst zwangsweise eine ab, schiebt sich zusammen und der Faden reisst in weiterer Folge ab. Beim Retournähen ist dieser Aufdreheffekt nochmal viel stärker. Deshalb gehen sich z.b. bei dicken Ledergürteln oft nur ganz wenige Retourstiche aus ohne dass der Faden reisst oder die Nadel abbricht.
Manchmal kann man sich mit dickeren/speziellen Nadeln helfen, manchmal hilft wachsen/ölen ein wenig mit, manchmal ist der Wechsel zu einem anderen Faden besser.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang die richtige Drehung des Fadens, wie herum man die kleinen Spulen auf den Garnständer stellt (bei deutschen Herstellern immer so dass man die Beschriftung lesen kann), dass die Fadenführung optimal verläuft (Garnständer zieht nicht genau senkrecht nach oben ab, keine rauhen Stellen/Schwergängikkeit im Fadenweg. Presserfuss, Stichplatte, Greifer), Qualität (keine reinen Baumwollfäden wie Kette oder Schrägkette) und Zustand/Alter des Fadens (ein Faden der ein Monat auf/neben einem Heizkörper stand ist für Industriemaschinen nicht mehr verwendbar). Manchmal baut man dann Maschinen auch auf andere Spannungen (z.B. Rollenspannung) oder andere Greifer um. Bei den Nadeln gibt es für extrem dickes Material manchmal die Option KK (=kurzer Kolben) oder auch Versionen mit verlängerter und etwas dickerer langer Rille.
Was in der Industrie schwierig aber gut zu analysieren ist (wenn das ganze Jahr 8 Stunden täglich derselbe Gürtel genäht wird merkt man schnell ob ich von dieser Nadel täglich 10 Stück oder mit jener anderen nur 2 Srück brauche) ist natürlich für Dich als wenig nähender natürlich schwer nachvollziehbar (wenn Du kein extremer Lederfetischist bist). Bei den Gürteln waren mit allen Tricks maximal 5 Retourstiche möglich. Bei 8 Retourstichen hatten wir (auch durch Klebstoffreste in der Rille) bereits mehr als doppelt soviele Nadelbrüche. Am schönsten fand ich immer meine grossen Stickereikunden ... da probiert man einfach auf 5 Maschinen mit 140 Nadeln die Nadel von Hersteller/Typ X aus und auf den nächsten 5 Maschinen daneben von Hersteller/Typ Y. Damit hat man in wenigen Tagen ganz eindeutige Ergebnisse welche Nadeln für diesen Zweck/Motiv/Faden die bessere ist.
Doch nun genug der Worte ...
lasst und nähen gehen
