Einnähbeleg Pfaff 130-115 - bis wann war das Usus? Nadelstangen-Zweitverwertung?

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Makatea
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Einnähbeleg Pfaff 130-115 - bis wann war das Usus? Nadelstangen-Zweitverwertung?

#1 Beitrag von Makatea »

Ich habe neulich eine Pfaff 130-115 am Straßenrand in einem Hümpel Sperrmüll gesehen und mitgenommen.

Im zurückgelassenen, vom Lauf der Zeit über Gebühr gezeichneten Nähschränkchen war nix Brauchbares,
außer einem Stück Stoff, auf dem offenbar die Maschine nach der Herstellung in Kaiserslautern eingenäht wurde:
Pfaff_130-115_Einnähbeleg.jpg
Ich fand das total spannend und sehe sowas zum ersten Mal.
Bis wann war das Brauch, den Einnähbeleg der Maschine beizulegen?

Leider war dieses Exemplar schon ausgiebig als Ersatzteillieferant verwurstet worden, deshalb mußte ich sie leider ausschlachten.
Das fühlt sich, während man dabei ist, immer wieder so falsch an...

Greifer, Stichplatte und weitere "Kleinigkeiten" fehlten.
Wer sonst irgendwas braucht, wie etwa die Armwelle, das Handrad oder irgendwelche anderen Innereien, kann gern mal nachfragen,
es würde mich sehr beglücken, wenn ich eine andere 130 wiederbeleben könnte, erwartet aufgerundete Portokosten ;-)
Ich habe sie wirklich komplett auseinandergenommen, am Ende war nur noch Bodenplatte, Arm und Stichsteller-Mimik übrig.

Kann man eigentlich die Doppel-Nadelstange der 130-115 in eine 260 oder 360 transplantieren?
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sputnik
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Re: Einnähbeleg Pfaff 130-115 - bis wann war das Usus? Nadelstangen-Zweitverwertung?

#2 Beitrag von sputnik »

In den 1990er Jahren war das noch völlig normaler Standard.
Wenn die Maschine fertig montiert ist wir ein Probefleck genäht und bleibt bei der Maschine. Wenn ein Kunde eine Maschine kauft und die wird für ihn mit seinem Material nochmal eingenäht ebenso. Bei Reparaturen ebenso.
Ich habe noch nie eine neue Maschine ohne sowas gesehen.
Die Schlußkontrolle
erstreckt sich auf das Nachziehen sämtlicher Schrauben und Muttern, einwandfreies Ein- und Auslösen des Handrades, Kontrolle des Spulers, Probenähen und das Anfertigen eines einwandfreien Nähmusters, das unter der Nadel verbleibt.

Wilhelm Renters, Der Nähmaschinen-Fachmann, 7. Auflg. Seite 173
Ich habe ja als erstes Büromaschinenmechaniker gelernt und auch da war es selbstverständlich dass man etwa eine halbe Seite schreibt die dann für die Kunden in der Maschine verbleibt.
Meistens ein paar Pangramme wie: "The quick brown fox jumps over the lazy dog." oder "Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern." und auch eine kleine Geschichte zum aktuellen Tagesgeschehen. Auch für Rechenmaschinen gibt es Rechnungen um die Funktion der Maschinen zu dokumentieren, wie z.B. 12345679 x 9 = ... 12345679 x 18 = ...etc. damit wird in diesem Fall der Zehnerübertrag getestet.

Herzliche Grüsse vom Sputnik

P.S.: Zur Nadelstangentransplantation:
Wenn es sich von den Maßen (Länge, Durchmesser, Nadelklobenhöhe) her ausgeht sollte das kein Problem sein. Allerdings sollte die Maschine dann wegen der grösseren Masse auch langsamer laufen. Das grössere Problem wird die Frage: gibt es für die Maschine dann auch eine passende Nähgarnitur? (Stichplatte mit Biesenzungen, Transporteur und Nähfuss)? Und geht sich bei der Spannung die dritte Zwischenscheibe aus?
Und sehen wir uns nicht in dieser Welt
dann sehen wir uns in Bielefeld! (Udo Lindenberg)

Knopp1
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Re: Einnähbeleg Pfaff 130-115 - bis wann war das Usus? Nadelstangen-Zweitverwertung?

#3 Beitrag von Knopp1 »

Den Einnähbeleg gibt es nach wie vor:
z. B. von einer Toyota Super-Jeans.
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Phoenix,
weder aus der Asche noch aus Arizona,
sondern Nähmaschinenfabrik Baer und Rempel, Bielefeld 1865 - 1968

sputnik
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Re: Einnähbeleg Pfaff 130-115 - bis wann war das Usus? Nadelstangen-Zweitverwertung?

#4 Beitrag von sputnik »

@ Makatea :
Mittlerweile habe ich gelesen dass es von der Klasse 130 eine Biesenversion gab ... also ist es möglich die Maschine auf diese umzubauen.

Meines Wissens sollte dann auch die Nadelstange mit dem Wechselkopf auf dieser Maschine verwendbar sein.
Ich scheib jetzt immer Wechselkopf ... andere übliche Bezeichnungen sind Nadelhalter oder Nadelkloben ... und Wechselkopf ist kürzer als Biesennadelhalter. wink

Der Vorteil vom Wechselkopf ist dass man zum Wechsel von Normalnähen auf Biesennähen nicht die halbe Maschine zerlegen muss.
Bei den anderen beiden orginal existierenden Versionen aus dieser Zeit (1930er Jahre) muss man zum wechseln auch den Greifer und anderes ausbauen und wieder neu einstellen, was für private Anwendungen nicht gerade praktisch ist. Der Wechselkopf kann mit zwei Nadeln (System 1738) auf beliebigen Nadelabstand eingestellt werden. Zusätzlich kann in der Mitte eine beliebige dritte Nadel eingespannt werden. Dadurch kann ich auf meiner Maschine abwechselnd mit unterschiedlichsten Nadeln nähen, was während meiner Zeit als Nähmaschinenmechaniker sehr praktisch war um übriggebliebene Nadeln aufzubrauchen welche sonst im Müll gelandet wären.
Mit dem Doppelnadelwechselkopf sollte die maximalen Geschwindigkeit der Maschine um mindestens 20% reduziert werden um die zusätzliche Belastung des Nadelstangenantriebs durch die grössere oszillierende Masse zu kompensieren. Bei meiner Klasse 138 sind das laut Gebrauchsanleitung anstelle von 3300 Stich/min dann 2700 Stiche/min (2500 st/min eingestellt).
Für die Nadelstange mit dem Wechselkopf gab es orginal von Pfaff auch einen Nadelkopf für 1738er Nadeln und einen für 134er Nadeln. Mit diesen Köpfen darf man die Maschine wieder mit ihrer vollen Geschwindigkeit betreiben. Da die Nadelaufnahmen zentrisch zur Nadelstange sind lassen sich solche Einzelnadelköpfe auf einer Drehmaschine relativ einfach herstellen.

Deshalb halte ich den Doppelnadelwechselkopf für die optimale Ausstattung für eine privat verwendet Maschine mit welcher auch Biesen genäht werden sollen.

Zusätzlich zur Nadelstange braucht man dann eine Möglichkeit einen zweiten Faden mit der benötigten Spannung zu verwenden. Dafür gibt es von Pfaff zwei unterschiedliche Lösungen:
- eine zweite Spannung für den zweiten Faden (wie bei der Pfaff 138)
- eine Zwischenscheibe zwischen den Spannungsscheiben (das ging sich bei einigen Modellen mit dem normalen Spannungsbolzen aus, ob es auch längere Spannunsgbolzen gab entzieht sich meiner Kenntnis) Ob es orginale Möglichkeiten für Maschinen mit Scheibenfederspannungen gab entzieht sich ebenfalls meiner Kenntnis.

Dann braucht man eine Biesenstichplatte mit auswechselbaren Zungen für unterschiedliche Biesengrössen und einen dazupassenden Biesenfuss
Für ganz schmale Biesen verwendet man dann Nadeln mit versetzter Spitze.

Weitere Infos findet man wie immer bei Wilhelm Renters in "Der Nähmaschinen-Fachmann", 7.Auflg. Seite 320 :
Renters S320.jpg
und bei den erwähnten Nähmaschinen.

Herzliche Grüsse vom Sputnik
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