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Restaurierung Phoenix 236

Verfasst: Freitag 9. Januar 2026, 19:05
von RalleM
Hallo liebe Forenmitglieder,

Mein Name ist Raphael Mannes und ich studiere derzeit an der TH Köln Konservierung und Restaurierung im 5. Ba Semester. Mein derzeitiges Objekt ist eine Phoenix 236 Nähmaschine mit Tisch und ehemaligem Fußantrieb, welcher später durch einen Georgii-Kobolt Elektromotor ersetz wurde. Die eingeschlagene Nummer B442604 verweist auf einen Produktionsraum zwischen 1947-57, ggf. um einschränkbar auf 1950/51. Zu der in der nähe befindlichen (an der Nähmaschinenunterseite) Nummer B&R 26 150 konnte ich noch noichts in erfahrung bringen, außer dass sich B&R auf Baer & Rempel bezieht. Ich habe auch ein Video auf YouTube gefunden, in welchem die Logos mit den Jahren gezeigt werden, welches mit 1928 jedoch nicht zum Fertigungsdatum passen würde. https://youtu.be/nynXdgXsp0U?si=G7ZlujehTdIOAuW5&t=61

Da ich zwar Interesse an technischem Kulturgut und auch Nähmaschinen habe, bisher mit Nähmaschinen jedoch keine Berührungspunkte hatte, würde mir eine Anleitung/Ersatzteilkatalog und ähnliches bereits weiterhelfen, welche ich bisher nur in diesem Forum als Erwähnung gefunden habe. Wohl hat Katis eine Anleitung.
Da der Post aber von 2016 ist, weis ich nicht ob es diesen Nutzer überhaupt noch gibt und habe auch keine Posts von ihr gefunden. Hat jemand anderes noch eine Anleitung im Original oder als PDF, die man mir für die Untersuchung/Bearbeitung zur Verfügung stellen könnte? (Originale würden selbstverständlich zurückgegeben werden)

Der simple Tisch selbst trägt keine Namen oder Nummern und nur die nach oben hin geteilten Speichen des Antriebrades könnten auf Phoenix verwiesen. In der Schublade findet sich "jedoch" eine Halterung mit den Buchstaben PFAFF D.R.G. . Die einfachen Tischbeine scheinen die Möglichkeit zu bieten, den Tisch am Boden festschrauben zu können.

Bilder finden sich im Anhang.

Liebe Grüße Raphael

Re: Restaurierung Phoenix 236

Verfasst: Freitag 23. Januar 2026, 16:50
von sputnik
Zur Deiner Maschine kann ich Dir nicht viel berichten weil ich sie nicht kenne.

Von grossen Nähmaschinenproduzenten wurden oft auch Gestelle und Tischplatten hergestellt. Es gab und gibt aber auch viele unabhängige Firmen welche alles erdenkliche für Nähmaschinen produziert haben. eine dieser Firmen ist Beispielsweise Maier Unitas, welche unter anderem Teile für Nähmaschinen produzieren. Von solchen Firmen kaufen oft auch die grossen Produzenten Teile zu wenn die Stückzahlen zu gering sind dass sich eine eigene Fertigung lohnen würde. Ich schätze das z.B. viele Blindstichmaschinen unterschiedlichster Hersteller orginal mit Greifern der Firma Unitas ausgerüstet werden. Maier Unitas -> https://www.google.com/url?sa=t&source= ... a-3dgxl1t-.

Auch Motore wurden und werden immer zugekauft. Von Pfaff, Adler und Juki git es Motore wo gross "PFAFF" oder "ADLER" oder "JUKI" draufsteht, welche aber für diese von anderen Herstellern produziert wurden.

Auch Tischgestelle, Tischplatten, Spuler, Garnständer Nähgarnituren , Zubehör und Ersatzteile werden häufig von anderen Firmen produziert.

Ebenfalls aus wirtschaftlichen Gründen wurden auch immer schon Maschinen von anderen Firmen zugekauft und unter eigenem Namern weiterverkauft, um die Angebotspalette zu vervollständigen auch wenn eine eigene Fertigung aufgrund zu geringer Stückzahlen nicht rentabel ist. Früher wurde oft versucht das zu verheimlichen, heute ist das offenkundig. Von Pfaff gibt es z.B. bei Industriemaschinen die Serie "Industria" bei der es sich immer um zugekaufte Maschinen handelt. Und bei den Pfaff Haushaltsnähmaschinen gibt es die "Hobbylock" erlche von Asiatischen Produzenten stammt. Das gibt es bei allen Herstellern und seit dem 19.Jhdt..

Gestelle und Tischplatten sind mit vielen Maschinen kompatibel und so kann es durchaus sein das Dein Gestell von Dürkopp stammt und die Tischlatte von Pfaff (der Spulenhalter ja offensichtlich). Auch Laden, Füsse, Kupplungsvorgelege für Transmissionen wurden häufig zugekauft. Da Industrienähmaschinen oft eine kurze Lebensdauer haben, werden die alten Gestelle/Tischplatten/Motore/Garnständer etc. dann oft für die Nachfolgemodelle weiterverwendet. Die Ausschnitte in den Tischplatten sind häufig kompatibel und so braucht man nur einen neuen Kopf zu montieren. Bei uns in Österreich war es üblich immer nur Maschinenköpfe zu importieren und Gestelle und Tischplatten von lokalen Produzenten zu beziehen weil das aufgrund von Transport- und Zollkosten wesentlcih günstiger war. Viele Händler, so wie mein ehemaliger Arbeitgeber, hatten auch eine eigene Tischlerei und Schlosserei die diese Teile produzierten. So wurden dann z.B. unsere Stofflegetische von der Firma Kuris (Kraus und Reichert) -> https://kuris.de/ weltweit unter ihrem Namen vertrieben.

Wenn Du mehr über die Zusammenhänge in der Frühzeit der Nähmaschine wissen möchtest empfehle ich Dir die "Österreichische Nähmaschinen- und Fahrrad-Zeitung" von der sämtliche Ausgaben im Zeitraum von 1876 bis 1938 in der Österreichischen Nationalbibliothek als durchsuchbare und verschlagwortete Digitalisate zur Verfügung stehen und auch als PDF heruntergeladen werden können -> https://anno.onb.ac.at/anno-suche/simpl ... ung&from=1
In diesen Zeitungen findet man auch Berichte über aktuelle Maschinen, Entwicklungen, Handelsbeziehungen, Inserate von Produzenten von Nähmaschinen, Zubehör, Möbeln, Ersatzteilen usw. usf..

In Deutschland gab es später die "Deutsche Nähmaschinenzeitung DNZ" von der Bielefelder Verlagsanstalt, von die ich aber leider bisher keine Digitalisate finden konnte. Unverständlicherweise auch nicht für die bereits gemeinfreien Ausgaben? Bei uns in Österreich muss von jedem Druckerzeugnis einige Belegexemplare an die Nationalbibliothek übermittelt werden und diese werden dann auch nach Ablauf der Schutzfristen als Digitalisate zur Verfügung gestellt. Bei Bedarf würde ich Dir aber einige meiner DNZ Printausgaben als PDF zur Verfügung stellen.

Auch in Bayerischen Staatsbibliothek findet man viele Digitalisate zum Thema Nähmaschinen, welche man auch downloaden kann und bei Bedarf auch über den "Digitalisierungsservice" innerhalb weniger Stunden kostenfrei mit durchsuchbarem Text beziehen kann -> earch?vid=49BVB_BSB:VU1&tab=Everything& ... ähmaschine

Leider habe ich in den anderen Deutschen Bundesländern bisher keine auch nur annähernd so guten Informationsquellen finden können.

Herzliche Grüsse vom Sputnik

P.S.: Hier noch was aus der ÖNZ April 1932 über Phoenix:
ÖNZ - 10.04.1932 S00.jpg
ÖNZ - 10.04.1932 S09.jpg
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ÖNZ - 10.04.1932 S11.jpg
ÖNZ - 10.04.1932 S12.jpg

Re: Restaurierung Phoenix 236

Verfasst: Freitag 23. Januar 2026, 17:33
von Ärmel
Hallo Raphael, eine schöne Langarm-Phoenix haste da geangelt.
Aber deine Türen zum Nähzimmer scheinen auch absolut rustikal zu sein... biggrin
Grüße Heinrich