Bernina B9 Greifer "Weltneuheit" ?

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uu4y
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Bernina B9 Greifer "Weltneuheit" ?

#1 Beitrag von uu4y »

dieser Greiferantrieb wird dadurch als einzigartig(und wurde auch patentiert) dargestellt, dass 2 oszillierende Nocken den Spulenkorb in seiner -mehr oder weniger- starren Position halten;
diese Mechanik mit 2 oszillierenden Nocken bzw. Haken besassen/besitzen jedoch auch schon in den 80er/90ern einige frühen Elnas der "Computerreihe",
wobei dieser technisch aufwändigere, jedoch nähtechnisch durchaus bessere Antrieb bei den späteren Ausführungen durch ein technisch viel einfacheres Anhaltestück ersetzt wurde(die originalen Spulenkörbe passen in beide Versionen);
die Versionen mit dieser aufwändigeren Oszillation sind mit einem Metall-Aufklappdeckel (per Tastendruck) und einem runden Guckloch ausgestattet; die späteren besitzen nur eine Plastik-Schiebeabdeckung...
vermutlich kam da -nach der Insolvenz von Elna bzw. Tavaro um 2000 herum- bei der viel späteren Einführung des B9 irgendeine Einigung zustande... ?
wer weiss darüber etwas ? huh

sputnik
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Re: Bernina B9 Greifer "Weltneuheit" ?

#2 Beitrag von sputnik »

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Das erklärt auch Biancifans Ratlosigkeit ... der Bernina B9 Greifer ist ein Haushaltsmaschinen Doppelumlaufgreifer für maximal 1000Stiche/min.

Der Greifer in der Industriemaschine Bernina 217N, welche auch von Adler, Pfaff und Singer zugekauft wurde und von vielen anderen Firmen bis heute (unter anderem von Global) in Lizenz produziert wird, läuft in dieser Maschine mit über 3000 Stiche/min ... und würde vermutlich 5000 Stiche/min auch noch schaffen. Und das ganze mit bis zu 15mm Überstichbreite. Industriemaschine bedeutet im 2 Schichtbetrieb 16Std/täglich ... machmal auch rund um die Uhr.

Den Elnagreifer kenne ich nicht, aber wenn Du von Oszillation schreibst ist das vermutlich wieder was ganz was anderes.
Ergänzung: Ich finde bei den Computer-Elnas auch nur Umlaufgreifer, von denen einer eine gewisse Ähnlichkeit mit den Singer Haushaltsgreifern hat.

Herzliche Grüsse vom Sputnik

P.S.: Jetzt hab ich eine Maschine gefunden wo das in der Anleitung aufgezeichnet ist. Das ist die Elna 6003 ... mit dem Klappdeckel und der Taste. Der Greifer selbst erinnert mich an die Singergreifer, auch wenn er bei Elna etwas anders aussieht. Ich bin schon gespannt was wir zu dem Greifer alles finden/nicht finden werden? biggrin
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dieter kohl
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Re: Bernina B9 Greifer "Weltneuheit" ?

#3 Beitrag von dieter kohl »

serv

so neu kommt mir dieser Greifer nicht vor
fast gleiches gabs schon mal bei Pfaff Modell 212 / 213
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gruß dieter
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HusPfaSing
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Re: Bernina B9 Greifer "Weltneuheit" ?

#4 Beitrag von HusPfaSing »

Ineressantes Thema!

Ich weiss nur dass...

...der Elna 1 Greifer nur ein Nocken hat und deshalt nach jedem Stich klackt, Elna 1 Sound halt.

...alle (Echten) Elnas danach den fast gleichen Greifer mit 2 Nocken haben (Elna Supermatic bis Elna carina TSP).

Für mich ist das der beste aller Greifer die ich kenne. Ich hätte gerne eine Pfaff 1229 mit dem Elna 2 Nocken Greifer.

Dank diesen 2 Nocken wird der Faden nach der Umschlingung ohne Wiederstand frei gegeben, kein klacken ist hörber, auch nicht bei dickem Faden und die Fadenspule ist von oben zugänglich.

Einziger Nahteil ist, dass für unterschiedliche Bedürfnisse nicht mehrere Spulenkörbe mit unterschiedlicher Fadenspannung bereitgestellt werden können.

Im Werbevideo von Bernina jedoch erkenne ich keinerlei Information was an diesem Greifer soooooo gut sein soll, ausser dass damit ein Zickzack Zierstiche genäht werden kann.

Gruss Jürg
Aktuell im Einsatz:
2 x Pfaff 1229, 1071, Coverlock 4.0, Elna Carina TSP.
Sammelstücke:
Singer 431G /Elna 1 (110/220V mit Motorbremse), TSP, Junior (grün)/Keller Perfecta Kl 28 L/Clemens Müller Stella, Mewa Freia Brillengreifer.

sputnik
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Re: Bernina B9 Greifer "Weltneuheit" ?

#5 Beitrag von sputnik »

Bernina B9 Greifer "Weltneuheit" ?
#1 Beitrag von uu4y » Samstag 18. April 2026, 15:14
dieser Greiferantrieb wird dadurch als einzigartig(und wurde auch patentiert) dargestellt, dass 2 oszillierende Nocken den Spulenkorb in seiner -mehr oder weniger- starren Position halten;
diese Mechanik mit 2 oszillierenden Nocken bzw. Haken besassen/besitzen jedoch auch schon in den 80er/90ern einige frühen Elnas der "Computerreihe", wobei dieser technisch aufwändigere, jedoch nähtechnisch durchaus bessere Antrieb bei den späteren Ausführungen durch ein technisch viel einfacheres Anhaltestück ersetzt wurde(die originalen Spulenkörbe passen in beide Versionen);
die Versionen mit dieser aufwändigeren Oszillation sind mit einem Metall-Aufklappdeckel (per Tastendruck) und einem runden Guckloch ausgestattet; die späteren besitzen nur eine Plastik-Schiebeabdeckung...
vermutlich kam da -nach der Insolvenz von Elna bzw. Tavaro um 2000 herum- bei der viel späteren Einführung des B9 irgendeine Einigung zustande... ?
wer weiss darüber etwas ? huh


Zu den Elna Greifern habe ich bisher keinerlei brauchbare Informationen gefunden. Ein einziges recht aussageloses Photo wo man die Maschine mit dem Klappdeckel und der Taste sieht. Der Greifer ist zu klein um Details zu erkennen und erinnert mich optisch an die Singer-Haushalts-Horizontalgreifer.
Da ich mich mit Haushaltsmaschinen beruflich nie beschäftigt habe, kann ich auch nichts dazu beitragen wer da von wem was abgekupfert/geklaut/abgekauft hat.

Mich hat bei dem B9 Video primär die "grossartige neue Erfindung mit den beiden Haltenocken" stutzig gemacht ... die mir doch irgendwie bekannt vorkam.
Da hat natürlich uu4y völlig recht mit seiner Aussage das es die schon in den 80er/90er Jahren gab. Blos waren das schon die 1880er und 1890er Jahre ! biggrin

So findet man in der 7. Auflage von Renters "Der Nähmaschinen-Fachmann" aus dem Jahr 1953 verschiedene Greifertypen mit sehr ähnlichen Eigenschaften erklärt.

Konkret auf den Seiten 61-65 :

Seite 61 - Der Ringgreifer (Wheeler & Wilson Klasse 12) Ein umlaufender Ringgreifer mit Treiber den es seit 1885 gibt.
Seine Bewegung ist ungleichförmig, das Drehzentrum des Treibers liegt exzentrisch zum Drehzentrum des Greifers, dadurch ist jeweils für den ungehinderten Fadendurchschlupf immer nur ein Treiberfinger in Anlage; der Oberfaden kann ohne Hemmung umführt werden.
Ringgreifer W&W 12.jpg


Seite 62 - Der Standardgreifer (Standard Mfg. Co.) seit 1885
zwei bewegliche Stifte, die von einem Kurvengetriebe gesteuert werden und wechselweise in zwei entsprechende Bohrungen im Greiferrücken eintreten.
Standard-Greifer.jpg


Seite 62 - Der White–Greifer White-Bahngreifer mit Spulenkapsel seit 1900
Der White-Greifer wird ebenfalls durch Treiberstifte angetrieben. Die Stifte sind aber unbeweglich. Die Greiferbahn ist geneigt zur Bewegungsebene des Treibers angeordnet. Dadurch ist immer nur ein Stift im Eingriff und der reibungslose Fadendurchlaß gleichfalls gesichert.
White-Greifer.jpg


Darüber hinaus erfährt man auf Seite 63 - Bei schwingenden Bahngreifern ist durch die oszillierende Bewegung von Greifer und Treiberfinger der ungehinderte Fadendurchlaß auf einfache Art und Weise gesichert.
Systemimmanent liegt bei diesen Greifertypen immer nur eine Seite des Treibers am Greifer an.

Bahnschwinggreifer:
Zentralspulengreifer (C. B.) mit Treiber seit 1887
Ringschiffchen (deutsche Ausführung) mit Treiber und Spule seit 1878
Barrel-Greiferschiffchen seit ??

Also ist der Bernina B9-Greifer, aus der Sicht des Konstrukteurs, vielleicht doch gar nicht so neu und einzigartig ? wink

Das man auf grösseren Spulen mehr Faden aufwickeln kann ist für mich auch keine umwerfende neue Erkenntnis. ... Und das die Plastikspulenkapsel 115,-€ kostet halte ich schon für unverschämt. Um das Geld kann ich mir schon über 20 normale Stahlspulenkaspeln kaufen, welche ich persönlich bevorzugen würde.

Ich halte viele ältere Berninas (vor allem Industriemaschinen) für sehr gute Maschinen.
Anstelle des B9-Greifers würde ich aber die Pfaffschen 134 Greifertypen mit gefederten Bahnabdeckungen eindeutig bevorzugen.
Die kenne ich seit Jahrzehnten (zu tausenden von meinen Stickautomaten) und weiß wie hochwertig, zuverlässig, langlebig und günstig die sind.

Zu der Patentrechtlichen Frage von uu4y kann ich zum konkreten Fall nichts sagen weil ich nichts darüber weiß. Aber ich habe viele Sachen für meine Firmen konstruiert welche dann auch patentiert wurden und kann auch ungefähr abschätzen wie einfach man manchmal neue Patente mit relativ geringfügigen Änderungen durchbringen kann. Dafür gibt es ja auch spezialisierte Patentanwälte, oder oft wird sowas auch ganz einfach über Lizenzgebührzahlungen geregelt.

Letztendlich gibt es ohne Kläger keinen Richter ... und die von mir hier gezeigten Greiferpatente sind allesamt schon sehr lange abgelaufen.

Herzliche Grüsse vom Sputnik
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