Dürkopp 227

Fragen und Antworten zu Nähmaschinen von Adler, Dürkopp und Dürkopp Adler.
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jan123
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Re: Dürkopp 227

#11 Beitrag von jan123 »

Die Frage, wie man die Nase hochklappt, die die Spulenkapsel unten hält, kann ich mittlerweile beantworten: Man nimmt einfach den oberen Teil der Kapsel hoch und klappt damit die Nase mit um. Vielleicht rettet diese Information ja ein paar Fingernägel...

jan123
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Re: Dürkopp 227

#12 Beitrag von jan123 »

Und noch etwas leicht verwirrendes zur Einstellung des Fussdrucks: Die Baureihe 227/239/245 usw. hat zur Einstellung zwei Varianten, die (je nach Baujahr?) zusammen oder auch einzeln verbaut wurden: zum einen die lange Rädelhülse vorne auf der Maschine und zum anderen die Flachfeder auf der Rückseite. Laut der Anleitung für "Näherinnen und Mechaniker" vom Oktober 1974 erfolgt die Einstellung nur über die Flachfeder, was ziemlich aufwendig ist. Kontermutter lösen und so. Die lange Hülse ist zwar immer abgebildet, jedoch ohne Funktion. Die in der Anleitung von April 1985 beschriebenen Maschinen haben die Flachfeder gar nicht mehr. Da gehts dann über die Hülse.

Die in den Teilelisten beschriebenen Maschinen können offenbar beides - wie meine Maschine, wenn bei der nicht der Stempel fehlen würde, der unter der Hülse die Feder runterdrückt. Testweises runterdrücken mit einem Bleistift hatte aber keine Wirkung. Da gewinnt wohl die Flachfeder.

Last not least gibts im Netz Fotos von Maschinen, die die Hülse nicht haben, sondern nur die Flachfeder. Es gibt also alle Varianten.

Soweit, falls sich mal jemand wundert... Vielleicht hat einer der Experten noch ein paar Infos.

sputnik
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Re: Dürkopp 227

#13 Beitrag von sputnik »

Die unterschiedlichen Federvarianten haben primär konstruktive Gründe.
Die Verstellung mit Muttern war nicht komplizierter, da man normalerweise bei solchen Maschinen den Fussdruck "nie" verändert ... praktisch vielleicht alle paar Wochen mal für ein spezielles Material optimiert.
Das sind Gewerbe/Industriemaschinen mit welchen häufig über ihre gesamte Lebensdauer hinweg eine einzige Naht (z.B. Längsnaht für Armauflage mit Schnurpaspel) genäht und deshalb der Fussdruck auch nur einmal eingestellt wird.

Jede dieser Unterklassen/Varianten wurde für EINEN bestimmten Zweck optimiert. Das sind keine Universalmaschinen sondern Spezialmaschinen. Deshalb die vielen kleinen Unterschiede.

Ein häufiges Todesurteil bei dieser Maschinengeneration war eine falsche Einstellung des Presserfussdrucks. Die Gussteile wurden bereits bei korrekter Einstellung maximal belastet ... und wenn dann, was immer wieder vorkam jemand noch ein wenig mehr Fußhub, Stichlänge, Presserfussdruck (häufig statt vorgeschriebenen maximal 2 Blattfedern nich eine dritte drauf) einstellt, bilden sich Risse im Guss welche zum zerbrechen der ganzen Maschine führen.
Bei normaler Anwendung waren diese Maschinen sehr langlebig. Die Herstellerfirmen haben dann auch im Lauf der Jahre Maschinenklassen entwickelt wo man die Wünsche der Anwender nach ein wenig mehr berücksichtigt hat. Z.B. bei Adler Klasse 67 ... 167 ... 467 ... etc..
Das grosse Problem ist das es eben nicht nur Mechaniker gibt (Mechanik = die Lehre von den bewegten und ruhenden Kräften) sondern auch Schneider und Tapezierer welche sich nie mit sowas beschäftigen mussten ... und deshalb nicht verstehen warum eine winzige Schraubenumdrehung, bedingt durch Hebelwirkung und Zusammenspiel der Kräfte, plötzlich aus einer Tonne zwei Tonnen macht.
Ich hatte Kunden welchen wir das mehrfach ausführlichst erklärt haben ... es steht auch gross in den Anleitungen beschrieben ... und dann wird die erste Maschine zerstört ... und die zweite ... und die dritte ... angry

Und zum Argument ich nähe ja nicht so viel ... viele der zerbrochenen Maschinen waren nur wenige Monate alt.

Lebendauererhöhend/Maschinenschonend ist natürlich eine langsamere Geschwindigkeit, weil da weniger dynamische Kräfte und Vibrationen wirksam werden. Aber das hilft natürlich auch nur in gewissen Grenzen.

Herzliche Grüsse vom Sputnik

P.S.: Zu den Unterklassen/Teilelisten ... Nähmaschinen sind von der Mode abhängig. Wenn wie in den 1960er Jahren wagenradgrosse Knöpfe modern sind werden dafür Knopflochmaschinen gebaut. Wenn die drei Jahre später nicht mehr en vogue sind werden diese Maschinen auch nicht mehr produziert ... und deshalb irgendwann, zwecks besserer Übersichtlichkeit, nicht mehr in den Listen erwähnt.
Und sehen wir uns nicht in dieser Welt
dann sehen wir uns in Bielefeld! (Udo Lindenberg)

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