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Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

Verfasst: Freitag 22. November 2024, 21:38
von Asher
ansich sind es 29x1, 29x2, 29x3, 29x4
heute bekommt man 29x3 (Stoff) 29x4 (Leder)

abgeschaut hat Adler bei Singer, vorher hatte Adler die Colibri und die darauf basierende Patent Elastic (neben Eigenmaschinen für andere Zwecke)
abgeschaut wird seit 1860ern, Singer selbst war der erste, deshalb hatten seine frühen Singer 12 noch eine 2. Seriennummer,
das Howe Patent, dass er zahlen musste nach Gerichtsprozess...

Bei Kleinanzeigen gibbet massig Maschinen mit "verbesserte Singer", "beste Singer" etc,
Rast & Gasser hat dann noch durchgeklagt, dass "Singer" ja nur eine Maschinentypen-Bezeichnung sei...
abgesehen davon haben die, wie die meisten, Singer nicht stumpf kopiert, sondern tatsächlich deutlich verbessert.

Und Singer hat wieder bei denen geklaut (Schiffchenauswurf Langschiffchen z.B.)

Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

Verfasst: Freitag 22. November 2024, 21:54
von Jukianer
Interessante Geschichte, wer vom wem geklaut/abgeschaut hat.
Egal wie die Entwicklung bei diesen Maschinen war, ich bin heil froh, eine wirklich gute Gebrauchte zu haben. Ganz besonders, weil ich sie eigentlich als Mädchen für alles verwende, wenn es um was dickeres zum nähen geht. Noch dazu kommt man mit dem schmalen Freiarm auch zu den schlecht zugänglichen Stellen. Der Obertransport unterstützt das auch noch.
Grüße Anton

Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

Verfasst: Freitag 22. November 2024, 23:25
von wrought_iron
Bei näherer Betrachtung fällt mir doch wieder ein, wie das war mit dem Nähmaschinenwahnsinn ...
Es hat zwar jetzt nix direkt mit Singer zu tun, aber eine kleine Abweichung sei erlaubt.

Los ging's mit der Erkenntnis, dass ich ja nicht wegen jedem abenen Knopf und Riss in der Arbeitshose nach der Scheidung zu meiner Mutter laufen wollte. So kam's zu einer W6.
Und dann musste ich für meine Jack Russell Hündin eine Mitfahrgelegenheit für's Motorrad schaffen, damit sie nicht auch noch am Wochenende allein war. Also habe ich ein Guzzi-Gespann gekauft. Das Verdeck des Beiwagens war aber eher desolat. Die W6 war damit überlastet. Ich hab dann Nägel mit Köpfen gemacht und eine Dreifachtransport gekauft.
So kam's dann zum tatsächlichen Infekt.
Und dann kam auch schon die Singer 29K73 ...

Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

Verfasst: Freitag 22. November 2024, 23:27
von sputnik
Also nichts für ungut ... aber was sollte ein Raumausstatter damit schon nähen? Zierkissen oder Vorhänge?
Wenn man eine Firma hat muss man sehen dass man genug Geld zum Überleben verdient. Da kann man sich keine Maschinen mit Speedreducer leisten. wink
Die verwenden normale Overlock, Schnellnäher bis Tapezierermaschinen, mit Fadenabschneider, Verriegelungsautomatik und sonstiger Ausstattung (z.B. Differntialtransport oder Puller). Da kauft man neue Maschinen weil sie schneller sind als die Alten.
Die brauchen ja auch häufig Apparate für Paspel, Borten etc.
Ich hatte ja viele Raumaustatter als Kunden, aber bei keinem je so eine Maschine gesehen. wink

Grüsse vom Sputnik

Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

Verfasst: Samstag 23. November 2024, 00:05
von wrought_iron
Hallo Sputnik,

inhaltlich bin ich bei Dir. Allerdings habe ich nur meine Erfahrungen wiedergegeben und mich mit meiner Einschätzung vielleicht etwas weit aus dem Fenster gelehnt ... sorry dafür.

Beste Grüße
Christoph

Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

Verfasst: Samstag 23. November 2024, 05:27
von Jukianer
Hallo Sputnik - Da gibt es natürlich 2 Seiten. Arbeite ich gewerblich und verdiene damit meinen Lebensunterhalt oder ist es Hobby, bzw. Spaß am nähen, bzw. Nähmaschinen. Da treffen 2 Welten aufeinander. Ich machte vor kurzen einen Schuhmacherkurs in Schrems (Gea Waldviertler Schuhe). Wir Teilnehmer hatten die Schuhe traditionell vieles mit der Hand gemacht. Bis auf ein paar Ausnahmen, wenn jemand handgefertigte Schuhe will und den Preis dafür auch bezahlt, würde man bei dieser Herstellungsweise schnell in Konkurs sein. Wenn ich nur bedenke, wie viele Stunden wir für das Aufzwicken des Schaftes und dem Rundumnähen per Hand von Schaft und Zwischensohle gebraucht haben, wird mir heut noch schlecht. Wir haben uns den Fertigungsbetrieb für solche Schuhe auch angeschaut. In diesem Betrieb ist das einfach, den Beschäftigten über die Schulter zu schauen. Da gibt es Aufzwickmaschinen und eine spezielle Nähmaschinen für das vernähen des Schaftes und der Zwischensohle. Wo wir X-Stunden gebraucht haben, machten das die beiden Maschinen vielleicht in 2 Minuten.
Aber ganz ausgestorben sind die alten Maschinen in so manchen Reparaturbetrieben auch noch nicht. Ich kenne eine Schuhmacherin (Reparaturbetrieb), die verwendet nach wie vor die Freiarm Adler 30 und eine Praff Säulennähmaschine 193. Natürlich beide mit Motor. Das selbe kenne ich auch aus der Metallbearbeitung. Da sind auch noch so manche museumsreife Maschinen in Betrieb, weil man ua. wegen bestimmter Arbeiten, die selten sind, nicht ausser Haus gehen will und so keine Wartezeiten hat.
Aus meiner Sicht ist das so: Wenn ich als Privatperson was gröberes zu nähen habe, gehe ich in meine kleine Werkstätte und mache das. Ich brauche nirgend wo hin fahren und Wartezeiten in Kauf nehmen. Weiters kann ich auch meiner Kreativität freien Lauf lassen. Noch dazu stehen bei mir ein paar Maschinchen, die fast nichts kosteten und mich mein restliches Leben noch dazu erfreuen. Wirtschaftliches Denken ist hier natürlich kein Thema - siehe deinen Beitrag. Ich bin voll und ganz deiner Meinung und verstehe dich auch, was deinen Beitrag betrifft, weil ich selbst auch 37 Jahre einen kleinen Gewerbebetrieb hatte. Leider musste ich auch, wie so viele kleine Gewerbebetriebe, wegen Pensionierung eine Betriebsauflösung machen, da ich keinen Nachfolger hatte, bzw. fand. Sehr schade, da ich von dem kleinen Betrieb gut leben konnte. Heutzutage mag man das anscheinend nicht mehr so sehr, da das "selbst" und "ständig" Arbeiten nicht mehr so "in" ist.
Grüße Anton

Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

Verfasst: Samstag 23. November 2024, 09:19
von adler104
in dem Zusammenhang fällt mir ein schönes Video von RED WING Shoes ein, bei denen werden noch alte Puritan Stitcher verwendet werden:

https://www.youtube.com/watch?v=RMWAPPEucMI

Das sind übrigens Kettenstich Maschinen.

Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

Verfasst: Samstag 23. November 2024, 17:04
von sputnik
Ja klar ... die Maschinen haben immer noch ihre Daseinsberechtigung und viele sind bei Änderungsschneidern gelandet die damit z.B. Lederbekleidung reparieren.

Aber ich fand die Vorstellung mit den Raumausstattern so absurd, weil ich da eben viele neue Sachen verkauft und installiert habe. Und bei denen gehts um Präzission (Differentialtransport, Faltenleger usw.), Masshaltigkeit (Bandtransport und Puller) und Tempo, mehr Tempo und noch mehr Tempo. biggrin
Riesige Tischplatten, grosse Unterfadenspulen für lange Nähte, spezielle Maschinen zum hängend Messen und Zuschneiden, Nähen und Bügeln von Vorhängen etc.

Bei den Schuhreparaturmaschinen spielt das Tempo ja auch keine Rolle, die werden auch nur ausgetauscht wenn es keine Ersatzteile mehr gibt, beziehungsweise gibt es bei uns auch kaum noch Schuster und auch immer weniger Schuhreparaturen wo jemand weiss wie man das macht.
Schuhmacher ist auch ein schwerer Job und erfordert eigentlich viel Erfahrung. Ein Freund, Sohn eines ebenfalls befreundeten pensionierten Schuhmachers hat noch Orthopädieschuhmacher gelernt und auch mit Bravour abgeschlossen. Dann noch eine IT-Ausbildung gemacht und will von Schuhe anfertigen/reparieren nichts mehr wissen weil es ein schwerer und Brotloser Job ist. In Fabriken gehts noch etwas besser zu, da gibts aber auch fast keine mehr bei uns.
Der Vater hatte als Einmannbetrieb eine irre Ausstattung an Maschinen (die ich immer reparierern durfte) und von ihm habe ich viel über Schuhmacherei gelernt. Er war z.B. auch der letzte den ich kannte, der noch Kantiermaschinen verwendet hat.

Zu GEA: Hast Du den Heini auch kennengelernt? Der ist ein alter Kaffeehausfreund von mir, noch aus der Zeit bevor er mit GEA begonnen hat. wink

Grüße vom Sputnik

Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

Verfasst: Samstag 23. November 2024, 18:14
von Jukianer
Zu GEA: Hast Du den Heini auch kennengelernt? Der ist ein alter Kaffeehausfreund von mir, noch aus der Zeit bevor er mit GEA begonnen hat. wink
Ja Sputnik, da hast du einen sehr interessanten Menschen kennengelernt - jeden Tag am späten Abend kam er nach Feierabend zu uns in eine so Art "Aufenthaltsraum" auf ein Plauscherl bei einem Glaserl Wein. Sogar beim Kurs hat er bei uns kurz vorbeigeschaut. Er wohnt ja direkt im Werk in einer ganz einfachen Räumlichkeit.
Jedenfalls diese Plauscherl stellten alles in den Schatten, was man so von Unternehmern kennt. Der Heini ist ein sehr gebildeter Mensch mit einen Hauch ins Philosophische. Er ist noch eine Sorte Mensch im positiven Sinne, die im Aussterben ist. Mit ihm könnte man sich eine ganze Nacht köstlich unterhalten, ohne dass einem fad wird. Alles was er sagt/sagte ist ausreichend im www dokumentiert und wahr und für einen Menschen, der den Namen Staudinger Heini nicht kennt, fast nicht zu glauben. Ich kann nur Gutes von ihm sagen.
Sein Firmenleitsatz: "Scheiß di net an" und "Bitte sei net so deppert" :lol27:
https://mutbank.wordpress.com/2017/05/2 ... di-ned-an/
Der Heini hat sogar mal für den Bundespräsidenten kanditiert.
Es gibt genügend Yuotube Videos von ihm.
Grüße Anton