Seite 11 von 11

Re: Rat zur neuen Nähmaschine für Jeansarbeiten

Verfasst: Sonntag 28. Juni 2026, 00:57
von sputnik
Ein guter Stoff ist aus Hanf. Baumwolle hat von den Naturfasern die greingste Faserlänge ... Hanf die längsten Fasern.
Es hat schon seinen Grund warum früher alles belastbare (z.B. Segel, Taue und auch Jeans) aus Hanf hergestellt wurde.
Aus Baumwolle geht trotz enormen Chemieeinsatz nur minderwertige Qualität.
Leider ist der Hanfanbau in Europa kaum noch vorhanden. Ungarn war vor ~30 Jahren das letzte Land in Europa wo noch nennenswerte Mengen an Hanfstoffen produziert wurden. Mir haben damals Kunden Hanfstoffe gezeigt die man mit feinster Seide verwechseln konnte ... aber an sowas hatte niemand interesse. Bei uns hat man aus Hanf lieber kartoffelsackartige Stoffe verwendet die dann verständlicherweise auch keiner haben wollte. angry

Baumwolle ist vom Anbau begonnen (Wasserverbrauch) bis zum fertigen Faden/Stoff das mieseste Material. Ein reiner Baumwollfaden ist auf Industriemaschinen ohnehin nicht zu verwenden.

Herzliche Grüsse vom Sputnik

Re: Rat zur neuen Nähmaschine für Jeansarbeiten

Verfasst: Sonntag 28. Juni 2026, 17:55
von Werner7
Von Stoffen habe ich bisher wenig Ahnung, lerne aber gerne dazu. Deshalb formuliere ich meine geringen Kenntnisse hier in Frageform:

-Ist es richtig, dass in den fünfziger Jahren Zelte aus "ägyptischer Baumwolle" verkauft wurden? Deren Merkmal soll u.a. gewesen sein, dass die Garne des Stoffes aufquollen und auch ohne spezielle Imprägnierung leichteren Regen abhielten. Beobachten kann man das heute noch bei älteren Klepper Faltbooten, die auch diese Stoffart benutzten.

Aktuell wird ägyptische Baumwolle z.B. für Bettwäsche verwendet und die Verkäufer behaupten, dass diese Bauwolle aus längeren Fasern gesponnen wird als sonstige Baumwolle.

Bei der Firma Toplicht in Hamburg (Yachtausrüster) habe ich diesen Baumwollstoff gefunden:

https://www.toplicht.de/rigg-segel/sege ... -baumwolle .

Der wiegt sogar 550g pro Quadratmeter, wobei darin auch ein Anteil paraffinbasierter Imprägnierung enthalten ist; also nichts für Jeans. Gedacht ist er als Persenningstoff und dafür will ich ihn auch einsetzen. Es geht um eine "Fahrradgarage" für ein Liegerad, etwas Zeltartiges. Nächste Woche bin ich in Hamburg und werde eine Probe kaufen, um zu sehen, wie ich und meine Pfaff 230 damit zurechtkommen, mit oder ohne Motor.

Grüße von
Werner

Re: Rat zur neuen Nähmaschine für Jeansarbeiten

Verfasst: Sonntag 28. Juni 2026, 18:00
von Asher
Naja, Toplicht hat Mond- und Märchenpreise... aber echt gutes Sortiment

Re: Rat zur neuen Nähmaschine für Jeansarbeiten

Verfasst: Montag 29. Juni 2026, 09:01
von Noffie
sputnik hat geschrieben: Sonntag 28. Juni 2026, 00:57 Ein guter Stoff ist aus Hanf. Baumwolle hat von den Naturfasern die greingste Faserlänge ... Hanf die längsten Fasern.
Es hat schon seinen Grund warum früher alles belastbare (z.B. Segel, Taue und auch Jeans) aus Hanf hergestellt wurde.
Aus Baumwolle geht trotz enormen Chemieeinsatz nur minderwertige Qualität.
Leider ist der Hanfanbau in Europa kaum noch vorhanden. Ungarn war vor ~30 Jahren das letzte Land in Europa wo noch nennenswerte Mengen an Hanfstoffen produziert wurden. Mir haben damals Kunden Hanfstoffe gezeigt die man mit feinster Seide verwechseln konnte ... aber an sowas hatte niemand interesse. Bei uns hat man aus Hanf lieber kartoffelsackartige Stoffe verwendet die dann verständlicherweise auch keiner haben wollte. angry

Baumwolle ist vom Anbau begonnen (Wasserverbrauch) bis zum fertigen Faden/Stoff das mieseste Material. Ein reiner Baumwollfaden ist auf Industriemaschinen ohnehin nicht zu verwenden.

Herzliche Grüsse vom Sputnik
Ich habe es anders in Erinnerung.
Baumwolle ist zwar nicht so langfaserig wie Flachs und Hanf, aber feiner in der Faser. Darum ist Baumwolle angenehmer auf der Haut => Unterwäsche wurde früher aus Baumwolle gefertigt.
In der Industrie ist nicht die Qualität entscheidend sondern der Preis.
Darum ist Baumwolle das mieseste Material?
Ich habe gelesen, dass die Nähmaschinen mit den höchsten Stichleistungen pro Minute einen hochwertigen Baumwollfaden erfordern, da Polyesterfaden zu heiß wird und seine physikalische Grene erreicht .

Re: Rat zur neuen Nähmaschine für Jeansarbeiten

Verfasst: Montag 29. Juni 2026, 13:41
von sputnik
Wie Du vollkommen richtig sagst ... entscheidend ist der Preis. wink

Baumwolle hat sich nur deshalb etabliert weil sie relativ früh maschinell (bereits im 17 Jhdt.) und etwas später auch automatisch verarbeitet wurde.
Bei Industriemaschinen können üblicherweise keine Baumwollfäden verwendet werden weil sie der Belastung nicht standhalten. Auch die besten Kette/Schrägkette sind einfach unbrauchbar.
Bereits Ende des 19.Jhdt. wurde bei vielen Maschinen (z.B. Knopflochmaschinen) darauf hingewiesen das man damit keine Baumwollfäden verwenden soll/kann. Für Knopflöcher wurde damals Knopflochseide oder Schappeéseide verwendet.
Da sich aber Polyester nachträglich nicht brauchbar färben lässt und viele Bekleidungstextilien aus Baumwolle hergestellt werden benutzt man heute in der Bekleidungsindustrie hauptsächlich Baumwollumsponnene Polyesterfäden. Die haben den Vorteil belastbar und langlebig zu sein und trotzdem nachträglich (z.B. nach Kundenwusch) gefärbt werden können.
Man ist auch nicht auf Polyester allein angewiesen, es werden heute auch Fasern/Mikrofasern aus Holz (=Viskose), Casein, Acetat, Cupro usw. hergestellt.

Traditionell war Hanf die billigste Faser für hohe Belastungen. Seide ist ebenfalls sehr belastbar und fein aber teuer.
Hanf wurde früher hautsächlich für technische Textilien wie Taue, Seile, Planen, Segel, Säcke etc. verwendet. Auch die ersten Jeans wurden deshalb aus Hanfstoffen angefertigt. Da es keine besondere Nachfrage gab wurde die Verarbeitung aber nicht weiterentwickelt und verfeinert. Bauwollpflückende Sklaven waren einfach billiger. Die Arbeitsbedingungen in den Baumwollspinnereien waren auch eher Sklavenarbeit, was sich ja bis heute auch in vielen anderen Bereichen der Textilproduktion gehalten hat. Ein Markenhemd welches um <200,-€ verkauft wird darf nicht mehr als 2,-€ in der Produktion (Gesamtkalkulation von Stoffanlieferung bis in den Laden) kosten.
Ich hatte manchmal zu kämpfen um nicht zu heulen zu beginnen, wenn ich einen Lohnzettel in der Nähmaschinenschublade gesehen habe. heul
Es lebe die Mode! sad

Ähnlich aber mit nicht ganz so vielen/guten Eigenschaften ist der Flachs. Deshalb werden auch belastbare Fäden (z.B. Knopfannähzwirn) aus Naturfasern meistens aus Flachs hergestellt.

Ungarn war lange Zeit das Land mit der grössten Faserhanfproduktion in Europa. Ich war beruflich früher sehr viel in Ungarn unterwegs und wurde von meinen Kunden über aktuelle Neuerungen informiert. Dort zeigte man mir regelmässig neue Verarbeitungsmethoden für Faserhanf, wodurch sich die Qualität der Fasern und der daraus hergestellten Textilen Materialien soweit verfeinert hatten, das die Stoffe wenn gewünscht sich kaum noch von feinster Seide unterscheiden. Da kann die beste/feinste Baumwolle nicht annähernd mithalten. Leider ist aber die Baumwollindustrie, mit ihren sklavenartigen Arbeitsbedingungen soweit etabliert und kommerziell efolgreich, dass sich daran ohne Not wohl so schnell nichts ändern wird.

Google mal ->
Umweltbelastung Baumwolle vs. Leinen vs. Hanf https://www.google.com/search?client=fi ... n+vs.+hanf
Arbeitsbedingungen Baumwollproduktion https://www.google.com/search?client=fi ... roduktion
Arbeitsbedingungen Baumwollmühlen https://www.google.com/search?client=fi ... %C3%BChlen
in Deutschland -> https://tour-de-kultur.de/2017/06/07/ba ... ngungen-2/

Damit sind wir dann bei der guten Biobaumwolle ... die alle nur halb so schnell umbringt. boewu

Herzliche Grüsse vom Sputnik

Re: Rat zur neuen Nähmaschine für Jeansarbeiten

Verfasst: Dienstag 30. Juni 2026, 00:14
von HusPfaSing
Yosh hat geschrieben: Samstag 6. September 2025, 22:46 (Off-Topic On)
Eigentlich wollte ich mein Jeans-Vorhaben hier nicht breittreten, nun ja:
Bei Levi’s, Wrangler und co. hört die Fahnenstange noch lange nicht auf. Dabei ist die Qualität dieser Marken seit geraumer Zeit merklich schlechter geworden. Und wenn man noch eine echte amerikanische Qualitätsjeans haben möchte, die bestenfalls länger als 1-2 Jahre hält, muss man heutzutage leider nach Japan schielen. Die haben die Traditionen bewahrt und stellen Jeans noch qualitativ her. Ein kommerzielles Beispiel ist die Marke Edwin (Preis 200€ aufwärts). Lange Rede kurzer Sinn: ich will japanischen Denim vernähen und dabei mein (selbstangeeignetes) Schnittkonstuktionswissen für eine bessere Passform anwenden.
(Off-Topic End)

Die Frage ist also; kennt jemand eine bessere Universalmaschine für meine Anforderung (zur Erinnerung gerne älter, kein Plastikbomber, ausreichend kraftvoll, akzeptabel leise, Geradstich und evtl. ZickZack reichen)?
Die Pfaff Tippmatic Modelle haben einen leicht höheren Fusshub als die 1222.

Hier kommt noch mein Senf:

vorne Weg: Ich nähe Jeans mit einer Pfaff 1229, weitgehend baugleich mit der 1222. Allerdings nicht aus Japan Denimm.

Die Krux ist, je dicker der Faden, je dicker die Nadel, je schwerer geht sie durch den Stoff. Die Nadel muss somit so fein wie möglich sein, gerade so, dass der Faden nicht reisst. Es bleibt ein Kompromiss, leider!

Denn: Richtig schöne Kappnähte schafft nur eine spezialisierte 2 Nadel-2 Faden-Kettenstich Kappnahtmaschine! Hier eine unterhaltsame Dokumentation der Blaumann-Jeans-Manufaktur welche Jeans wie früher aus Japan Denimm herstellt: https://www.ardmediathek.de/video/handw ... zIyODA3MjU


Ich glaube 16 Lagen Japan Denimm schafft keine Haushalt Nähmaschine, bestenfalls noch die Uralten mit Fussantrieb.

Viel Erfolg und Gruss Jürg

Re: Rat zur neuen Nähmaschine für Jeansarbeiten

Verfasst: Dienstag 30. Juni 2026, 13:18
von dieter kohl
serv

bitteschön

16 Lagen Jeans auf Pfaff Tipptasten-Maschine

mod PICT0474.jpg

Re: Rat zur neuen Nähmaschine für Jeansarbeiten

Verfasst: Dienstag 30. Juni 2026, 14:59
von Mikeleh72
Also ich würde, so wie in meiner Werkstatt zu einem Wechseltisch für Industriemaschinen tendieren. Bei mir sind Pfaff 138. 238 und 145 im gleichen Tisch mit dem gleichen Motor. Die 138 und die 145 sind zudem mit Nadelpositionierung ausgestattet. Um allerdings richtige Jeans zu nähen, fehlt dann ja eine Kettenstichmaschine z.B. von Union Spezial und noch eine gute alte Überwendlingmaschine, die das leicht packt. Dann steht richtigen Jeans wohl nur noch die Stoffauswahl im Weg! Und bitte Finger weg von Stoffen mit Elastan. So sind sie dann sicher nicht mehr original. Eine Union Spezial zu einem leistbaren Preiss uch ich schon lange für die Kettenstichnaht. Derzeit erledige ich das mit einer kleinen Singer 240 K12 und überwendeln tu ich mit einer Mauser Spezial. Die Materialstärke war bei mir noch nie das Problem. Die 138 packt das locker. Bei mir werkelt unter dem Tisch ein 750 Watt Servo und ein Kniehebel - passend für alle 3! Zur Not kann die 145er aushelfen. Meine Pfaff 138 hat übrigens so wie meine 238er eine 134 R Nadelstange. Viel Spaß! Freue mich auf deine Ergebnisse! beerchug