Da ich als Nähanfänger besonders gerne ganz laaaaangsaaaam nähe, liebe ich die Handkurbelmaschinen.
Die Handkurbel war der erste Antrieb von Nähmaschinen überhaupt, auch Kindernähmaschinen haben ihn lange gehabt. So kompliziert konnte das Nähen damit also nicht sein. Nur eben langsam, was aber im Hobby keine wirkliche Rolle spielt. Da sind Zuschneiden, Abstecken und Bügeln der Hauptzeitaufwand. Ein halbe Stunde Vorbereitung für 20 sec. Nähen sind da keine Seltenheit. Das Treten bei der Antriebsart, die die Handkurbel abgelöst hatte, ist auch nicht unbedingt einfacher, muss man doch die Beinbewegung zusätzlich koordinieren.
Zwei Hände am Stoff sind ohnehin gefährlich, weil immer die Gefahr besteht, den Stoff in irgendeine Richtung zu zerren. Die Naht wird dadurch eher unruhig als gerade. Das Führen mit der linken Hand links
neben dem Nähfuss ohne Zug oder Schub genügt! Viel meinen, den Stoff vorne "einschieben" zu müssen, den holt sich der Transporteur aber ganz von alleine. Natürlich setzt das voraus, dass der Stoff im Nahtbereich glatt und unbehindert nachrückend daliegt und die Naht möglichst vorher abgesteckt ist. Die vielen Kratzspuren an den Armen meiner alten Maschinen zeigen, dass dort mal Stoffwickel als Aufnahme für die vielen Stecknadeln nach schrittweiser Entnahme angebracht waren. Die rechte Hand hält allenfalls den Stoff hin und wieder etwas glatt und rückt ihn bei Kurven schrittweise zurecht. Das kann man gut in kurzen Nähpausen, bei denen man eben nicht kurbelt. Ein Kurvennaht sauber bei durchgehend hohem Nähtempo mit Elektroantrieb hinzukriegen, fällt mir noch sehr schwer. Hut ab vor den Billiglohn-Näherinnen in Bangladesh.
Profis halten den Stoff mit der rechten Hand auch ohne Nadeln zusammen, aber das ist etwas anderes.
Allenfalls bei Stretchstoffen ist das Führen vorn und hinten unbedingt notwendig, um sie gegen ihre Kräuselneigung glatt zu halten - aber keinesfalls über den Transporteurvorschub hinaus zu dehnen. Dann kräuselt sich aus eigener Anfängererfahrung die Naht völlig unkontrollierbar. Handkurbel-Gradstichmaschinen sind aber für solche Stoffe völlig ungeeignet. Aber Biesenaufnähen, Rollsäume und Kappnähte bekommt man damit auch hin, eben langsam. Auch eine schöne "französische Naht".
Natürlich sind industrielle Schnellnäher da was ganz anderes hinsichtlich Nahtgüte - aber wer da versucht, mit beiden Händen den Stoff kurz vor der Nadel zu führen, muss aufpassen, dass er nicht durch die rechten Finger näht

. Man kann das professionelle "Führen" gut bei Videos von Walter Lunzer unter Youtube sehen.
Grüße Harald