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Re: Wer kennt diese alte Nähmaschine ?

Verfasst: Mittwoch 4. Mai 2016, 16:02
von Klaus_Carina
Die geschwungene Form der Verbindungsstange dürfte allein auf Grund ihrer Lage unterhalb der Sichtseite sekundär sein -
ich könnte mir drei Gründe dafür vorstellen:
1) Der Hebel an der Antriebsseite rechts hat ca 5 cm Armlänge zu der Schubstange, der des Schiffchens vielleicht 3 cm mit der "geschwungenen" Stange gibt es einen anderen Winkel zum Arm (zumindest optisch)
2) Eine Maschine der Zeit könnte eine "me too" Maschine sein, um das Wort "Plagiat" zu vermeiden - wenn die andere eine "direktere" Verbindung hatte als konstruktionsunterscheidendes Merkmal zu interpretieren.
3) Die NutzerInnen dieser Maschinen haben damals auch die Technik d.h. Wartungsaufgaben gemacht (so wie später sogar bei meinen geliebten Automatiks der 50er/60er). Da sieht doch so ein geschwungenes Teil nicht nur schöner, sondern auch technisch wertiger als eine gerade Stange aus - "Wertschätzug der Kundin")

Re: Wer kennt diese alte Nähmaschine ?

Verfasst: Donnerstag 5. Mai 2016, 11:37
von Manohara
dürfte allein auf Grund ihrer Lage unterhalb der Sichtseite sekundär sein
ja. Einerseits.
Eine meiner Theorien ist ja aber eben, dass dieser "Sinn für Schönheit" auch vor Unterseiten nicht Halt gemacht hat.

Ich weiß von Uhrmachern, die "damals" wie heute Wert auf die Ästetik des Aufbaus von Uhrwerken legen. Bei denen gibt es sowas wie einen Wettbewerb, wer die schickere Lösung findet. ... und wer schaut schon Mal in Uhrwerke rein - und versteht auch noch was davon ?

Was ich aus dieser Diskussion als Erweiterung meiner Überlegungen mitnehme ist, dass es für manche "schönen" Lösungen technische Gründe gibt, die vielleicht oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind, aber doch vorhanden.


Was mir bei diesem Gedanken noch "fehlt", ist eine Begründung, warum die heutigen, technischen Ursachen so andere - in meinem Erleben unanttraktive, emotional kalte - Ergebnisse bringen?


Natürlich wird Schönheit verschieden erlebt.
Die Einen mögen den Jugendstiel mit seinen schwelgenden Schwüngen, die Anderen lieber das Bauhaus, mit seiner "begründeten" Klarheit.
Beide haben - aus meiner Sicht - durchaus ästhetisch erfreuliche Ergebnisse.
Es gibt aber formale Entwicklungen, speziell im Bereich von Maschinen, bei der spielt die Freude am Werkzeug und wie es aussieht, überhaupt keine Rolle mehr.

Ich erlebe das so, bedauere es und halte es für ungeschickt.

Das Leben sollte in allen Bereichen erfreulich und lebenswert gestaltet werden ... meine ich smile

Re: Wer kennt diese alte Nähmaschine ?

Verfasst: Donnerstag 5. Mai 2016, 12:11
von Klaus_Carina
In meinem heutigen Thread zur Teielsuche Singer 28 hat Lanora einen Link zur Bedienungsleitung eingehängt. Wenn Du den durchblätterst, kommt irgendwnn die Maschine von unten. Singer hat klar kostenorientiert einen stockgeraden Verbindungsstab zwischen Antrieb und Schiffchenschwenker.
ABER: die beiden jeweiligen Arme der Auslenkungshebel haben einen Bogen und die stehen parallel zueinander. Also gibt es doch einen technischen
Grund Längenausgleich bei der Bewegung.

Re: Wer kennt diese alte Nähmaschine ?

Verfasst: Donnerstag 5. Mai 2016, 12:33
von Manohara
Also gibt es doch einen technischen Grund
ja. beerchug

Heutige Maschinenkonstrukteure werden allerdings auch immer sagen: "Technische Gründe".

Die Frage bleibt, warum entstehen aus technischen Gründen ansprechende Formen oder eben nicht.

Eine Antwort könnte sein, dass man heutige Maschinen-Formen auch als schön empfinden kann und ich das nur nicht sehe.
Möglich.
Ich nehme es aber nicht an.


Der Satz: "form follows funktion", lässt sich verschieden interpretieren.

Für mein Verständnis ist eine wichtige Funktion von allem, womit Menschen zu tun haben: "die Freude zu mehren" und mir scheint das immer mehr in Vergessenheit zu geraten.

Re: Wer kennt diese alte Nähmaschine ?

Verfasst: Samstag 7. Mai 2016, 16:07
von HAD
Nach wie vor glaube ich, dass Vieles was man heute als "Design" verkauft nur der Kostenoptimierung geschuldet ist. Heute muss alles möglichst billig hergestellt werden, am besten ohne menschliche Arbeitskraft, aber möglichst teuer an Menschen verkauft werden. 100fache Gewinnspannen sind heute der Maßstab für Unternehmen. Irgendwann haben die arbeitslosen Menschen dann kein Geld mehr um die Roboterware zu kaufen...

Wir sollten aber auch nicht alles Moderne schlecht reden, gerade bei Nähmaschinen geben sich einige viel Mühe die Plastikhülle in tolle Formen zu bringen. Und die ersten Maschinen von Howe und Singer waren auch keine Designwunder. Manche Phoenix und Dürkopp aus den 50ern auch nicht.

In China und anderen Fernostländern werden Singer 15/88 nach wie vor nachgebaut, so um 100$ pro Stück. Mit tollestem, bunten Dekor. Sogar als Tret- und Handkurbelmaschinen. In Indien liebt man in der "Mülllandschaft" solche Farbtupfer.

Gruß Harald

Re: Wer kennt diese alte Nähmaschine ?

Verfasst: Samstag 7. Mai 2016, 19:27
von dieter kohl
HAD hat geschrieben:Nach wie vor glaube ich, dass Vieles was man heute als "Design" verkauft nur der Kostenoptimierung geschuldet ist. Heute muss alles möglichst billig hergestellt werden, am besten ohne menschliche Arbeitskraft, aber möglichst teuer an Menschen verkauft werden. 100fache Gewinnspannen sind heute der Maßstab für Unternehmen. Irgendwann haben die arbeitslosen Menschen dann kein Geld mehr um die Roboterware zu kaufen...

Wir sollten aber auch nicht alles Moderne schlecht reden, gerade bei Nähmaschinen geben sich einige viel Mühe die Plastikhülle in tolle Formen zu bringen. Und die ersten Maschinen von Howe und Singer waren auch keine Designwunder. Manche Phoenix und Dürkopp aus den 50ern auch nicht.

In China und anderen Fernostländern werden Singer 15/88 nach wie vor nachgebaut, so um 100$ pro Stück. Mit tollestem, bunten Dekor. Sogar als Tret- und Handkurbelmaschinen. In Indien liebt man in der "Mülllandschaft" solche Farbtupfer.

Gruß Harald
den herstellungspreis solltest du "etwas" nach unten korrigieren auf rund 10 $ / Stück

Re: Wer kennt diese alte Nähmaschine ?

Verfasst: Sonntag 8. Mai 2016, 17:10
von HAD
Stimmt, ich meinte aber den durchschnittlichen Verkaufspreis. wink

Gruß
Harald

Re: Wer kennt diese alte Nähmaschine ?

Verfasst: Sonntag 8. Mai 2016, 20:01
von HAD
Hallo ihr Technikfreaks und -nostalgiker (nicht abwertend gemeint! biggrin )

Ich liebe alte Technik, weil man soviel davon lernen kann. Die Druckfestigkeit von schneckenförmigen Gussspeichen in Rädern darf man aber bezweifeln, da diese unter Druck vor allem auf Biegung beansprucht werden, die Guss überhaupt nicht mag. Kein Mensch wäre auf den Gedanken gekommen z. B. Eisenbahnspeichenräder so zu gestalten. Man hat die gebogenen Formen von Speichen ausschließlich bei Handrädern verwendet, bei denen diese Biegung keine Rolle spielt.

Übrigens sind Fingerquetschungen an Speichen von Handrädern noch immer eine Gefahrenquelle für die Textilberufsgenossenschaft: http://etf.bgetem.de/htdocs/r30/vc_shop ... 4-2009.pdf

Bereits 1970 habe ich als Teilnehmer des Eisenhüttentags in Düsseldorf die Diskussion um rostbeständigem Stahl im Karosseriebau zwischen einem jungen Werkstoffforscher der Hoesch AG und dem damaligen Chef der Daimler-Benz Werkstofftechnik Prof. Razim, den ich persönlich noch kennenlernen konnte, mibekommen. Die vorgenannten Argumente für und wider rostbeständigem Stahl im Karosseriebau prallten heftig aufeinander. Damals und auch heute ist das immer noch eine Kostenfrage. DIe Tiefziehprobleme wären sicher lösbar, zumindest ist Aluminiumblech da eher ein Problemkanidat und wird doch heute oft verwendet. Allerdings sind die Preise zwischen normalem Feinblech und rostbeständigem Stahl noch mindestens um den Faktor 5 unterschiedlich. Die vermeintlich "niedrigen" Preise einer rostfreien Spüle wären im Automobilbau viel zu hoch, wo um jeden Cent gefeilscht wird! Übrigens scheitern selbst Kunststoffe neben Festigkeisproblemen oft an der Kostenfrage. Das gute alte Blech ist eben sagenhaft preiswert herstellbar. Da schützt man es lieber durch Verzinkung, die heute locker 10 Jahre überlebt. Korrosion ist bei vielen neuen Autos auch nicht mehr das Problem.

Schlechte Verarbeitung eher, auch bei den geschilderten mangehaften Entgratungen mit Verletzungsgefahr. Bei Haushaltsgeräten generell. Nicht nur Nähmaschinen, vor allem Waschmaschinen sind da Kanidaten für fiese Schnittwunden, selbst schmerzlich erlebt..

Wir sind aber mittlerweile ziemlich "off topic" von der unbekannten alten Nähmaschine!

Gruß Harald

Re: Wer kennt diese alte Nähmaschine ?

Verfasst: Sonntag 8. Mai 2016, 20:05
von Hosenkürzer
Beim blauen Forum wäre sicher schon eine ModeratorIn eingeschritten....

Aber glücklicherweise geht´s hier nicht so tierisch ernst zu.

lG Helmut

Re: Wer kennt diese alte Nähmaschine ?

Verfasst: Sonntag 8. Mai 2016, 20:15
von Manohara
Korrosion ist bei vielen neuen Autos auch nicht mehr das Problem.
ja, wenn man von den "normalerweise erwarteten" Zeiten ausgeht.
Ich denke dabei an das Altern dieser "Geräte", die dann nicht kontinuierlich hässlicher und kaputter werden, sondern -aus meiner Sicht- an Charme gewinnen würden.

Ich gebe zu, dass meine Überlegungen finanziell nicht solide gegengerechnet sind.
Was ich mir wünsche sind Produzenten, die nicht nur mit Geld rechnen, sondern vor Allem mit dem entstehenden Glück.

Aber das sind sehr ausladende Überlegungen und die gehören wohl tatsächlich nicht mehr wirklich zum Thema hier biggrin