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Re: Moriz Jacobi Langschiffmaschine

Verfasst: Freitag 15. April 2016, 13:44
von Hosenkürzer
Hallo Harald,

danke.

Zur Recherche:

Über K&K - Maschinen findet sich ja fast gar nichts im Netz. Den Link, den ich Dir gepostet habe, habe ich selbst erst vor ein paar Tagen entdeckt.

Zum Schellackthema:

Bei dieser Maschine möchte ich nur die alten, vergammelten Schellackreste weg- und eine neue Schicht über den Fragmenten der decals aufpolieren, ich glaube, das wird dieser Maschine am besten gerecht.

Bei meiner Howe habe ich die völlig rostige Grundplatte abgeschliffen, mit schwarzem Nitro-Rostschutzgrund behandelt und dann eine mit schwarzer Spiritusbeize gefärbte Schellackschicht aufpoliert. Die decals auf dem Rest der Maschine waren schwarz überlackiert, die habe ich mit div. Lösungsmitteln (Aceton, WD-40 Teilereiniger) mühsam freigelegt (Wattestäbchen) und dann mit farblosem Schellack überpoliert.
DSCN1066.jpg
Bzgl. der Suchtgefahr bist Du bei mir Preaching To The Choir wink .

lG Helmut

Moriz Jacobi Langschiffmaschine - Schellackfinish

Verfasst: Montag 25. April 2016, 15:48
von Hosenkürzer
Hallo FreundInnen,
wie angekündigt, ein kurzer Bericht über den Versuch, die Maschine optisch etwas aufzumöbeln.

Voranstellen möchte ich folgendes:

1. Die von mir hier umrisshaft beschriebene Methode ist NICHT auf meinem Mist gewachsen, fast alles habe ich mir aus diesen Threads angeeignet:

http://www.quiltingboard.com/vintage-an ... 86522.html

http://www.quiltingboard.com/vintage-an ... 93635.html

2. Wer sich allgemein für Schellackpolitur interessiert, dem sei dieser YouTube - Kanal empfohlen:

https://www.youtube.com/watch?v=u8mP83S ... 2DF1E4D282

3. Ich gebe hier ausdrücklich KEINE EMPFEHLUNGEN, sondern beschreibe nur, was ich mit meiner Maschine gemacht habe. Ich kann daher keinerlei Verantwortung für Misserfolge, Beschädigungen, Unfälle oder gesundheitliche Beeinträchtigungen übernehmen.


Was mich optisch an dieser Maschine am meisten gestört hat, waren verkrustete und verfärbte Schellackreste (haupsächlich auf der Grundplatte der Maschine). Die decals waren an diesen Stellen gar nicht mehr oder nur mehr in Resten vorhanden:
DSCN1963.JPG
Diese Schellackreste sollen aufgelöst bzw. in die neu aufpolierte Schellackschicht integriert werden.

Ich verdünne handelsübliche Schellackpolitur hier 1:6 bis 1:3 mit Isopropanol. Man kann aber auch normalen (möglichst hochprozentigen) Brennspiritus (Äthanol) verwenden. Isopropanol löst den Schellack nicht ganz so agressiv wie Äthanol und ist meiner Meinung nach für Anfänger daher besser geeignet, weil man eine bereits bestehende Schicht neu aufpolierten Schellacks nicht so leicht mit der nächsten Schicht wieder wegpoliert. Die Idee der Schellackpolitur ist ja, möglichst viele und möglichst dünne Schichten aufzutragen.

Störende Teile habe ich wieder abgebaut und die Oberfläche mit Reinigungsbenzin entfettet:
DSCN1967.JPG
Das Auftragen der Schichten erfolgt mit einem sog. Ballen. Ich verwende hier ein Stück Baumwolljersey um Wollreste gewickelt (zur Speicherung der Politur):
DSCN1969.JPG
DSCN1970.JPG
Die Stellen, an denen keine decals mehr da sind, sind relativ unproblematisch.
Mit stark verdünnter Politur (man kann anfangs auch reines Isopropanol nehmen) bearbeite ich sie mit abwechselnd kreisenden und linearen (kreuzweisen) Bewegungen.
Folgendes Bild zeigt das Anfangsstadium des ersten Arbeitsgangs:
DSCN1971.JPG
In diesem Anfangsstadium, in dem es darauf ankommt, die alten Verkrustungen zu lösen, arbeite ich mit stark verdünnter Politur und ziemlich "nass".

Diese Prozedur wiederhole ich in Abständen von etwa 30 min. mehrmals.

An Stellen, an denen decals vorhanden sind, ist größte Behutsamkeit angebracht - man will ja die verfärbte, alte Schellackschicht über den decals ANLÖSEN, aber nicht die decals ABLÖSEN.
Das heißt, nur leichten Druck ausüben und nicht ZU nass arbeiten.

Wenn die Verkrustungen weitgehend entfernt bzw. egalisiert sind werden dann noch mehrere Schichten Schellack aufpoliert (1:3 verdünnt), wobei jetzt viel "trockener" gearbeitet wird.
D.h. für einen Durchgang fülle ich nur wenige ml Politur in den Ballen ein.

Es empfiehlt sich jetzt, jede Schicht ein paar Stunden trocknen zu lassen.

Der richtige Feuchtigkeitsgrad des Ballens ist für das Gelingen von entscheidender Bedeutung und bereitet Anfängern die meisten Schwierigkeiten. Typischer Anfängerfehler ist der zu nasse Ballen - die bereits bestehende Politurschicht wird wieder aufgerissen.
Wenn der Ballen die Tendenz zum Festkleben zeigt, helfen ein paar Tropfen Polieröl (auf den Ballen).

Teil 2 folgt.

Moriz Jacobi Langschiffmaschine - Schellackfinish 2

Verfasst: Montag 25. April 2016, 16:18
von Hosenkürzer
Nach einigen Durchgängen gönnt man sich eine Erfrischung (danke Klaus - PROST!):
DSCN1973.JPG
Je nach Können und Ansprüche an die Oberflächenqualität wiederholt man diese Durchgänge.

Ich stosse irgendwann an die Grenzen meiner Fähigkeiten und jeder weitere Durchgang ist dann eine Verschlimmbesserung. Wo die Grenze liegt, muss jeder selbst entscheiden, bei mir ist das auch eine Frage der Tagesverfassung.

Da eine historische Nähmaschine ja kein Steinway-Konzertflügel ist, lasse ich es dann eben gut sein:
DSCN1977.JPG
Obwohl weit von Perfektion entfernt, glaube ich doch, daß diese (für einen ernsthaften Sammler ja völlig uninteressante und "wertlose") Maschine jetzt doch einigermaßen ordentlich aussieht und gleichzeitig ihre Authentizität erhalten geblieben ist.
DSCN1996.JPG
DSCN1997.JPG
DSCN1992.JPG
Wenn ich für diese Maschine einen geeigneten Tisch hergerichtet habe (wird noch dauern), werde ich diesen Thread wieder ausgraben.

Danke für´s Ansehen.

lG Helmut

Re: Moriz Jacobi Langschiffmaschine

Verfasst: Montag 25. April 2016, 16:30
von ThiloB
Hallo Helmut,

Danke für die Erklärungen und die Bilder! Hochinteressant für mich.

MfG
Thilo

Re: Moriz Jacobi Langschiffmaschine

Verfasst: Montag 25. April 2016, 17:38
von Katis
Hallo, Helmut,
auch von mir ein sd Ich will die Schellackpolitur demnächst auch mal bei einer Nähmaschine ausprobieren (bei Möbeln habe ich das vor Jahren schon mal gemacht und weiß, wie 'tricky' das ist... rolleyes ).

Weißt Du zufällig, bis wann ungefähr Nähmaschinen mit Schellack behandelt wurden?

Großes Kompliment auch für den Auseinander- und Wiederzusammenbau! smile smile smile Da kann ich nur Bauklötze staunen!!!!
Gruß
Karin

Re: Moriz Jacobi Langschiffmaschine

Verfasst: Montag 25. April 2016, 17:43
von det
Hallo Helmjut, Nachtrag <- das da war ein Freud'scher Verschreiber, Helmut macht jute Arbeit ;-) - ich lass das mal so
ich lese immer wieder mit großer Freude deine Berichte.

Zumindest auf den Bildern sieht das Ergebnis deiner Arbeit sehr beeindruckend aus!

Weiter so
Detlef

Re: Moriz Jacobi Langschiffmaschine

Verfasst: Dienstag 26. April 2016, 08:53
von Hosenkürzer
Hallo Thilo, Karin und Detlef,

danke für Euer feedback.

@ Karin:
Die Maschinen mit den aufwändigen goldenen und bunten decals bis in die 30er Jahre sind meiner Erfahrung nach alle mit Schellack "gefinished". Im Zweifelsfall empfiehlt sich eine Lösungsmittelprobe an unauffälliger Stelle: Löst sich die Schicht in Alkohol (Brennspiritus), dann ist es Schellack - löst sie sich in Aceton, dann ist es wahrscheinlich Nitro-Klarlack.
Meiner Meinung nach (mit Vorbehalt) sind alle Vorkriegs Singer-Maschinen mit Schellack behandelt.
Wenn Du Dich schon mit dem Schellackpolieren von Möbelstücken beschäftigt hast, wird Dir diese Technik auch bei NM keine Schwierigkeiten bereiten.

lG Helmut

Re: Moriz Jacobi Langschiffmaschine

Verfasst: Dienstag 26. April 2016, 11:50
von dieter kohl
serv

es mag sein, dass die Singer Maschinen mit Schelllack aufpoliert waren

bei Pfaff war jedenfalls eine Einbrennlackierung drauf, die keine weitere Politur brauchte und die Verzierungen waren zum Teil mit Echt Gold als Abziehbilder aufgebracht (englischer Ausdruck dafür : decals)

Re: Moriz Jacobi Langschiffmaschine

Verfasst: Dienstag 26. April 2016, 11:53
von Fischkopp
dieter kohl hat geschrieben:serv

es mag sein, dass die Singer Maschinen mit Schelllack aufpoliert waren

bei Pfaff war jedenfalls eine Einbrennlackierung drauf, die keine weitere Politur brauchte und die Verzierungen waren zum Teil mit Echt Gold als Abziehbilder aufgebracht (englischer Ausdruck dafür : decals)
Wie wurden die Abziehbilder eigentlich hergestellt?Schneideplotter waren ja noch nicht erfunden

Re: Moriz Jacobi Langschiffmaschine

Verfasst: Dienstag 26. April 2016, 12:11
von dieter kohl
serv

genau weiß ich das auch nicht, aber

es müssen mehrere Lackschichten auf ein beschichtetes Papier gedruckt gewesen sein

das wurde in Wasser gelegt und mit einem Schwämmchen an die position geschoben