Re: Die Wheeler & Wilson No 3 macht mich kirre …
Verfasst: Freitag 27. Februar 2026, 08:42
Zu den Lederriemen:
Ich hatte sehr viel mit Knopflochautomaten zu tun welche mit Lederriemen angetrieben wurden.
Das sind Industrieautomaten die im Normalfall 8 Stunden täglich in Betrieb sind und manchmal auch im Mehrschichtbetrieb.
Diese Lederriemen werden so wie sie sind trocken verwendet und halten bei gelegentlicher Reinigung mit einem feuchten Tuch und anschliessendem trockenwischen ~ 10 Jahre lang. Feuchtigkeit und Öl sind schlecht, stark verölte Riemen kann man nur mehr durch neue ersetzen.
Die Riemen sollen/brauchen auch nicht stark gespannt sein, um sich nicht zu sehr zu dehnen und auch wegen der Lager in Maschinen und Vorgelege. Im Normalfall wird so ein Riemen maximal 1x/Jahr um wenige Milimeter gekürzt. Gut gepflegte Lederiemen brauchten weniger oft gekürzt zu werden als heutige PU-Riemen, weil das Leder bei minimalem Pflegeaufwand griffiger bleibt, während sich die PU-Riemen glatt polieren und deshalb mehr Spannung benötigen (was den Lagern schadet) und häufiger gewechselt müssen. Da man in grossen Industriebetrieben auch das "klackern" der Riemenhaken nicht hört, wurden bei den meisten meiner Kunden bis zur Jahrtausenwende Lederriemen verwendet, obwohl sie für andere Maschinen auch bereits PU-Riemen verwendeten und vorrätig hatten. Ein befreudet Schneidermeister hat mich einmal um neue Lederriemen gebeten, weil die alten nach ~40 Jahren "nicht mehr schön sind".
Viele Knopfannäh- und Riegelautomaten wurden, bevor Servomotore den Antrieb übernahmen auf Kunststoff- Flachriemen umgebaut. Flachriemen ermöglichten bei diesen Maschinen eine höhere Geschwindigkeit. Die Flachriemen waren aber sehr teuer und hatten üblicherweise eine Lebendauer von ~2 Jahren, während auch hier die alten Lederrundriemen viel länger, günstiger und problemloser ihren Dienst verrichteten.
Zum montieren der Lederrundriemen benötigt man gute Riemen, eine gute Riemenzange und passende Riemenhaken.
Mein Riemenhändler hatte vor wenigen Jahren immer noch flache und runde Lederriemen im Sortiment.
Die (kleinen) Flachriemen bei Nähmaschinen in Haushalt und Gewerbe waren damals absichtlich mit einer Schnürung verbunden damit man die Riemenspannung leicht nachstellen konnte.
Bei Industriebetrieben wurden Metallklammern verwendet was einfacher war, die allerdings bei kurzen Riemen ein feinfühliges Kürzen erschweren.
Voraussetzung bei den Knopflochautomaten mit Rundriemen sind passende Rundriemen in guter Qualität. Rundriemen gibt es in 1mm Abstufungen zu kaufen, und passen bedeutet das sie (ähnlich einem Keiriemen) auch seitlich an der Riemenscheibe anliegen.
Das Wachs in den Schubladen der Nähmaschinen dient zum wachsen der Nähfäden wenn man z.B. Leder näht. Das wird heute meistens durch Silikonöler ersetzt weil da wesentlich weniger Dreck an der Maschine zurückbleibt.
Man kann auch bereits gewachste Fäden kaufen.
Gewachste Fäden werden (auch heute noch) bei sehr hochwertiger Oberbekleidung verwendet um schönere, gleichmässigere Nähte zu erreichen, wobei man auch hier wieder "zähneknirschend" mit starker Verschmutzung zu kämpfen hat und die Maschinen unter Umständen mehrmals täglich von den Wachsresten reinigen muss.
Riemenfett wurde (wenn überhaupt) nur bei Transmissionen verwendet um die langen und teuren Treibriemen weich zu halten.
Wachs und Riemenfett haben bei Nähmaschinenriemen nichts zu suchen.
Herzliche Grüsse vom Sputnik
Ich hatte sehr viel mit Knopflochautomaten zu tun welche mit Lederriemen angetrieben wurden.
Das sind Industrieautomaten die im Normalfall 8 Stunden täglich in Betrieb sind und manchmal auch im Mehrschichtbetrieb.
Diese Lederriemen werden so wie sie sind trocken verwendet und halten bei gelegentlicher Reinigung mit einem feuchten Tuch und anschliessendem trockenwischen ~ 10 Jahre lang. Feuchtigkeit und Öl sind schlecht, stark verölte Riemen kann man nur mehr durch neue ersetzen.
Die Riemen sollen/brauchen auch nicht stark gespannt sein, um sich nicht zu sehr zu dehnen und auch wegen der Lager in Maschinen und Vorgelege. Im Normalfall wird so ein Riemen maximal 1x/Jahr um wenige Milimeter gekürzt. Gut gepflegte Lederiemen brauchten weniger oft gekürzt zu werden als heutige PU-Riemen, weil das Leder bei minimalem Pflegeaufwand griffiger bleibt, während sich die PU-Riemen glatt polieren und deshalb mehr Spannung benötigen (was den Lagern schadet) und häufiger gewechselt müssen. Da man in grossen Industriebetrieben auch das "klackern" der Riemenhaken nicht hört, wurden bei den meisten meiner Kunden bis zur Jahrtausenwende Lederriemen verwendet, obwohl sie für andere Maschinen auch bereits PU-Riemen verwendeten und vorrätig hatten. Ein befreudet Schneidermeister hat mich einmal um neue Lederriemen gebeten, weil die alten nach ~40 Jahren "nicht mehr schön sind".
Viele Knopfannäh- und Riegelautomaten wurden, bevor Servomotore den Antrieb übernahmen auf Kunststoff- Flachriemen umgebaut. Flachriemen ermöglichten bei diesen Maschinen eine höhere Geschwindigkeit. Die Flachriemen waren aber sehr teuer und hatten üblicherweise eine Lebendauer von ~2 Jahren, während auch hier die alten Lederrundriemen viel länger, günstiger und problemloser ihren Dienst verrichteten.
Zum montieren der Lederrundriemen benötigt man gute Riemen, eine gute Riemenzange und passende Riemenhaken.
Mein Riemenhändler hatte vor wenigen Jahren immer noch flache und runde Lederriemen im Sortiment.
Die (kleinen) Flachriemen bei Nähmaschinen in Haushalt und Gewerbe waren damals absichtlich mit einer Schnürung verbunden damit man die Riemenspannung leicht nachstellen konnte.
Bei Industriebetrieben wurden Metallklammern verwendet was einfacher war, die allerdings bei kurzen Riemen ein feinfühliges Kürzen erschweren.
Voraussetzung bei den Knopflochautomaten mit Rundriemen sind passende Rundriemen in guter Qualität. Rundriemen gibt es in 1mm Abstufungen zu kaufen, und passen bedeutet das sie (ähnlich einem Keiriemen) auch seitlich an der Riemenscheibe anliegen.
Das Wachs in den Schubladen der Nähmaschinen dient zum wachsen der Nähfäden wenn man z.B. Leder näht. Das wird heute meistens durch Silikonöler ersetzt weil da wesentlich weniger Dreck an der Maschine zurückbleibt.
Man kann auch bereits gewachste Fäden kaufen.
Gewachste Fäden werden (auch heute noch) bei sehr hochwertiger Oberbekleidung verwendet um schönere, gleichmässigere Nähte zu erreichen, wobei man auch hier wieder "zähneknirschend" mit starker Verschmutzung zu kämpfen hat und die Maschinen unter Umständen mehrmals täglich von den Wachsresten reinigen muss.
Riemenfett wurde (wenn überhaupt) nur bei Transmissionen verwendet um die langen und teuren Treibriemen weich zu halten.
Wachs und Riemenfett haben bei Nähmaschinenriemen nichts zu suchen.
Herzliche Grüsse vom Sputnik