Singer Motor, Reparatur nach Totalausfall
Verfasst: Freitag 26. Februar 2016, 03:07
Hallo Freunde alter Motoren
Weil ich's versprochen habe, möchte ich kurz von einem Singer Motor berichten, den ich mit ein Forumsmitglied gegen einen TUR2 tauschen konnte. Wer denkt, das sei ein schlechtes Geschäft, der irrt. Der Singer Motor ist ein klassischer, handwerklich gut gemachter Motor, den man vollständig zerlegen kann, der auswechselbare Kohlen hat und bei dem noch nicht übertrieben mit Kupfer gespart wurde, wie das bei manchen neuen chinesischen Billigmotoren der Fall ist.
Immerhin dürfte der Motor als Nachrüstteil teurer gewesen sein als heute eine ganze Maschine.
Der Motor war beim Eintreffen in einem optisch absolut einwandfreien Zustand. Dreht aber Verhältnismäßig schwer.
Erster Versuch:
Provisorisch über Laborkabel mit einem Regeltrenntrafo an 100V angeschlossen macht der Motor tatsächlich keinen Mucks, nimmt aber auch keinen Strom auf. Ein Kurzschluß liegt nicht vor. Er zuckt auch nicht wenn man dabei mit der Hand die Achse durchdreht. Die meisten defekten (durchgebrannten) Motoren tun das aber noch.
Zweiter Versuch:
Ohmmeter anschließen und mit der Hand durchdrehen. Bei einem intakten Motor kann man mit grob 100 Ohm rechnen.
Gemessen habe ich zwischen offen und einigen kOhm, stark abhängig vom Drehwinkel. Das beteutet, die Kohlen haben keinen richtigen Kontakt am Kollektor und der Entstörkondensator ist zumindest nicht am Defekt beteiligt.
Beim Zerlegen des Motors ist es auch für Geübte sinnvoll, zwischendurch ein paar Fotos zu machen wie sich später noch herausstellen sollte.
1. Bild, Motor vor der Demontage
2. Bild. Riemenscheibe (hier mehr Rolle) abgenommen. Schon hier zeigt sich die vermutliche Ursache für den Tot des Motors.
Das Fussel- bzw. Fadennest, das sich unsichtbar hinter die Rolle gewickelt hat, ist fest zu einer Platte verdichtet. Die Fäden sind teils regelrecht zermahlenen und liegen schon sehr lange an dieser Stelle. Der Motor muß sehr warm geworden sein, was aber dem Bakelitgehäuse nicht so viel ausmacht wie modernen Plastikgehäusen.
3. Bild zeigt die Kohlen, die vollkommen verbraucht sind. Der Motor wurde offensichtlich noch darüber hinaus, auf den blanken Drähten laufend, geschunden bis er gar nicht mehr drehte. Wer schon mal seine Bremsbeläge bis auf die Niete runter gefahren hat, weiß wie sich das angehört haben muß! Manche Leute kennen einfach keine Gnade mit der Technik. Obwohl das schon lange her sein muß, habe ich heute noch Mitleid.
Die Maschine selbst soll übrigens auch schwergängig gewesen sein.
Die Kohlen sind wahrscheinlich durch den schweren Gang, der immer mehr "Gas" verlangte um überhaupt noch zu drehen und damit mehr Strom zogen, schneller als normal förmlich herunter gebrannt. Der Kohlenstaub hat sich zusammen mit Fäden und Unmengen von Fusseln hauptsächlich am Lüfterrad gesammelt und vermutlich die Lüftung stark behindert. Zum Glück sind die älteren Motoren noch mit verhältnismäßig dicken Drähten dimensioniert, sodaß sie nicht schon von hause aus zur Überhitzung neigen.
Das Metall der herunter gebrannten Kohlen hat sehr tiefe Furchen verursacht, sodaß ich nicht sicher war ob man den Kollektor so weit abdrehen kann, daß er wieder eben wird. Das Abdrehen des Kollektors ist bei kleineren Riefen nicht immer erforderlich.
Beim Zusammenbau haben sich die Bilder bewährt, da erstaunlicherweise zwei Stifte und zwei Scheiben übrig blieben.
Die Stifte hätte ich ohne die Fotos nicht mehr zuordnen können, denn der Motor lief auch ohne sie einwandfrei.
Ich hatte, weil ich alles zerlege bevor ich was wegwerfe, glücklicherweise einmal Kohlen aus einem anderen Motor aufgehoben. Diese musste ich etwas auf dem Bandschleifer auf Maß bringen.
Den Kondensator habe ich vorläufig drin gelassen obwohl er aufgrund seines Baujahres ersetzt werden muß. Er ist zwar schon mit Epoxydharz vergossen, gehört aber vom Typ noch zu den ausfallsicheren Kandidaten. Bei alten Kondensatoren steht häufig das Baujahr drauf. Alles vor 1970 und alle Ostblock - Kondensatoren sind obligatorisch zu tauschen. Baujahr war hier 1960.
Nach dem Zusammenbau läuft der Motor wieder einwandfrei, rund und leise. Wenn Kollektoren abgedreht werden und neue Kohlen eingebaut werden, dauert es wieder eine Zeit bis der Motor wieder seine volle Leistungsfähigkeit hat, da der Kollektor und die Kohlen sich wieder aufeinander einschleifen und optimalen Kontakt herstellen.
In diesem Fall hat der Motor aber sofort ordentliche Leistung gebracht und treibt jetzt meine Adler 52 an. Die alten Motoren, zumindest meine Pfaff- und Singer- Motoren haben mehr Kraft und laufen besser an als man von der Leistungsangabe her erwartet, zumindest im Vergleich zu absoluten Billigmotoren.
Fazit: Wenn man keine Angst vor Dreck hat, soll man die alten Motoren nicht gleich entsorgen! Und wenn doch, dann gerne mir schenken. Die alten Teile passen optisch besser zu den alten Maschinen als ein TUR 2.
Dank und Grüße an den Spender!
Klaus
Weil ich's versprochen habe, möchte ich kurz von einem Singer Motor berichten, den ich mit ein Forumsmitglied gegen einen TUR2 tauschen konnte. Wer denkt, das sei ein schlechtes Geschäft, der irrt. Der Singer Motor ist ein klassischer, handwerklich gut gemachter Motor, den man vollständig zerlegen kann, der auswechselbare Kohlen hat und bei dem noch nicht übertrieben mit Kupfer gespart wurde, wie das bei manchen neuen chinesischen Billigmotoren der Fall ist.
Immerhin dürfte der Motor als Nachrüstteil teurer gewesen sein als heute eine ganze Maschine.
Der Motor war beim Eintreffen in einem optisch absolut einwandfreien Zustand. Dreht aber Verhältnismäßig schwer.
Erster Versuch:
Provisorisch über Laborkabel mit einem Regeltrenntrafo an 100V angeschlossen macht der Motor tatsächlich keinen Mucks, nimmt aber auch keinen Strom auf. Ein Kurzschluß liegt nicht vor. Er zuckt auch nicht wenn man dabei mit der Hand die Achse durchdreht. Die meisten defekten (durchgebrannten) Motoren tun das aber noch.
Zweiter Versuch:
Ohmmeter anschließen und mit der Hand durchdrehen. Bei einem intakten Motor kann man mit grob 100 Ohm rechnen.
Gemessen habe ich zwischen offen und einigen kOhm, stark abhängig vom Drehwinkel. Das beteutet, die Kohlen haben keinen richtigen Kontakt am Kollektor und der Entstörkondensator ist zumindest nicht am Defekt beteiligt.
Beim Zerlegen des Motors ist es auch für Geübte sinnvoll, zwischendurch ein paar Fotos zu machen wie sich später noch herausstellen sollte.
1. Bild, Motor vor der Demontage
2. Bild. Riemenscheibe (hier mehr Rolle) abgenommen. Schon hier zeigt sich die vermutliche Ursache für den Tot des Motors.
Das Fussel- bzw. Fadennest, das sich unsichtbar hinter die Rolle gewickelt hat, ist fest zu einer Platte verdichtet. Die Fäden sind teils regelrecht zermahlenen und liegen schon sehr lange an dieser Stelle. Der Motor muß sehr warm geworden sein, was aber dem Bakelitgehäuse nicht so viel ausmacht wie modernen Plastikgehäusen.
3. Bild zeigt die Kohlen, die vollkommen verbraucht sind. Der Motor wurde offensichtlich noch darüber hinaus, auf den blanken Drähten laufend, geschunden bis er gar nicht mehr drehte. Wer schon mal seine Bremsbeläge bis auf die Niete runter gefahren hat, weiß wie sich das angehört haben muß! Manche Leute kennen einfach keine Gnade mit der Technik. Obwohl das schon lange her sein muß, habe ich heute noch Mitleid.
Die Maschine selbst soll übrigens auch schwergängig gewesen sein.
Die Kohlen sind wahrscheinlich durch den schweren Gang, der immer mehr "Gas" verlangte um überhaupt noch zu drehen und damit mehr Strom zogen, schneller als normal förmlich herunter gebrannt. Der Kohlenstaub hat sich zusammen mit Fäden und Unmengen von Fusseln hauptsächlich am Lüfterrad gesammelt und vermutlich die Lüftung stark behindert. Zum Glück sind die älteren Motoren noch mit verhältnismäßig dicken Drähten dimensioniert, sodaß sie nicht schon von hause aus zur Überhitzung neigen.
Das Metall der herunter gebrannten Kohlen hat sehr tiefe Furchen verursacht, sodaß ich nicht sicher war ob man den Kollektor so weit abdrehen kann, daß er wieder eben wird. Das Abdrehen des Kollektors ist bei kleineren Riefen nicht immer erforderlich.
Beim Zusammenbau haben sich die Bilder bewährt, da erstaunlicherweise zwei Stifte und zwei Scheiben übrig blieben.
Die Stifte hätte ich ohne die Fotos nicht mehr zuordnen können, denn der Motor lief auch ohne sie einwandfrei.
Ich hatte, weil ich alles zerlege bevor ich was wegwerfe, glücklicherweise einmal Kohlen aus einem anderen Motor aufgehoben. Diese musste ich etwas auf dem Bandschleifer auf Maß bringen.
Den Kondensator habe ich vorläufig drin gelassen obwohl er aufgrund seines Baujahres ersetzt werden muß. Er ist zwar schon mit Epoxydharz vergossen, gehört aber vom Typ noch zu den ausfallsicheren Kandidaten. Bei alten Kondensatoren steht häufig das Baujahr drauf. Alles vor 1970 und alle Ostblock - Kondensatoren sind obligatorisch zu tauschen. Baujahr war hier 1960.
Nach dem Zusammenbau läuft der Motor wieder einwandfrei, rund und leise. Wenn Kollektoren abgedreht werden und neue Kohlen eingebaut werden, dauert es wieder eine Zeit bis der Motor wieder seine volle Leistungsfähigkeit hat, da der Kollektor und die Kohlen sich wieder aufeinander einschleifen und optimalen Kontakt herstellen.
In diesem Fall hat der Motor aber sofort ordentliche Leistung gebracht und treibt jetzt meine Adler 52 an. Die alten Motoren, zumindest meine Pfaff- und Singer- Motoren haben mehr Kraft und laufen besser an als man von der Leistungsangabe her erwartet, zumindest im Vergleich zu absoluten Billigmotoren.
Fazit: Wenn man keine Angst vor Dreck hat, soll man die alten Motoren nicht gleich entsorgen! Und wenn doch, dann gerne mir schenken. Die alten Teile passen optisch besser zu den alten Maschinen als ein TUR 2.
Dank und Grüße an den Spender!
Klaus