Moriz Jacobi Langschiffmaschine
Verfasst: Mittwoch 6. April 2016, 19:53
Hallo liebe NähmaschinenfreundInnen,
diese Maschine war als "zu verschenken" inseriert und ich konnte sie natürlich nicht ihrem Schicksal (Altmetall) überlassen. Das erste Bild zeigt den Übernahmezustand.
Auf der Messingplakette ist "Moriz Jacobi Wien" zu lesen. Die Firma Jacobi in der Wiener Porzellangasse 38 war ein bedeutendes Nähmaschinengeschäft um die Jahrhundertwende und hat Maschinen verschiedener K&K aber auch deutscher Hersteller verkauft.
Diese Maschine, ein klassisches System-Singer Hocharmmodell, wurde (ziemlich sicher) vom Linzer Hersteller Johann Jax erzeugt. Ich habe noch eine (bis auf den Handkurbelantrieb) baugleiche Maschine, die das Joh.Jax Schutzmarkenzeichen "Christoph Columbus" trägt.
Die Maschine war vollständig (natürlich ohne Tretgestell, das fristet jetzt wahrscheinlich das übliche Blumentischdasein), aber in sehr abgenütztem Zustand. Die Mechanik war mit einer schwarzen Schicht aus Ölrückständen (ich will gar nicht wissen, was für ein Öl) verkrustet und machte eine weitgehende Zerlegung unumgänglich (versuche ich sonst zu vermeiden, wenn geht).
Decals sind nur mehr in Resten vorhanden, und auf dem Maschinenhals ist eine blanke Stelle, die Folge der offenbar weltweit verbreiteten Unsitte, einen Fetzen darum zu wickeln und den als Nadelkissen zu verwenden:
Die Maschine trägt die Aufschrift "The New Shutle Sewing Machine" (man beachte die Schreibweise):
"The New Shuttle Sewing Machine" findet man häufig auf Langschiffmaschinen aus K&K - Produktion
(oft auf dem Tretgestell), ich nehme an, das bezieht sich auf das Schiffchen mit Spannungsfeder anstatt der klassischen Löcher bei den (ganz alten) Singer 12 "New Family" Schiffchen.
Weitere beliebte Bezeichnungen für solche Maschinen waren u.v.a.:
"Beste und schönste Nähmaschine" manchmal mit dem Zusatz "der Welt"
"The Best Singer Machine"
"Beste Singer Nähmaschine"
"The Best Sewing Machine"
"The American Statue of Liberty"
"Allright Nähmaschine"
"Stephansdom"
"Verbesserte Singer Maschine" (das war eine Schutzmarke der Fa. Rast&Gasser)
"Moravia"
und wahrscheinlich noch viele mir unbekannte andere.
Diese (missbräuchliche?) Verwendung des Namens "Singer" hat zur Folge, daß die meisten bei den üblichen Portalen angebotenen "Singer" - Langschiffmaschinen (Baujahr 1865!!!) keine Singer-Maschinen sind. Die Leute recherchieren die Singer SN-Liste und lassen sich nicht davon überzeugen, daß die für ihre Maschine irrelevant ist (Diesbezügliche Versuche habe ich wegen notorischer Erfolglosigkeit inzwischen aufgegeben).
Auf dem nächsten Foto sieht man deutlich die Reste der über den decals aufgebrachten Schellackschicht (die Konturen der nicht mehr vorhandenen decals sind noch sichtbar):
Den Pin-Rash werde ich belassen, wie er ist, aber die noch vorhandenen decals werde ich beizeiten mit neuem Schellack überpolieren.
Fts. folgt
diese Maschine war als "zu verschenken" inseriert und ich konnte sie natürlich nicht ihrem Schicksal (Altmetall) überlassen. Das erste Bild zeigt den Übernahmezustand.
Auf der Messingplakette ist "Moriz Jacobi Wien" zu lesen. Die Firma Jacobi in der Wiener Porzellangasse 38 war ein bedeutendes Nähmaschinengeschäft um die Jahrhundertwende und hat Maschinen verschiedener K&K aber auch deutscher Hersteller verkauft.
Diese Maschine, ein klassisches System-Singer Hocharmmodell, wurde (ziemlich sicher) vom Linzer Hersteller Johann Jax erzeugt. Ich habe noch eine (bis auf den Handkurbelantrieb) baugleiche Maschine, die das Joh.Jax Schutzmarkenzeichen "Christoph Columbus" trägt.
Die Maschine war vollständig (natürlich ohne Tretgestell, das fristet jetzt wahrscheinlich das übliche Blumentischdasein), aber in sehr abgenütztem Zustand. Die Mechanik war mit einer schwarzen Schicht aus Ölrückständen (ich will gar nicht wissen, was für ein Öl) verkrustet und machte eine weitgehende Zerlegung unumgänglich (versuche ich sonst zu vermeiden, wenn geht).
Decals sind nur mehr in Resten vorhanden, und auf dem Maschinenhals ist eine blanke Stelle, die Folge der offenbar weltweit verbreiteten Unsitte, einen Fetzen darum zu wickeln und den als Nadelkissen zu verwenden:
Die Maschine trägt die Aufschrift "The New Shutle Sewing Machine" (man beachte die Schreibweise):
"The New Shuttle Sewing Machine" findet man häufig auf Langschiffmaschinen aus K&K - Produktion
(oft auf dem Tretgestell), ich nehme an, das bezieht sich auf das Schiffchen mit Spannungsfeder anstatt der klassischen Löcher bei den (ganz alten) Singer 12 "New Family" Schiffchen.
Weitere beliebte Bezeichnungen für solche Maschinen waren u.v.a.:
"Beste und schönste Nähmaschine" manchmal mit dem Zusatz "der Welt"
"The Best Singer Machine"
"Beste Singer Nähmaschine"
"The Best Sewing Machine"
"The American Statue of Liberty"
"Allright Nähmaschine"
"Stephansdom"
"Verbesserte Singer Maschine" (das war eine Schutzmarke der Fa. Rast&Gasser)
"Moravia"
und wahrscheinlich noch viele mir unbekannte andere.
Diese (missbräuchliche?) Verwendung des Namens "Singer" hat zur Folge, daß die meisten bei den üblichen Portalen angebotenen "Singer" - Langschiffmaschinen (Baujahr 1865!!!) keine Singer-Maschinen sind. Die Leute recherchieren die Singer SN-Liste und lassen sich nicht davon überzeugen, daß die für ihre Maschine irrelevant ist (Diesbezügliche Versuche habe ich wegen notorischer Erfolglosigkeit inzwischen aufgegeben).
Auf dem nächsten Foto sieht man deutlich die Reste der über den decals aufgebrachten Schellackschicht (die Konturen der nicht mehr vorhandenen decals sind noch sichtbar):
Den Pin-Rash werde ich belassen, wie er ist, aber die noch vorhandenen decals werde ich beizeiten mit neuem Schellack überpolieren.
Fts. folgt