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Sehr alter Heinrich Tietmeyer Unterbaumotor

Verfasst: Dienstag 18. März 2025, 08:41
von nicole.boening
Kennt jemand diesen Motor und kann etwas zu seinen Stärken und Schwächen sagen. Wenn ich richtig verstehe, reguliert man die Geschwindigkeit über die Bremskraft.
Ich kannte so einen Motor bisher noch nicht. Habe ihn zur Pfaff 368 dazu bekommen.
Im Gegensatz zu seinem rauen Äußeren läuft er sehr smooth.
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Re: Sehr alter Heinrich Tietmeyer Unterbaumotor

Verfasst: Dienstag 18. März 2025, 12:25
von sputnik
Servus Nicole,

sieht für mich aus wie ein ganz normaler Bremsanlassermotor.
Die gibt es von Georgii Kobold, Moretti, Haschek&Friedrich und hundert anderen Firmen.

Zum Beispiel:
-> https://www.naehzentrum-braunschweig.de ... :.:31.html
-> https://naehmaschine-shop.com/ersatztei ... hine-220-v
-> https://www.georgiikobold.de/fileadmin/ ... Kobold.pdf

In der "Blechkiste" sind Kontakte/Wiederstände welche die Drehzahl regeln, die Bremse dient zum abbremsen der Maschine.

Herzliche Grüsse vom Sputnik

Re: Sehr alter Heinrich Tietmeyer Unterbaumotor

Verfasst: Dienstag 18. März 2025, 23:38
von nicole.boening
huh huh Da ich nicht weiß, was genau ein ganz normaler Bremsanlassermotor ist und wie er sich eignet und näht, hilft mir diese Antwort leider nicht weiter … ich besitze keines dieser Modelle

Was sind die Stärken, wofür sind solche Motoren gut?

Re: Sehr alter Heinrich Tietmeyer Unterbaumotor

Verfasst: Dienstag 18. März 2025, 23:51
von js_hsm
Im Prinzip funktioniert der wie ein "normaler" Rucksackmotor. Die Drehzahl wird über eine Anlasser gesteuert.
Hier sitzt der Anlasser nicht im Pedal sondern im Kasten am Motor und wird über eine Stange mit der Fußwippe betätigt.
Nimmt man den Fuß runter stoppt der Motor und die Bremse greift = Maschine steht quasi sofort.
Tritt man wieder drauf wird zuerst die Bremse gelöst und dann der Motor "gestartet"

Gruß, Achim

Re: Sehr alter Heinrich Tietmeyer Unterbaumotor

Verfasst: Mittwoch 19. März 2025, 06:05
von nicole.boening
Hmmmm … wenn ich es richtig verstehe, ist der Georgii Bremsmotor elektromagnetisch gebremst. Im Fall meines Motors ist die Bremse mechanisch. Diese Metallschleife umschließt ja ein auf der Motorwelle montiertes Rad. Ich löse beim Treten auf das Pedal nur diese Bremsschlaufe. Je nachdem wie viel Bremskraft wirkt, habe ich unterschiedliche Drehzahlen. Das bedeutet, dass der Motor ohne die mechanische Bremse wahrscheinlich nur eine einzige Drehzahl hat. Ich konkretisiere: die mechanische Bremse dieses Motors wird mechanisch durch die Zugkraft gesteuert. Offenbar gibt es auch mechanische Bremsen, die elektrisch gesteuert werden. huh
Bei einem normalen Anbaumotor ist die Drehzahl doch eher elektrisch geregelt? Bei einem Servomotor elektronisch? Ich denke nur laut und versuche das Prinzip zu verstehen …

Grundsätzlich frage ich mich, wie ich die Nutzung so alter Motoren bewerten soll.

Re: Sehr alter Heinrich Tietmeyer Unterbaumotor

Verfasst: Mittwoch 19. März 2025, 09:28
von saumseliger
Also, was diesen Motor betrifft:

Ich sehe das Bremsband und eine Mimik, die das Bremsband löst oder feststellt.
Und ich gehe davon aus, dass eine Verbindung in den Kasten unter dem Motor besteht,
die über eine Welle den Anlasser steuert.

Das wäre (für mich) die typische "Kobold"-Arbeitsweise.
Wenn auch bei den Kobolden, die ich bisher kannte, die Bremsbeläge im Gehäuse untergebracht waren.
Ich habe solche Motoren hier, von WEG und einen "ES Motorenbau aus Berlin". Speziell letztere Firma
blieb bei Recherchen völlig im Dunkeln.
An meiner (jetzt verkauften) Pfaff 138 war ein Kobold verbaut, der gut funktionierte,
nur ich musste zur Bedienung des Handrads erst lernen, wie ich die Bremse löse ohne gleich mit enormer Drehzahl loszunähen.
Aber das ging irgendwann ganz gut.

Heutige Motoren an Maschinen (Kreissäge, etc.) dürfen, soweit ich weiß, gar nicht mehr nachlaufen,
sondern müssen in bestimmter Zeit wirklich stehen.
Da die Motoren eigentlich fast alle mittlerweile sehr ausgefeilt gesteuert sind, ist das gut machbar.
Und das würde ich als elektromagnetische Bremse bezeichnen, bzw. durchgehen lassen.

Alte Maschinen (unsere Bandsäge z. B.) liefen ewig nach (wenn die Lagerung in Ordnung war), was heute
bei der BG jedem Schweißperlen auf die Stirn treiben würde.
Besagte Bandsäge hat als Bremse einen Momentschalter, mit dem man die Laufrichtung des Motors umpolt
und so das Ding irgendwie zum Stehen bringen soll. Klingt fürchterlich.


Was den Betrieb betrifft:
Wenn sie laufen, warum nicht.
Aber Ersatzteile könnten spannend werden, da hat man evtl. bei Kobold wegen der Verbreitung noch ganz gute Chancen.

Aber man sollte auch im Hinterkopf behalten, dass es Motoren aus Grünhain gibt, die Quecksilberschalter verbaut hatten
(war letztens schon mal Thema, muss jeder selbst wissen, ob man das im Wohnzimmer braucht).
Und wenn ich Bremsbänder sehe: unser alter Agria-Traktor hatte welche für die Hinterräder, die konnten schon mal
Asbest drinhaben. Da wäre für mich definitiv eine Grenze.

Ansonsten: alte Technik zu benutzen ist hier ja mal prinzipiell ein angesehenes Thema.
Wobei ich es genial finde, wie alte Nähmaschinen von neuer Motortechnik echt profitieren!

soviel mal dazu

der gert

Re: Sehr alter Heinrich Tietmeyer Unterbaumotor

Verfasst: Samstag 22. März 2025, 11:33
von nicole.boening
Huhu - Daaaaanke. ich weiß nicht. Dieses Band wirkt wirklich rein mechanisch. Oder ist das Band nur die Notbremse??? Schau:
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Ich frage mich halt, ob die Technik es wert ist, dafür zwei Löcher in den Tisch zu bohren. biggrin
Du hast recht. Mit der Fußwippe löse ich die Bremse und drehe die Welle des Anlassers. Je mehr Zug, desto mehr Taster berühren die Kontaktfläche. Von rechts nach links … Also ist das Band nur die Notbremse.
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Würdet ihr den Motor erst einmal richtig reinigen?
Alte Motoren sind ja genau so spannend wie alte Maschinen heart

Re: Sehr alter Heinrich Tietmeyer Unterbaumotor

Verfasst: Samstag 22. März 2025, 13:26
von saumseliger
Hey Nicole,

also ich glaube, dass das Band einfach die Bremse ist.
Der Notfall wäre also einfach der Stillstand ;-)

Ich finde, der Motor ist sicher alt genug, um Asbest im Bremsband zu haben.
Ich würde das wahrscheinlich abschrauben, unter Wasser von den Nieten befreien und durch aktuelles Bremsband ersetzen:
Bei baywa (erstes Ergebnis der Google-Suche nach "bremsband") kostet der Meter 30mm breit und 4mm stark 15€.
Bisschen zurechtschnippeln und gut.
Und das Gewinde des Bremsbleches ist ja lang genug, um so'n dickes Band zu kompensieren.

Was die Motoren betrifft:
Ich würde zumindest den Widerstands-(= Steuer-)Kasten mal ausblasen.

Und wenn man den Motor auseinandernimmt, gibt's sicher auch einiges an Staub und Schmodder zu entfernen.
Kohlebürsten kann man sich zurechtschmirgeln, wenn's keine genau passenden gibt.
Will man gründlich sein, kann man erwägen, den Kollektor zu überdrehen je nach Zustand.
Und dann ist da ja noch die Lagerung.

Aber dann isser fast wie neu.

tschö

der gert

PS: ich sehe gerade erst, dass das 4mm-Bremsband vermutlich nicht in die Aufnahme passt: zu dick.
Aber vielleicht gibt's dünneres, irgendwo, oder Du bastelst an der Aufnahme herum ...

Re: Sehr alter Heinrich Tietmeyer Unterbaumotor

Verfasst: Samstag 22. März 2025, 23:05
von sputnik
Bei den ganz alten Motoren war das Bremsband meistens ein Lederriemen. Falls es hier was anderes ist kann man ja einen Lederriemen einbauen oder ein neues aus aktuellen Materialien (Förderband, Transportriemen, Flachriemen etc.) zuschneiden.

Den Kollektor braucht man normalerweise nicht abzudrehen wenn die Kohlen rechtzeitig erneuert wurden und die Kondensatoren in Ordnung sind.
Zuerst einmal alles reinigen. Beim Kollektor keinen Alkohol verwenden weil er sonst besoffen ist (Alkohol kann die Löststellen angreifen) wink .
Wenn der Kollektor keine Stufen eingeschliffen hat braucht man ihn nicht abzudrehen. Bei hartnäckiger Verschmutzung probiert man zuerst Radiergummi, Schleifpad oder Schmirgelleinen. Nach dem Schmirgeln die Nuten wieder säubern.
Passende Schleifkohlen sollte es bei jedem Elektromechaniker geben.

Re: Sehr alter Heinrich Tietmeyer Unterbaumotor

Verfasst: Sonntag 23. März 2025, 04:09
von nicole.boening
Danke 🙏 Ich denke, die Bremse ist ein Lederband. Sie fühlt sich zumindest so an (ich hatte gefühlt, bevor die Asbest-Problematik aufkam). Wenn das Leder noch geht, muss ich es ja nicht ersetzen.
Ich hab jetzt eine Woche Urlaub und kann mir diesen Senior einmal vornehmen.

Beim Testlauf lief er schon einmal super smoooooooth.
Hab bei uns im Forum noch einen gefunden:
https://www.naehmaschinentechnik-forum. ... hp?t=10709

Interessant auch der North Data Eintrag
https://www.northdata.de/Horst+M%C3%B6r ... HRA+3435+B