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Oberflächenbehandlung von Holzkisten

Verfasst: Dienstag 17. Mai 2016, 17:02
von ArtWooD
Hallo,

ich habe eine wunderschöne Nähmaschine von Wertheim für sehr günstig bekommen. Die Nähmaschine hat eine hübsche Holzkiste zum abdecken dabei, die aufgrund des Alters sehr rampuniert ist, auch der Wurm war schonmal drin. Das ist aber alles kein Problem, weil ich mit Holzarbeiten viel Erfahrung habe und schon so einiges restauriert habe ;)
Meine Frage ist nur, weiß jemand welche Oberflächenbehandlung der Nähmaschinenkisten damals (ca. 1900) typisch war? Ich würde ja fast auf Schellack tippen, aber besonders widerstandsfähig ist der ja nicht. Wenn z.B. ein Reißverschluss eingenäht wird und dabei über die Schellackpolitur kommt gibt es sofort Kratzer.
Dafür würden aber die Furnierarbeiten unter Schellack sicherlich ein Gedicht sein ;)

Hat jemand ein Bild vom Verschluß so einer Kiste? Bei meiner fehlt auf einer Seite das Schließblech und wahrscheinlich so etwas ähnliches wie ein Haken (an der Kiste selbst) der in das Schließblech greift. So wie es aussieht wurde einst der Schlüssel verloren und die Kiste mit Gewalt geöffnet, dabei ist dieser Haken ausgebrochen und dann sicher weggeschmissen worden.

Vielen Dank schonmal für eventuelle Auskünfte ;)

Re: Oberflächenbehandlung von Holzkisten

Verfasst: Dienstag 17. Mai 2016, 17:32
von Klaus_Carina
Wie wäre es mit einem Bild ßßß
thx1
(nimm bitte den unbestimmten Artikel nicht Als Zahlwort)

Re: Oberflächenbehandlung von Holzkisten

Verfasst: Dienstag 17. Mai 2016, 19:33
von ArtWooD
Bilder sind da ;)


drücke bitte die Shift-Taste um ein ? zu schreiben :P

Re: Oberflächenbehandlung von Holzkisten

Verfasst: Dienstag 17. Mai 2016, 19:39
von Lanora
Also ich weiß zwar nicht wie das früher gemacht wurde, aber ich nehme zur neuen Versiegelung abgeschliffener Holzplatten Bondex Ballenmattierung.........

meist reichten 2-3 Aufträge , ergibt einen schönen Glanz und die Oberfläche ist geschützt. Wie sich das allerdings bei starker Beanspruchung durch Näharbeiten verhält weiß ich nicht.

Re: Oberflächenbehandlung von Holzkisten

Verfasst: Dienstag 17. Mai 2016, 20:20
von ArtWooD
Lanora hat geschrieben:Also ich weiß zwar nicht wie das früher gemacht wurde, aber ich nehme zur neuen Versiegelung abgeschliffener Holzplatten Bondex Ballenmattierung.........

meist reichten 2-3 Aufträge , ergibt einen schönen Glanz und die Oberfläche ist geschützt. Wie sich das allerdings bei starker Beanspruchung durch Näharbeiten verhält weiß ich nicht.
Sowas "modernes" will ich nicht auf so eine schöne alte Maschine klatschen, das wäre ja eine historische Missetat ;)

Re: Oberflächenbehandlung von Holzkisten

Verfasst: Dienstag 17. Mai 2016, 20:35
von Klaus aus A
Hallo ArtWooD,

wieso modernes Zeug? Das ist Schellack! Die wird auch nicht aufgeklatscht sondern mit einem Ballen klassisch aufgetragen. Oder irre ich mich?

Jetzt wo ich das lese, möchte ich das auch probieren. Bisher habe ich historische Holzteile geölt und gewachst, da das nicht zwangsweise endgültig ist und ich mit Schellack noch nicht richtig klar komme.

Grüße
Klaus

Re: Oberflächenbehandlung von Holzkisten

Verfasst: Dienstag 17. Mai 2016, 20:54
von Lanora
Klaus aus A hat geschrieben: Die wird auch nicht aufgeklatscht sondern mit einem Ballen klassisch aufgetragen. Oder irre ich mich?
Nein du irrst nicht, die Bondex Ballenmatierung ist auf Schellackbasis und wird mit einem zum Ballen gefalteten Tuch in kreisenden Bewegungen aufgetragen und "einmassiert"



https://www.bondex.de/produkte/innen/ballen-mattierung

Unter technisches Datenblatt steht auch die Verarbeitungsweise wink

Re: Oberflächenbehandlung von Holzkisten

Verfasst: Dienstag 17. Mai 2016, 22:20
von ArtWooD
Ja das stimmt in dem Bondex ist unter anderem auch Schellack drin, aber auch Nitrocellulose.

Ein kleines abgekratztes Stück der Oberfläche lies sich ähnlich gut in Spiritus auflösen wie Schellack, daher gehe ich davon aus, dass die original Beschichtung zumindest Schellack enthielt. Aber vielleicht war es auch Spirituslack?
Ich denke ich werde für die Kiste eine klassische Schellackpolitur verwenden. Also mit Porenfüllen mittels Bimsmehl und dann mit dem Ballen Schicht für Schicht auftragen, aber ohne Nitrocellulose :P Das ist dann auch zu 100% reversibel und aufarbeitbar und wird historisch nichts beschädigen ;)

Hat denn jemand so eine Kiste und könnte ein Foto von dem Verschluß machen?

Re: Oberflächenbehandlung von Holzkisten

Verfasst: Freitag 20. Mai 2016, 06:54
von Karo
Hallo ArtWooD,

ich arbeite nur mit Schellack, Schellacklöser und Wachs. Das Holz sollte man perfekt vorbehandeln (schleifen). Du wirst das sehen ob du ein oder zwei Anstriche brauchst oder ob du nach dem ersten Anstrich nochmal schleifen musst. Später poliere ich nochmal mit Wachs nach.
Die Unterseite vom Nähmaschinentisch und auch innen in der Abdeckung streiche ich mit Leinölfirnis. Alles im Baumarkt erhältlich.
Ein guter Schlüsseldienst kann dir ein Schlüssel anfertigen, einfach Schloss ausbauen und mitnehmen.
Fehlende Teile:wenn ich nicht fündig werde, google ich nach Bildern, rechne das Teil aus, suche in der Garage oder Baumarkt nach Material und mein Handwerker schleift das alles zurecht smile

Grüße
Karo

Re: Oberflächenbehandlung von Holzkisten

Verfasst: Freitag 20. Mai 2016, 11:28
von Katis
ArtWooD hat geschrieben:Ja das stimmt in dem Bondex ist unter anderem auch Schellack drin, aber auch Nitrocellulose.

Ein kleines abgekratztes Stück der Oberfläche lies sich ähnlich gut in Spiritus auflösen wie Schellack, daher gehe ich davon aus, dass die original Beschichtung zumindest Schellack enthielt. Aber vielleicht war es auch Spirituslack?
Ich denke ich werde für die Kiste eine klassische Schellackpolitur verwenden. Also mit Porenfüllen mittels Bimsmehl und dann mit dem Ballen Schicht für Schicht auftragen, aber ohne Nitrocellulose :P Das ist dann auch zu 100% reversibel und aufarbeitbar und wird historisch nichts beschädigen ;)

Hat denn jemand so eine Kiste und könnte ein Foto von dem Verschluß machen?
Ich nehme, wenn es 'historisch' bleiben soll, (nach ggf. dem Ausbessern der Holzfarbe mit Beize) Ballenmattierung, sehr selten Schellack (ist einfach zu empfindlich).

Für meine Industrienähmaschinentische, bei denen es mehr auf die Strapazierfähigkeit ankommt, nehme ich seidenmatten Kunstharzklarlack, drei mal aufgetragen. Bei entsprechender Vorbehandlung, Schleifen und immer wieder Zwischenschliff sowie guter Lackiertechnik kommt dabei eine Oberfläche zustande, die der Optik der ursprünglichen sehr nahe kommt.
Ich habe nämlich inzwischen zu viele solcher Tischoberflächen mit Wasserschäden, Ölflecken und sonstigen undefinierbaren Flecken gesehen, die sich ins Holz gefressen hatten... und möchte ohne Reue auch mal ein Wasserglas oder eine Kaffeetasse abstellen können, ohne dass es gleich Ränder gibt...

Anliegend einige Fotos vom Verschluss meiner Nähmaschinenhaube (das Unterteil dazu existiert nicht und ich habe das Teil abgebaut, damit die Haube plan auf dem Tisch einer anderen Maschine stehen kann).

Gruß Karin