Seite 1 von 1

Overlockmaschine mit "Shell Stitch" Zierstich

Verfasst: Freitag 8. Mai 2026, 15:19
von atlantis
Hallo allerseits,

Ich habe letzthin in einem Youtube-Video eine Overlockmaschine gesehen, die einen sehr hübschen Zierstich näht, der offenbar auf Englisch "Shell Stitch" genannt wird. Als ich mich erkundigt habe, was denn das genau für eine Maschine ist, habe ich erfahren, dass es eine Merrow MG-3Q-3 sei.

Nachdem Merrow bei uns generell sehr exotisch zu sein scheint habe ich mich gefragt, ob es allenfalls von den bei uns verbreiteteren Herstellern auch mal etwas in der Richtung gab, weiss da jemand etwas dazu?

Viele Grüsse
Martin

Re: Overlockmaschine mit "Shell Stitch" Zierstich

Verfasst: Freitag 8. Mai 2026, 16:01
von Knopp1
Weder sagt mir die von Dir genannte Maschine, noch die Stichbezeichnung was. Vielleicht kannst Du den Stich skitzzieren? und abfotografieten?

Re: Overlockmaschine mit "Shell Stitch" Zierstich

Verfasst: Freitag 8. Mai 2026, 16:47
von Ärmel

Re: Overlockmaschine mit "Shell Stitch" Zierstich

Verfasst: Freitag 8. Mai 2026, 16:51
von Ärmel
Hier noch die Maschine dazu...
Grüße Heinrich
https://www.alibaba.com/product-detail/ ... 39433.html

Re: Overlockmaschine mit "Shell Stitch" Zierstich

Verfasst: Freitag 8. Mai 2026, 17:16
von Eterniah
Sehr dekorativ, gerade für Decken oder ähnliches.
Mir ist leider nichts bekannt, was dem nahe kommt.
Wenn du häkeln kannst, kannst du so etwas selbst machen. Aber dauert vermutlich deutlich länger, als mit so einer Maschine. wink

Re: Overlockmaschine mit "Shell Stitch" Zierstich

Verfasst: Samstag 9. Mai 2026, 10:28
von sputnik
Interessant ... biggrin

Ich hätte jetzt gedacht das "Shell Stich" den "Muschelstich/-saum" meint.

Das was ich als Muschelsaum kenne sieht so aus:
Muschelsaum HH.jpg
siehe auch: https://blog.bernina.com/de/2013/11/ein ... uschelsau/
Diese Säume werden auch in der Bekleidungsindustrie verwendet und so bezeichnet und es gibt auch eigene Maschinen dafür mit denen das möglich ist.
Die klassischen Maschinen dafür sind kurvenscheibengesteuerte Zick-Zack Schnellnäher.

Die von Heinrich (Ärmel) gezeigten Abbildungen fallen nach klassischer Definition unter die Festonkanten/-stich/-saum.
Eine Festonkante ist ein gestickter Saum. Anfang des 20. Jhdts. wurden viele Varianten davon entwickelt. Fritz Gegauf, der Gründer der Firma Bernina, war da sehr innovativ und das nähen von vielen "seiner" Nähte (Feston/Hohlsaum) wird deshalb heute, hundert Jahre später, immer noch häufig als "gegaufen" bezeichnet.
Ein Festonsaum kann eine gerade, dicht gestickte Zick-Zack-Stich/Plattstichnaht sein oder wird auch häufig in Bögen ausgeführt.
Festonsaum.jpg

Auch für diese Nähte gibt es für die Textilindustrie spezielle Maschinen.
Heute werden diese Kanten aber auch oft auf grossen Stickautomaten gestickt, weil es einfacher, präziser und vor allem automatisch funktioniert.
Bei den alten kurvenscheibengesteuerten Maschinen braucht man geübte Näherinnen um die Ecken sauber und gleichmässig hinzubekommen.
Besonders bei Bettwäsche wurden/werden oft auch vorgestickte Festonkantenbänder verwendet, welche mit den Schliessnähten mitgenäht werden und die Fertigung vereinfachen und verbilligen. Diese mitgenähten "Borten" werden natürlich von den Textil-Aficionados als minderwertig angesehen. wink

Der Festonsaum wurde stilistisch von den viel länger schon (bereits in vorchristlicher Zeit) in der Architektur verbreiteten und auch stilisiert ausgeführten Blütengehängen abgeleitet, welche in der Zeit des Jugenstils/Art Deco eine Renaissance erlebten. Siehe auch -> https://de.wikipedia.org/wiki/Feston

Zur Herstellung der von Eterniah erwähnten Häkelkanten gab (gibt?) es auch spezielle Tambouriermaschinen welche das perfekt können.

Herzliche Grüsse vom Sputnik

P.S.: Um auf die von Martin (atlantis) gestellte Frage einzugehen:

Mit ziemlicher Sicherheit wird es solche Maschinen auch von europäischen Herstellern gegeben haben, aber das ist natürlich immer von der Mode (siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/An_die_Freude) abhängig und die klassischen Festonmaschinen waren bei industrieller Anwendung nach 20 Jahren meistens schrottreif.
Ausserdem hat man in Europa ganz andere Qualitätsvorstellungen, Traditionen und Wissen als in vielen anderen Teilen der Welt und immaterielles Kulturerbe ist ein fragiles Gut.
So wurde ich z.B. Ende der 1990er Jahre von der Firma Reece (Erfinder der Augenknopflochautomaten) gebeten Musterknopflöcher zu nähen, weil es, nachdem mein deutscher Kollege bereits in Pension gegangen war, angeblich weltweit sonst keinen Techniker mehr gibt der weiß wie man diese Knopflöcher perfekt herstellen kann. wink
Auf der ganzen Welt wundert man sich warum "die Europäer" so komische Knopflöcher nähen ... aber alle versuchen sie nachzumachen. biggrin