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Adler 199-6

Verfasst: Freitag 7. August 2026, 06:52
von Asher
vorne, links, der nette Haken (rot umrandet, Fadenumlenker...ansich...):

Auf keinem Bild in der Anleitung ist der irgendwie in Gebrauch.
Bin da grad etwas verwirrt...

Re: Adler 199-6

Verfasst: Freitag 7. August 2026, 08:11
von Asher
....ich glaub, ich hab es mir grad selber beantwortet:

Der Haken ist hier garnicht Fadenumlenkung für die Fadenanzugsfeder,
wie bei ganz alten Maschinen.
Er begrenzt lediglich den Federweg nach unten,
schiebt während des Nähens die Feder immer wieder ein kleines Stück nach oben,
bei Anheben des Nähfußes schiebt er die Feder ein ganzes Stück nach oben.
20260807_075724.jpg

Dabei ist mir aber ein Problem aufgefallen, der Löser für die Oberfadenspanner arbeitet nicht korrekt,
ich glaub, die kleine Mutter unter der Fadenspanner-Platte hat da nix zu suchen
20260807_081002.jpg

Re: Adler 199-6

Verfasst: Freitag 7. August 2026, 16:32
von Asher
Entweder ist die Schraube zu lang, oder da fehlt ein passender Abstandshalter.

Auf jeden Fall: ohne Mutter dazwischen "trennt" der Spannungslöser sauber

Re: Adler 199-6

Verfasst: Samstag 8. August 2026, 04:08
von sputnik
Das passiert wenn sich der Faden verheddert hat und ein Grobmotoriker die Fadenanzugsfeder damit demoliert. Die Fadenanzugsfeder geht normalerweise wie bei jeder anderen Nähmaschine auch zwischen der Spannung und dem Umlenkhebel auf und ab. wink
Am einfachsten eine neue Feder einbauen.
Und der Faden gehört dann, wenn die Feder richtig eingestellt ist, unter dem Umlenkhebel durch.

Herzliche Grüsse vom Sputnik

Re: Adler 199-6

Verfasst: Samstag 8. August 2026, 10:02
von saumseliger
Na,
die Maschine ist bei mir als Vorbesitzer nur kurz gewesen.
Den Schuh mit dem Grobmotoriker zieh ich mir also gar nicht erst an.

Als mir auffiel, dass die Maschine im Prinzip alles genauso macht wie meine 189,
allerdings ohne genähten ZickZack, aber mit dem Problem, dass sie einen
ganz anderen Tischausschnitt benötigt, durfte sie gehen.
Und das offensichtlich an einen Ort, wo sie eingehende Pflege erfährt. Prima.

Ich glaube, die Spannungseinheit hatte ich gar nicht erst ausgebaut,
ich hatte aber den Umlenkhebel mal draußen.

Dessen Funktion ist mir bis Ashers Darstellung unklar geblieben, was mir aufgefallen
war, ist aber, dass er in keiner Einfädelanleitung der BA benutzt wird.
Und dass er in späteren Maschinen schlicht nicht mehr vorhanden ist.
Das kann man an der Maschine im Nähmaschinenverzeichnis auf Bild 11 sehen.

Was aber dazu geführt hat, dass das Ding in späteren Auflagen offensichtlich vollkommen
unnötig war, nachdem es in früheren Maschinen nach Ashers Analyse als Anschlag
für die Fadenspannungsfedere diente, das zu erfahren fände ich spannend.

tschö

der gert

PS: Ach, eins noch: bei der 189 (ich hab die Biesenvariante, ohne Biesen sieht das anders aus),
ist die Fadenspannungseinheit fast gleich. Aber: da gibt es erst gar keinen Umlenkhebel.

Re: Adler 199-6

Verfasst: Samstag 8. August 2026, 13:15
von sputnik
Servus Gert,

ich nehme an das der Fadenumlenkbügel mit Haushalts-/Gewerbe-/Industrieausführung zu tun hat.

Bei der Industrieversion wird die Fadenanzugsfeder EINMAL eingestellt und dann vielleicht in 5 Jahren wieder wenn sie ausgetauscht wird, weil immer ein ähnliches Material verarbeitet wird.

Bei der Haushaltsversion/Gewerbeversion (Änderungssschneider) muss man OFT von einem Stück zum nächsten die Fadenanzugsfeder NACHSTELLEN damit eine brauchbare/zuverlässige Naht zustande kommt.
Dafür haben Pfaff und andere Hersteller bei vielen Maschinen einen manuelle Verstellmechanismen eingebaut, damit man nicht jedes Mall alles zerlegen muss. Bei Haushaltsmaschinen hat sich schon lange der Umlenkbügel etabliert, der ja an der Presserfusstange montiert ist und deshalb den Weg der Fadenanzugsfeder (bei jeder Naht) automatisch an die Materialstärke anpasst.

Das bedeutet dieser Bügel trägt wesentlich zu besseren Nähten und weniger Ärger bei, auch wenn man ihn im Alltag kaum wahrnimmt.
Trotzdem muss man wenn man zwischen dünnem Stoff und dicken Planen wechselt, für eine perfekte Naht noch die Spannung der Fadenanzugsfeder leicht nachstellen, was aber bei vielen Maschinen auch relativ einfach möglich ist.

Die Fadenanzugsfeder dient dazu die unvermeidlichen Abweichungen von Greiferfadenbedarf (welcher ja noch zusätzlich von der Stichlänge abhängig ist) und vom Fadenanzugshebel auszugleichen. Wenn der Faden beim Fadenanzug nicht schnell genug weggezogen wird erwischt ihn häufig die Nadel (was unweigerlich zu Fadenbruch führt) oder wenn die Fadenanzugsfeder länger weiterzieht kann sich keine ausreichende Schlinge für den Greifer bilden und die Maschine lässt Stiche aus oder der Greifer sticht den Faden an (ebenfalls wieder Fadenbruch).

Die Fadenanzugsfeder und deren korrekte Einstellung ist eines der am meisten unterschätzten Bauteile bei einer Nähmaschine, weil kaum jemand (der sich nicht intensiv mit den Stichbildungsprozessen beschäftigt hat) deren Funktion richtig einschätzen kann. Als Unwissender kann man ja nicht unterscheiden woher ein Problem kommt, sondern sieht nur das "Miststück" lässt schon wieder Stiche aus. Probiert vielleicht noch andere Nadeln oder Fäden ... und kommt gar nicht auf die Idee das 1mm mehr oder weniger Weg bei der Fadenanzugsfeder das Problem lösen würde.

Diese anfangs schwer verständlichen Vorgänge führten zu Beginn meines Nähmaschinentechnikerdaeins dazu dass ich mir ein Stroboskop gebaut habe mit dem ich diese Vorgänge am lebenden Objekt (also der nähenden Nähmaschine) beobachten konnte. DIese Beobachtungen sind extrem lehrreich und ich habe sie jahrelang sehr ausgiebig mit meinen Lehrlingen durchgeführt. Dabei sieht man extrem deutlich und in Echtzeit die Einflüsse von winzigen Kleinigkeiten bei der Fadenführung auf die Schlingenbildung und damit den Stichbildungsprozess. Wir haben es mit unterschiedlichen Bewegungsmustern (oszilliernd und gleichförmig), Elastizitäten (von der Maschine selbst, über alle Hebel, Fadenanzugsfeder, Presserfussfeder, Faden und Nähgut ...) zu tun die wir bei statischer Betrachtung erstmal gar nicht erfassen/verstehen können. Erst durch das Studium der dynamischen Vorgänge (und heute vermutlich angenähert durch Software) kann man diese Schwingungen/Resonanzen im Gesamtsystem "Nähmaschine" erfassen und verstehen.

Interessante Momente bei unseren Beoabachtungen waren immer die nähere Betrachtung von einzelnen Resonanzfraquenzen, wo man dann sieht wie sich die Wege von oszillierenden Bauteilen verändern und sich Schlingenbildung und Fadenverhalten extrem verändern. So kann es vorkommen das eine Maschine bei allen Geschwindigkeiten perfekt näht ... aber bei der Annäherung an EINE Resonanzfrequenz (z.B. 3350 Stiche/min) beginnt sich plötzlich die Schlinge um bis zu 180° um die Nadel herum zu drehen! Damit kann in so einem Fall keine Stichbildung mehr stattfinden, obwohl die Maschine bei 3300 St/min und 3400 St/min noch perfekt näht. Oft reicht dann bei solchen Situationen in einer Fadenführung ein Loch mehr oder weniger einzufädeln um diese Problem zu vermeiden. Aber das ist eben immer von diesem einen Faden, von diesem einen Stoff und von jeder einzigen Einstellung an der Nähmaschine abhängig.

Unter vielen anderem, waren auch die rotierenden Fadengeber Versuche solche Resonanzprobleme aufgrund oszillierender Bewegungen durch gleichförmige Bewegungen abzumildern.

Missachtet mir also eure wohl eingestellten Fadenanzugsfedern nicht und ehret ihre Kunst! biggrin

Nebenbei ... Situationen welche durch die angestochenen/aufgedrehten Fäden entstehen können, führen auch manchmal zu blockieren des Greifers und können (besonders bei schweren Nähmaschinen ohne Sicherheitskupplung) durch die auftretenden Kräfte zu einer Zerstörung der kompletten Maschine führen. Solche Situationen unter stark welchselnden Nähbedingungen bei Haushalts- und Gewerbemaschinen waren auch die Gründe für die Entwicklung der heute oft eingesetzten gefederten Greiferbahnabeckungen (Pfaff 138 bis Hauhaltsmaschinen).

Konklusio: Der Fadenumlenkbügel vereinfacht die Umstellung bei wechselndem Nähmaterial und hilft Probleme zu verringern.

Herzliche Grüsse vom Sputnik

Re: Adler 199-6

Verfasst: Samstag 8. August 2026, 15:51
von saumseliger
Hallo Sputnik,

vielen Dank für Deine ausführlichen Schilderungen!
Die Adler 199-6 verbuche ich mal unter "Universal-" oder gewerbliche Maschine.
Also für's Schneideratelier o.ä., wo unterschiedlichste Dinge mit der gleichen Maschine zu bewerkstelligen sind.
Der hintere Teil der BA legt dafür Zeugnis ab.

Insofern leuchtet das Feintuning der Fadenanzugsfeder im laufenden Betrieb durch den Fadenumlenkbügel
(der allerdings im speziellen Fall keinen Faden umlenkt, sondern eben nur ein variabler Anschlag für die
Fadenanzugsfeder ist) absolut ein.

Was die Fadenanzugsfeder betrifft:
Das glaube ich unbesehen, dass die entscheidend ist.
Ich habe mir auch schon mal im Renters ausführlich die Schilderungen der Greifersysteme angeschaut.
Dabei wird sehr deutlich, dass die FAF (der Einfachheit halber) einen Großteil der Stichbildung ruhend verbringt,
und erst kurz vor dem Einstich der Nadel "in Tätigkeit tritt".

Genau hier, bei der "Tätigkeit" begann mein Problem mit dem Verständnis. In meinen Augen ist die Rolle der FAF
eher passiv: Sie wird vom Fadenanzugshebel gespannt, wenn der den Faden für den Stich festgezogen hat.

Das heißt: sie nimmt die überschüssige Bewegung des Anzugshebels auf (nach dem erfolgten Festziehen des Fadens),
und hält den Faden aus dem Bereich des Einstichs der Nadel heraus.
Das kann man als Tätigkeit bezeichnen, für mich ist das mehr ein "sich-spannen-lassen".


Und so ist dann das Entscheidende, dass einerseits die Vorspannung der Feder stimmt
und die Ruheposition, die dann das Timing der Spannungsphase mitbestimmt.

Am Beispiel der Adler 52 wird das für mich deutlich:
einerseits die Vorspannung der Feder (durch das Drehen und Festlegen des Fadenpannungsstiftes)
anderseits die Ruheposition (durch das Verdrehen des Federgehäuses).
Ich beziehe mich hier mit den Bezeichnungen auf Renters, Bd 1, Seite 82.

Je nach Maschine wird das unterschiedlich justiert und erreicht, aber das hat mir zumindest geholfen, da System reinzubekommen.

Bei der Adler 189 gibt es übrigens beide Varianten:
Die "normale" Maschine hat so einen Umlenkbügel,
die "Biesen"-Maschine hat keinen, bei der ist aber auch die Fadenspannung insgesamt anders,
eher wie bei der 199.

So, das ist lang geworden, aber mir hilft es auch, Dinge zu formulieren, um sie zu memorieren.

Nochmal Dank für den Input

der gert

Re: Adler 199-6

Verfasst: Samstag 8. August 2026, 18:16
von Asher
smile
danke für die Ausführungen.
Ja, man vergisst zu oft, wie wichtig die kleine Feder ist.
Und bei ca. jeder 2. von mir erworbenen Maschine wurde da von einem Vorbesitzer gepfuscht.

Bei dieser Maschine ist die Fadenanzugsfeder übrigens:
1. voll intakt
2. exakt in der richtigen Position

(und meine Denk-Funzel war ausnahmsweise richtig am Schalten,
um diese mir bis dato unbekannte Nutzung des Kleiderhakens korrekt zu deuten)

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Wenn ich für die noch eine Biesenklammer auftreiben könnt... biggrin