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Jacobi Wien / A. Greger & Co. – Hilfe bei Modell- und Baujahrbestimmung

Verfasst: Samstag 31. Oktober 2026, 19:08
von Nicole5190
Hallo zusammen! 😊

Ich habe vor Kurzem eine wunderschöne alte Tret-Nähmaschine gekauft und versuche nun, mehr über ihre Geschichte herauszufinden.

Da ich bisher keinerlei Erfahrung mit historischen Nähmaschinen habe, würde ich mich sehr über eure Hilfe freuen.

Die Maschine trägt mehrere interessante Kennzeichnungen:

* JACOBI – WIEN IX/1 auf einer Messingplakette am Maschinenkopf
* JACOBI – WIEN IX auf dem Fußpedal
* JACOBI auf der gewölbten Holzabdeckung
* SINGER auf dem gusseisernen Untergestell
* „The New Shutle Sewing Machine – geschützt“ auf dem Schwungrad
* Österreichisches Patent Nr. 30931 sowie die ungarischen Patente Nr. 37354 und 37355
* Ein ovales Gusszeichen auf der Unterseite des Maschinenkopfs

Bei meiner Recherche bin ich auf den Forumsbeitrag „Singer? – mitnichten. The New Shutle Sewing Machine – A. Greger & Co.“ aus dem Jahr 2019 gestoßen.

Besonders interessant finde ich, dass die dort gezeigte Greger-Maschine offenbar dieselben Patentnummern und ein nahezu identisches ovales Gusszeichen besitzt.

Deshalb vermute ich, dass mein Maschinenkopf ebenfalls von A. Greger & Co. aus Wien hergestellt und unter dem Namen Jacobi verkauft wurde.

Ich würde nun gerne Folgendes herausfinden:

1. Kann jemand den genauen Maschinentyp bzw. das Modell identifizieren?
2. Lässt sich das Herstellungsjahr genauer eingrenzen? Meine bisherige Vermutung liegt ungefähr bei 1907–1920.
3. Wo könnte sich bei dieser Maschine die Seriennummer befinden? Trotz gründlicher Suche konnte ich keine finden.
4. Ist bekannt, ob Jacobi diese Greger-Maschinen als vollständige Tretmaschinen vertrieben hat?

Die Mechanik lässt sich übrigens noch von Hand bewegen, und die Nadel geht beim Drehen des Handrads auf und ab.

Ich füge einige Fotos der gesamten Maschine, der Verzierungen, der Patentnummern sowie des Gusszeichens bei.

Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand die Maschine wiedererkennt oder mir weitere Informationen zu ihrer Herkunft geben könnte.

Vielen lieben Dank im Voraus und viele Grüße!

Nicole

Re: Jacobi Wien / A. Greger & Co. – Hilfe bei Modell- und Baujahrbestimmung

Verfasst: Samstag 31. Oktober 2026, 20:01
von Achim (js_hsm)
Bild

Herzlich willkommen hier.

Re: Jacobi Wien / A. Greger & Co. – Hilfe bei Modell- und Baujahrbestimmung

Verfasst: Samstag 31. Oktober 2026, 20:27
von Asher
ich glaube nicht, dass diese Langschiffchen eine Greger ist.

Bei den Colibri-Schustermaschinen findet man auch zig Hersteller,
die mit Patent-Einführung dieselben zwei Patentnummern nutzten
(allerdings Deutschland, da war Österreich schon abgetrennt).

Es kann sich um Patentnutzung gegen Gebühr handeln.
Zum Alter: Österreich hat erst spät Patente eingeführt.
Schau mal Wikipedia, da steht es genau.

Auffallend: diese hat noch keine als Nadel-Faden-Tabelle ausgeführte Abdeckung, obgleich die Plakette jünger scheint

Re: Jacobi Wien / A. Greger & Co. – Hilfe bei Modell- und Baujahrbestimmung

Verfasst: Samstag 31. Oktober 2026, 21:58
von Nicole5190
Vielen Dank für deine Einschätzung! 😊

Das mit der möglichen Patentnutzung durch verschiedene Hersteller ist ein interessanter Hinweis.

Was mich besonders beschäftigt, ist das ovale Gusszeichen auf der Unterseite meiner Maschine. Dieses scheint mit dem Zeichen der Greger-Maschine aus dem Forumsbeitrag von 2019 nahezu identisch zu sein. Auch die österreichischen und ungarischen Patentnummern stimmen überein.

Könnte dieses Gusszeichen ein zuverlässigerer Hinweis auf den tatsächlichen Hersteller sein?

Und noch eine Frage: Du erwähnst, dass meine Maschine noch keine Nadel-Faden-Tabelle als Abdeckung besitzt. Könnte das darauf hindeuten, dass der Maschinenkopf älter ist als die Jacobi-Plakette? Lässt sich daraus eine ungefähre Bauzeit ableiten?

Vielen Dank für deine Hilfe!

Re: Jacobi Wien / A. Greger & Co. – Hilfe bei Modell- und Baujahrbestimmung

Verfasst: Sonntag 1. November 2026, 12:27
von sputnik
Also meines Wissen hat sowohl Greger für Jacobi als auch umgekehrt produziert.

Österreich war zur Zeit der Monarchie einer der grössten Nähmaschinenproduzenten weltweit. Und natürlich haben die Firmen bei Bedarf auch bei anderen Firmen zugekauft/produzieren lassen. Nicht umsonst hatte z.B. auch Dürkopp auch einige eigene Fabriken in Österreich und auch mit anderen Firmen kooperiert.

Das jemand nachträglich eine andere Plakette montiert hat kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wozu sollte man sowas machen?

Der Nähmaschinenproduzent Anger aus Wien (der noch bei Howe gelernt hat) hatte auch eine der grössten Eisengiessereien der Monarchie und seine Kanaldeckel wurden bis in die Ukraine geliefert. Der hat auch viele Maschinen in Lizenz nachgebaut und für viele andere Firmen gegossen und angefertigt. Und es gab noch viele andere Firmen wo das ebenfalls der Fall war.

Im wesentlichen haben bei Bedarf immer nahezu alle Hersteller für alle Anderen produziert.

Zu den angeblich in Österreich erst spät eingeführten Patenten frage ich mich warum es dann so viele österreichische Patente für Textilmaschinen aus dem 18. Jhdt. gibt? wink

Herzliche Grüsse vom Sputnik

Re: Jacobi Wien / A. Greger & Co. – Hilfe bei Modell- und Baujahrbestimmung

Verfasst: Sonntag 1. November 2026, 13:09
von Geppo
Nicole5190 hat geschrieben: Samstag 31. Oktober 2026, 21:58 Vielen Dank für deine Einschätzung! 😊

Das mit der möglichen Patentnutzung durch verschiedene Hersteller ist ein interessanter Hinweis.

Was mich besonders beschäftigt, ist das ovale Gusszeichen auf der Unterseite meiner Maschine. Dieses scheint mit dem Zeichen der Greger-Maschine aus dem Forumsbeitrag von 2019 nahezu identisch zu sein. Auch die österreichischen und ungarischen Patentnummern stimmen überein.
Hallo,

Hier gibt es Informationen über Greger
https://www.naehmaschinentechnik-forum. ... 38#p177338

Re: Jacobi Wien / A. Greger & Co. – Hilfe bei Modell- und Baujahrbestimmung

Verfasst: Sonntag 1. November 2026, 13:21
von Asher
Sputnik:

inwieweit die sich gegenseitig ausgeholfen haben,
kannst du besser beurteilen.

Aber Patentgeschäfte (Nutzung von verschiedenen Firmen gegen Gebühr) sowie gegenseitige Aushilfe bei Absatz Überkapazität sowie Zulieferung bei Einzelteilen / Unterkapazität dürfte tatsächlich bei so kleineren Firmen deutlich häufiger gewesen sein als z.B. bei Singer, die zwischen verschiedenen Werken verschieben konnten.

Und auch Singer selber (obwohl das außer beim Patent-Konsortium Singer-Wheeler etc. nicht öffentlich gemacht wurde) hat sich an solcher Schieberei offensichtlich beteiligt.

Also längst nicht alles Raubkopie, was Singer basierend produziert wurde

Re: Jacobi Wien / A. Greger & Co. – Hilfe bei Modell- und Baujahrbestimmung

Verfasst: Dienstag 3. November 2026, 01:49
von sputnik
"Jacobi" war scheinbar ein Markenname von Greger ... wie Olaf, den ich als Experten bei solchen Sachen schätze, im September schrieb.
-> https://www.naehmaschinentechnik-forum. ... 80#p177380

Herzliche Grüsse vom Sputnik

Re: Jacobi Wien / A. Greger & Co. – Hilfe bei Modell- und Baujahrbestimmung

Verfasst: Dienstag 3. November 2026, 06:42
von Asher
muss ich nochmal nachgucken...
meines Wissens gab es Jacobi oder Jakobi.

Ich weiss nicht, ob "Jacobi" für Katholiken irgendeine besondere Bedeutung hat, aber da es nicht wirklich nach einem Handelsnamen für einzelne Maschinentypen (z.B. Freya, New Shuttle) oder Gesamtangebot (z.B. Adler) klingt, dürfte es eher ein Händlername als ein Handelsname sein

Re: Jacobi Wien / A. Greger & Co. – Hilfe bei Modell- und Baujahrbestimmung

Verfasst: Dienstag 3. November 2026, 14:36
von Felix W
Asher hat geschrieben: Samstag 31. Oktober 2026, 20:27 ich glaube nicht, dass diese Langschiffchen eine Greger ist.

Bei den Colibri-Schustermaschinen findet man auch zig Hersteller,
die mit Patent-Einführung dieselben zwei Patentnummern nutzten
(allerdings Deutschland, da war Österreich schon abgetrennt).

Es kann sich um Patentnutzung gegen Gebühr handeln.
Zum Alter: Österreich hat erst spät Patente eingeführt.
Schau mal Wikipedia, da steht es genau.

Auffallend: diese hat noch keine als Nadel-Faden-Tabelle ausgeführte Abdeckung, obgleich die Plakette jünger scheint

Ich glaube diese Maschine hatte sehr wohl eine Nadel-Faden-Tabelle. Nur ist diese abgebrochen und auf dem Foto ist das nur schwer zu sehen. Ich habe selbst Maschinen wo diese fehlt oder abgebrochen ist. Ich habe hier einmal das Bild vergrößert und die betreffende Stelle rot markiert.