Mundlos Original Victoria
Verfasst: Mittwoch 15. Juni 2016, 16:41
Hallo Oldie-Fans,
Mundlos „Original Victoria“ Maschinen sind hier im Forum ja schon öfter erwähnt worden, vor allem von Dieter. Die von mir wieder gegen alle Vorsätze für 1€ erworbene, mit der Seriennummer 308304, wurde in Magdeburg-Neustadt etwa zwischen 1895-1905 gebaut, wenn man die fragmentarisch (nach Peter Wilhelm) bekannten Produktionszahlen von Mundlos & Co. seit 1875 vorsichtig hochrechnet.
Die Maschine wurde laut hinterem Schieber-Blech über den Händler „H. Schube Leipzig Peterstraße 23 (3 Könige) I/ Hof“ verkauft. Dieser Name findet sich auf vielen antiquarisch angebotenen Victoria-Maschinen. Schube muss also für Mundlos & Co. von Bedeutung gewesen sein. Auf einem Grundstücksteil des im ersten Weltkrieg in der Peterstraße erbauten, heute noch existenten Bürohauses, ehemaligen Schuh-Messehauses “Drei Könige” stand vor 1915 das Geschäfts- und Gasthaus “Zu den drei Königen”. Im Hinterhaus des alten Gasthauses hatte einer der Begründer der deutschen Sozialdemokratie, August Bebel, ab 1864 bis 1876 in einem ehemaligen Pferdestall seine Drechslerwerkstatt, und in der ersten Etage wohnte er mit seiner Frau Julie Bebel, ebenfalls eine leidenschaftliche Sozialistin. Leider ist ein Bild (Wikipedia) von der Hofeinfahrt im Jahre 1905 mit vielen Reklametafeln zu unscharf, um das Schild von „H. Schube“ zu erkennen. Das Nachfolgegebäude, der alte „Messepalast“ wird bei Stadtführungen Touristen als „Wirkungsstätte Bebels“ oft gezeigt, wie ich es selbst erlebt habe. Jedenfalls belegt die Händler-Gravur sicher, dass die Maschine vor 1915 verkauft wurde, denn dann wurde die Hinterhofwerkstatt samt Gasthaus abgerissen. Die Hausnummern wurden schon vor 1901 etwas verschoben, denn in einer Anzeige vom 07.09.1901 in der (sozialistischen!) Leipziger Volkszeitung gibt H. Schube die Peterstr. 34 an, was mit der des später gebauten Messepalastes „Drei Könige“ übereinstimmt. Schube „annonciert“ gebrauchte Singer-Nähmaschinen ab 15 Mark, die er wohl für Victoria-Maschinen in Zahlung genommen hatte! Das Anzeigendatum legt nahe, dass die Maschine sogar vor 1901 verkauft wurde. Möglicherweise war H. Schube irgendwann nach 1876 in Bebels Werkstatt eingezogen - alte Maschinen erzählen eben Geschichten!
Eine zeitgenössische Maschine dieses Typs mit etwas besser erhaltenem Dekor wurde von Frau Naumann im Nähmaschinenverzeichnis bereits vorgestellt. Trotz der vorhanden Beschreibung sei in weiteren Beiträgen auf einige Besonderheiten zusätzlich hingewiesen. Fortsetzung folgt.
Gruß Harald
Mundlos „Original Victoria“ Maschinen sind hier im Forum ja schon öfter erwähnt worden, vor allem von Dieter. Die von mir wieder gegen alle Vorsätze für 1€ erworbene, mit der Seriennummer 308304, wurde in Magdeburg-Neustadt etwa zwischen 1895-1905 gebaut, wenn man die fragmentarisch (nach Peter Wilhelm) bekannten Produktionszahlen von Mundlos & Co. seit 1875 vorsichtig hochrechnet.
Die Maschine wurde laut hinterem Schieber-Blech über den Händler „H. Schube Leipzig Peterstraße 23 (3 Könige) I/ Hof“ verkauft. Dieser Name findet sich auf vielen antiquarisch angebotenen Victoria-Maschinen. Schube muss also für Mundlos & Co. von Bedeutung gewesen sein. Auf einem Grundstücksteil des im ersten Weltkrieg in der Peterstraße erbauten, heute noch existenten Bürohauses, ehemaligen Schuh-Messehauses “Drei Könige” stand vor 1915 das Geschäfts- und Gasthaus “Zu den drei Königen”. Im Hinterhaus des alten Gasthauses hatte einer der Begründer der deutschen Sozialdemokratie, August Bebel, ab 1864 bis 1876 in einem ehemaligen Pferdestall seine Drechslerwerkstatt, und in der ersten Etage wohnte er mit seiner Frau Julie Bebel, ebenfalls eine leidenschaftliche Sozialistin. Leider ist ein Bild (Wikipedia) von der Hofeinfahrt im Jahre 1905 mit vielen Reklametafeln zu unscharf, um das Schild von „H. Schube“ zu erkennen. Das Nachfolgegebäude, der alte „Messepalast“ wird bei Stadtführungen Touristen als „Wirkungsstätte Bebels“ oft gezeigt, wie ich es selbst erlebt habe. Jedenfalls belegt die Händler-Gravur sicher, dass die Maschine vor 1915 verkauft wurde, denn dann wurde die Hinterhofwerkstatt samt Gasthaus abgerissen. Die Hausnummern wurden schon vor 1901 etwas verschoben, denn in einer Anzeige vom 07.09.1901 in der (sozialistischen!) Leipziger Volkszeitung gibt H. Schube die Peterstr. 34 an, was mit der des später gebauten Messepalastes „Drei Könige“ übereinstimmt. Schube „annonciert“ gebrauchte Singer-Nähmaschinen ab 15 Mark, die er wohl für Victoria-Maschinen in Zahlung genommen hatte! Das Anzeigendatum legt nahe, dass die Maschine sogar vor 1901 verkauft wurde. Möglicherweise war H. Schube irgendwann nach 1876 in Bebels Werkstatt eingezogen - alte Maschinen erzählen eben Geschichten!
Eine zeitgenössische Maschine dieses Typs mit etwas besser erhaltenem Dekor wurde von Frau Naumann im Nähmaschinenverzeichnis bereits vorgestellt. Trotz der vorhanden Beschreibung sei in weiteren Beiträgen auf einige Besonderheiten zusätzlich hingewiesen. Fortsetzung folgt.
Gruß Harald