Den billigen Drachen reiten - Ledernähmaschine aus dem Reich der Mitte
Verfasst: Freitag 31. Juli 2020, 12:04
Da ich ab und zu meine Lederhosen oder andere Dinge aus Leder zu ändern oder zum reparieren habe, suchte ich geraume Zeit nach einer erschwinglichen Ledernähmaschine. Sie sollte auch nicht zu viel Platz benötigen und preiswert sein. Eine Zwischenlösung war eine Toyota Fabriq 17, die aber schnell ihre Grenzen erreicht und nur relativ dünnes Garn nähen kann.
Die Angebote zu Ledernähmaschinen in der Bucht sind meist zu teuer oder desolaten Zustandes.
So erwarb ich in einem Anfall aus Abenteuerlust eine neue chinesische Ledernäh- /Flickschustermaschine für 103 Euronen in der Bucht. Die Erwartungen waren eher in Richtung „Schrott“ und „Bezahlung von Lehrgeld“ ausgerichtet.
Der Standort der Maschine sollte Hamburg sein, der Versand kostete ca. 7 Euro. Tatsächlich brachte DHL wirklich nach drei Tagen das Paket mit ca 12 Kg. Das Gerät war montiert, nur noch Kleinigkeiten anzubringen. Der beigefügte Ständer war jedoch so klapprig, dass ich einen Halter aus Holz selbst baute und die Maschine auf einem schmalen Tisch montierte. Zunächst muss man mit Schleifpapier und Feile entgraten und glätten, davon hielt der Hersteller wenig. Es ist gründlich zu ölen und mit Universalfett einzulassen.
Als Nähnadeln werden handelsübliche Flachkolbennadeln System 130/705 verwendet, beigefügt waren 10 Stck 110/16. Ich habe Ledernadeln bis Stärke 120/19 im Einsatz.
Es bedarf einer gewissen Einarbeitung, aber zu meiner Überraschung näht das Ding tatsächlich. Zwischenzeitlich habe ich eine einfache Art Anschlag gefertigt, damit die Naht halbwegs gerade wird (Foto). Lederhosen und auch Schuhe konnten bearbeitet werden, kräftiges Schustergarn ist verwendbar. Praktisch ist die 360 Grad Schwenkfähigkeit des Transportfußes.
Als Vorbild diente den Konstrukteuren wohl die Dürkopp Universal Elastik Nähmaschine mit dem 360 Grad drehbaren Transporteur, deren Technik und Qualität stark abgespeckt wurde. Der technische Stand wäre wohl so um 1910 einzuordnen.
Da mir das Handgekurbel nicht gefiel, habe ich in der Zwischenzeit einen einfachen Antrieb mit Fußpedal und einem E-Motor nachgerüstet. Eine Untersetzung war erforderlich, da sonst die Drehzahl zu hoch war. Leider kann ich werkzeugbedingt kein Metall verarbeiten, so dass Holz verwendet wurde mit primitiven Metalllagern.
Keilförmiger Antriebsriemen zu Rad 1, zwischen den Holzrädern jedoch ein Nylonstrumpf, der sich bewährt. Früher haben wir auch gerissene Keilriemen im Käfer mit Strümpfen geflickt, zur Heimfahrt reichte es immer.
Fazit:
Es war trotz anfänglicher Bedenken kein Fehlkauf. Eine gewisse praktische Begabung ist jedoch Grundvorraussetzung, den Chinadrachen reiten zu können. Außerdem sollten Sie nicht ölscheu sein.
Sollten Sie aber die Anfertigung feinster Lederwaren in Manufakturqualität planen, ist diese Maschine wohl eher ungeeignet
Die Angebote zu Ledernähmaschinen in der Bucht sind meist zu teuer oder desolaten Zustandes.
So erwarb ich in einem Anfall aus Abenteuerlust eine neue chinesische Ledernäh- /Flickschustermaschine für 103 Euronen in der Bucht. Die Erwartungen waren eher in Richtung „Schrott“ und „Bezahlung von Lehrgeld“ ausgerichtet.
Der Standort der Maschine sollte Hamburg sein, der Versand kostete ca. 7 Euro. Tatsächlich brachte DHL wirklich nach drei Tagen das Paket mit ca 12 Kg. Das Gerät war montiert, nur noch Kleinigkeiten anzubringen. Der beigefügte Ständer war jedoch so klapprig, dass ich einen Halter aus Holz selbst baute und die Maschine auf einem schmalen Tisch montierte. Zunächst muss man mit Schleifpapier und Feile entgraten und glätten, davon hielt der Hersteller wenig. Es ist gründlich zu ölen und mit Universalfett einzulassen.
Als Nähnadeln werden handelsübliche Flachkolbennadeln System 130/705 verwendet, beigefügt waren 10 Stck 110/16. Ich habe Ledernadeln bis Stärke 120/19 im Einsatz.
Es bedarf einer gewissen Einarbeitung, aber zu meiner Überraschung näht das Ding tatsächlich. Zwischenzeitlich habe ich eine einfache Art Anschlag gefertigt, damit die Naht halbwegs gerade wird (Foto). Lederhosen und auch Schuhe konnten bearbeitet werden, kräftiges Schustergarn ist verwendbar. Praktisch ist die 360 Grad Schwenkfähigkeit des Transportfußes.
Als Vorbild diente den Konstrukteuren wohl die Dürkopp Universal Elastik Nähmaschine mit dem 360 Grad drehbaren Transporteur, deren Technik und Qualität stark abgespeckt wurde. Der technische Stand wäre wohl so um 1910 einzuordnen.
Da mir das Handgekurbel nicht gefiel, habe ich in der Zwischenzeit einen einfachen Antrieb mit Fußpedal und einem E-Motor nachgerüstet. Eine Untersetzung war erforderlich, da sonst die Drehzahl zu hoch war. Leider kann ich werkzeugbedingt kein Metall verarbeiten, so dass Holz verwendet wurde mit primitiven Metalllagern.
Keilförmiger Antriebsriemen zu Rad 1, zwischen den Holzrädern jedoch ein Nylonstrumpf, der sich bewährt. Früher haben wir auch gerissene Keilriemen im Käfer mit Strümpfen geflickt, zur Heimfahrt reichte es immer.
Fazit:
Es war trotz anfänglicher Bedenken kein Fehlkauf. Eine gewisse praktische Begabung ist jedoch Grundvorraussetzung, den Chinadrachen reiten zu können. Außerdem sollten Sie nicht ölscheu sein.
Sollten Sie aber die Anfertigung feinster Lederwaren in Manufakturqualität planen, ist diese Maschine wohl eher ungeeignet