Seite 1 von 1

Alte Hengstenberg Langschiffchenmaschine, Nähprobe und Motor

Verfasst: Samstag 5. September 2015, 23:51
von Klaus aus A
Hallo Langschiffer und Interessierte,

jemand aus dem Forum hat mir ein paar Nadeln für meine beiden Langschiffchenmaschinen zukommen lassen und gebeten eine Nähprobe vorzuzeigen. (Ich nehme an, daß der Profi mich mit dem Spielzeug aufs Glatteis locken will)

Also nicht so ernst nehmen, denn das ist niemals eine alternative zu einer modernen oder erst recht nicht zu einer Profimaschine, aber ein wunderbares Spielzeug für weniger als die Nadeln dazu gekostet haben!

Die Maschinen habe ich im "Suche" 339-90 Nadeln schon mal gezeigt.

Hier einmal Nähbilder der schlechteren Maschine von beiden.
Es ist eine nicht identifizierbare "Bielefelder Nähmaschinen und Fahrradfabrik A.G." vormals Hengstenberg u. Co (später Anker)

Schlechter deswegen, weil:

- keine Kurbel mehr dran war. Die hat der Händler einzeln verkauft.
- der Fußdruck zwar einstellbar aber wegen einer unglücklichen Konstruktion zu schwach ist.
- der Abstand Stichplatte - Füßchen mit 5mm sehr klein ist, was die Anwendungen einschränkt.
- die Maschine anfänglich häufig Stiche ausgelassen hat

Die Nähprobe ist ein Stück zweilagiger Jeans, das ich in der Mitte zweimal umgeschlagen habe, sodaß sich ein Wulst mit 6
Lagen Jeans ergibt. Aus meiner Sicht ein typischer Fall beim Hosenkürzen. ( 8 Lagen wären auch kein Problem).
Interessant ist immer, ob die Maschine ohne Hilfe über den Wulst kommt und ob sie im Hohlraum am Anfang und Ende des Wulstes einen Stich auslasst. Ich habe mehrfach von beiden Seiten den Wulst überfahren, weil es einen Unterschied macht von welcher Seite man kommt.

Persöhnlich finde ich das Ergebnis beachtlich. Meine Karstadt Viktoria von 1975 (verm. Janome), die auch voll aus Metall
ist, kann das nicht!

Weiter habe ich ein paar, für meine Vorhaben typischen, Materialien als Proben auf den zweilagigen Jeansstoff genäht.
Meistens doppelt oder dreifach, sodaß ein Umschlag simuliert wird.

Das sind:

- 2 Lagen weiches Polsterleder
- 2 Lagen Kunstleder
- 3 LagenPVC Gewebe (Sporttaschen)
- 1.5mm Plastikschaum ??
- Samt mit 1 Lage Pappe darunter
- 1mm Gummimatte
- 3 Lagen Wachstuch
- 3 Lagen PVC Klarsichtfolie
- 4 Lagen Baumwolle mit 1 Lage Pappe darunter
- 2 lagen Stretchband (Hosenträger)

Alle Proben sind von verschiedenen Richtungen in einem Zug übernäht.
Das Garn ist ein 50er Amann Dominator (vermutlich schon historisch) und die Nadel ist eine 100er Schmetz.
Von Garnen habe ich noch wenig Ahnung. Mein Kurzwarenhändler hat auf die Bitte, mir die Angaben auf den Rollen zu erklären, gemeint, da müsste ich bei ihm einen 4 Wochen Lehrgang buchen.

Ich finde, daß Jeansstoff besonders leicht zu nähen ist.
Transportiert gut, kräuselt nicht, gleitet gut, dehnt und komprimiert sich kaum und macht eigendlich immer das beste Nahtbild.
Warum Jeansstoff immer als Herausforderung hingestellt wird ist mir unerklärlich.
Auch weiches Leder für Taschen und Polster geht eigentlich besser als manche Vorhangstoffe.

Bei dieser Maschine ist bei 3 mm Leder aber leider Ende, weil sich beim Herausziehen der Nadel der Fuß hebt und Stiche
ausgelassen werden.

Genäht habe im Schritttempo bei den Übergängen und mit geschätzten 200 Stichen dazwischen.
Als Motor habe ich einen kleinen, selbstgebauten, ungeregelten 24V DC- Motor ( Rucksackmotor kompatibel) verwendet mit dem ich bei niedrigen Touren mehr Drehmoment und damit mehr Kontrolle habe. Dafür musste ich aber die Riehmenabdeckung abnehmen. (ohne sieht die Maschine allerdings besch...eiden aus)

Der Motor schafft zusammen mit dieser Maschine gerade noch die gößeren Wülste ohne Hife oder mehr Gas.
Dazu trägt das, im Verhältnis große, Schwungrad wesentlich bei. Nur bei Leder nimmt die Umdrehungszahl etwas ab.
Der Motor ist kaum zu hören - kein Brumm und keine Vibrationen - da Gleichstrom. Man kann praktisch die Stiche hören.

Das ist alles Bastelkram! (der mir aber Freude bereitet)
Meine Frau, die meine Aktivitäten nicht immer nachvollziehen kann, stellt immer den Kostenaufwand zur Dauer, wie lange ich mich mit dem neuen Spielzeug beschäftige, ins Verhältnis. Das ist bei diesen Maschinen besonders günstig.

Jetzt Die Bilder!

Ich bitte nicht mit kritischen Kommentaren nicht zurückzuhalten!


Grüße

Klaus

Re: Alte Hengstenberg Langschiffchenmaschine, Nähprobe und M

Verfasst: Sonntag 6. September 2015, 00:05
von Elmar
Ich finde das Stichbild sauber und gut, kann ein Plastikbomber auch nicht Besser.

Deine Motor Konstruktion finde ich Äußerst geil.

Re: Alte Hengstenberg Langschiffchenmaschine, Nähprobe und M

Verfasst: Sonntag 6. September 2015, 00:36
von Klaus aus A
@Elmar,

leider habe ich (noch) keinen Vergleich zu einem Plastikbomber. Aber ich war schon mal Nahe dran mir eine defekte Privileg, computergesteuert, für 20 Euro zu holen. Ich hätte als Elektroniker vielleicht eine Chance.
Die Platikbomber sehe ich immer nur bei unserer Singervertretuung und Nähstube, weil da tagsüber Kurse für Hausfrauen und Kinder abgehalten werden. Der Sound (fast hätte ich eine Typ genannt), der aus den Maschinen kommt macht mir immer Angst. Aber nähen tun die!

Den Motor habe ich mal gezeigt, weil in einem anderen Thread jemand einen ganz ähnlichen Motor, allerdings mit Getriebe, vorgestellt hat. Das Mitglied ist aber offensichtlich nicht mehr aktiv. Ich wollte mal sehen ob es Irgendwelche Reaktionen darauf gibt. Wenn das so wäre würde ich die ganze Geschichte dazu erzählen zusammen mit seiner Vorgängerlösung. Alles auf Bastler Ebene.


Danke für aufrichtenden Worte!

Grüße

Klaus

P.S.:
Demnächst schreibe ich den ersten Beitrag zu den "Nähmöbeln" - wenn du mich lässt.
Und zwar, was man macht wenn man keinen Platz für Nähmöbel hat und stattdessen kleine Hölzkästen unter die Maschine bauen muß.

Re: Alte Hengstenberg Langschiffchenmaschine, Nähprobe und M

Verfasst: Sonntag 6. September 2015, 00:42
von Elmar
Immer her mit Berichten, ich benötige eigentlich gerade 3 bis 4 Servomotoren.
Bin mir aber noch nicht schlüssig welche, weil kosten die ein Paar Euros und dann will ich kein Müll kaufen.

Des weiteren kann ich auch nicht so viel Geld auf einmal ausgeben, somit bin ich auch immer an günstigen Lösungen interessiert.

Tobe dich gern mit Möbeln oder Kisten aus.

Ich ziehe immer aus anderen Ideen, Anregungen für eigenes heraus.

Re: Alte Hengstenberg Langschiffchenmaschine, Nähprobe und M

Verfasst: Sonntag 6. September 2015, 07:17
von adler104
Da kann mich Elmar nur anschließen, sieht soweit doch alles gut aus.
Deine Motorisierung finde ich auch spannend, kannst Du das ein wenig ausführen? Ich bin leider Elektronik Laie aber immer interessiert an guten Lösungen.

Was ist denn das für ein Motor und wo gibts den? Scheint ja einer mit Kohlebürsten zu sein. smile

Re: Alte Hengstenberg Langschiffchenmaschine, Nähprobe und M

Verfasst: Sonntag 6. September 2015, 07:39
von adler104
@ Elmar

Welcher der bessere oder schlechtere ist ist immer schwierig zu sagen, für meine Zwecke reichen die JACK Servos von College Sewing in GB absolut aus und ich bin sehr zufrieden. HoHsing oder EFKA Motoren sind sicher besser, kosten aber auch gleich viel viel mehr.

Die Jack´s funktionieren bisher problemlos, ich kann lediglich die Nadelpositionierung nicht verwenden, das ich Speed Reducer / Vorgelege benutze und das haut zusammen wohl nicht hin (musste ich selbst raus finden). Macht aber nichts, da ich eh langsam Nähe und sehen kann wo die Nadel stoppt. Den 2. Motor habe ich ohne NP gekauft. Ich habe 2x die 750 Watt Variante, wobei für meine Singer 111 und 307G2 die 550 Watt sicher gereicht hätten aber bigger is better (machmal). wink

Re: Alte Hengstenberg Langschiffchenmaschine, Nähprobe und M

Verfasst: Sonntag 6. September 2015, 13:15
von dieter kohl
adler104 hat geschrieben:Da kann mich Elmar nur anschließen, sieht soweit doch alles gut aus.
Deine Motorisierung finde ich auch spannend, kannst Du das ein wenig ausführen? Ich bin leider Elektronik Laie aber immer interessiert an guten Lösungen.

Was ist denn das für ein Motor und wo gibts den? Scheint ja einer mit Kohlebürsten zu sein. smile
serv

diese Lösung find ich auch gut

nähere Daten und Schaltbilder wären Klasse

Re: Alte Hengstenberg Langschiffchenmaschine, Nähprobe und M

Verfasst: Sonntag 6. September 2015, 16:23
von Elmar
wobei für meine Singer 111 und 307G2 die 550 Watt sicher gereicht hätten aber bigger is better (machmal). wink
Wegen 15 € unterschied würde ich nicht auf 200W verzichten.

Meine Carrera Jungs haben mal Labornetzteile geordert, 2 X 0 - 30V und 2 X 0 - 3 A.

Wie ich sagte ich nehme Das mit 2 X 5A meinten sie, das braucht man nicht.

Ich dachte mir nur , ich mache auch anderes wo ich eventuell mal mehr Ampere brauche, und da werde ich wegen 5,- € Aufpreis nicht drauf verzichten.

Ganz dem Motto, kann den Leistung Sünde sein ? biggrin biggrin