DC-Motor Selbstbau für Schwingschiff - Maschinen
Verfasst: Donnerstag 10. September 2015, 01:35
Hallo Lang- und Schwingschiffer
Hier möchte ich meinen selbst gebastelten "Rucksackmotor" zeigen.
Die Lösung ist weit weg von professionellen Lösungen und dient nur dazu gelegentlich historische Maschinchen adäquat anzutreiben, damit sie zeigen was sie können.
An Schwingschiffchen- und Langschiffchen Maschinen laufen meiner Erfahrung nach die 230V AC Nachrüstmotoren nicht befriedigend. Vor allen sind sie zu schnell, haben zu wenig Durchzug und lassen sich schlecht kontrollieren.
Aus einem anderen Hobbybereich kannte ich DC-Motoren, die bei etwa gleicher Größe viel mehr Drehmoment bei niedrigen Touren bringen und bei sehr niedrigen Spannungen anlaufen. Darüber hinaus ist die Stromaufnahme erstaunlich gering und sie sind leise. Die Motoren drehen unbelastet nicht unkontrolliert hoch und hängen gut am Gas.
D.h. die Drehzahl ist proportional zur Betriebsspannung.
Motor:
Der Motor ist ein professioneller DC-Motor mit Permanentmagneten. Die Motoren werden manchmal als Servomotoren bezeichnet, obwohl sie erst zu Servomotoren werden, wenn ein Sensor dran ist und eine Elektronik vorhanden ist die einen Soll - ist Vergleich macht und nachsteuert.
Ich habe den hinteren Achsausgang mit der Schlitzscheibe und der Gabellichtschranke abgesägt,
weil ich festgestellt habe, daß eine Regelung nicht erforderlich ist.
Damit bleibt eine gewisse Lastabhängigkeit, die ich aber als angenehm empfinde, weil ich damit immernoch etwas Feedback bekomme wenn der Motor sich anstrengt.
Bei einem echten Servomotor würde automatisch nachgeregelt bis zum Anschlag.
Mein Motor ist vom Flohmarkt und hat 3,50 Euro gekostet. Er ist vermutlich aus einem "Digital" Computerbandlaufwerk.
Leider kosten vergleichbare Motoren bei Ebay meistens über 30 Euro (Dunker, Bühler ...) 100 Euro sind nicht selten.
Ich messe folgende groben Daten:
Durchmesser: 58 mm
Länge ohne Achse: 121 mm
Stromaufnahme im Leerlauf bei 24V: 130mA !!!
Stromaufnahme unter Volllast bei 24V: ca 2.5A
Stromaufnahme, Blockiert bei 5V: ca 1A
Stromaufnahme, Blockiert bei 24V: ca 5A
Anlaufspannung: ca 2V (ab 5V reicht das Drehmoment zum Nähen)
Motorhalterung:
als Referenz diente eine TUR2 Halterung. Die Halterung wurde etwas großzügiger aus einem 4 mm Alublech geschnitten.
In diesem Fall mit der Hand und einer Ständerbohrmaschine bearbeitet . (Das geht auch, wenn man Zeit hat)
Der Alu - Ausleger dient gleichzeitig als Befestigung und Kühlkörper für den Transistor. Die Kühlung ist aber im normalen Betrieb kaum notwendig, da der Motor vergleichsweise extrem wenig Strom aufnimmt. Nur für den Fall, daß die Maschine längere Zeit blockiert
Netzteil:
Der Strombedarf liegt bei Vollast (der in der Praxis nicht vorkommt) bei 2.5 A.
Damit sind Laptop - Netzteile besonders gut geeignet, kosten nichts oder liegen überall herum.
Praktisch jedes Netzteil, das min. 3 A bringt eignet sich.
Für die Schwingschiffchenmaschinen sind 24V sogar schon etwas reichlich.
Ich habe ein Universal- Laptopnetzteil von Hama verwendet (12V bis 24V in 1V Stufen, 5A).
Eine günstige Einstellung bei Schwingschiffchen liegt bei 12 bis 18 V.
24 V reichen um eine Maschine mit CB Greifer anzutreiben.
Für Schnellnäher ist diese Lösung zu langsam.
Anlasser:
Der Anlasser muß einen echten Widerstandssteller haben. Elektronische gehen gar nicht.
Kohleplättchen gehen sehr schlecht, weil die Spannung zu gering ist. (führt hier zu weit)
Die Hälfte aller alten Anlasser haben einen gewickelten Widerstand und eignen sich damit im Prinzip.
Wenn aber schon der Aufwand getrieben wird sollte der Anlasser feinfühlig und gleichmäßig über den ganzen Bereich arbeiten. Das machen wiederum aus meiner Erfahrung nur wenige gut.
Ich habe den viel gescholtenen YDK verwendet - der ist nämlich besser als sein Ruf.
Ebenfalls gut reagiert der helle rechteckige von Pfaff (aber leider eine ergonomische Fehlkonstruktion) und ein älterer hellgrauer, pedalförmiger aus Blech von Pfaff (mein Lieblingsanlasser)
Die Anlasser haben einen Anfangswiderstand von 500 bis 1000 Ohm.
Schaltbild:
Das Schaltbild ist extrem einfach, sonst würde ich es nicht vorstellen.
Es besteht lediglich aus einem Leistungstransistor und einem 15 bis 22 Ohm Widerstand.
Der Transistor ist einer der gängigsten Typen. Es geht aber wahrscheinlich mit jedem anderen NPN -Transistor der mit 10A spezifiziert ist. Ich habe genommen was beim Rütteln der Bastelkiste nach oben kam.
Für Sicherheitsfanatiker habe ich eine Sicherung eingezeichnet. Eine selbstrückstellende "Polyfuse". (wie früher beim Märklin - Trafo). Das Laptop - Netzteil hat aber bereits eine Strombegrenzung und i.d.R. eine thermische Abschaltung.
Wenn man am Netzteil nicht herummodifiziert, was ich strengstens empfehle (nicht mal am Stecker), ist die ganze Anordnung von der elektrischen Seite völlig ungefährlich und unkritisch.
Schlussbemerkung:
Die Schaltung ist in einer halben Stunde provisorisch aufgebaut: Ein Transistor an dem direkt der 15 Ohm Widerstand an-gelötet wird. Der Rest besteht daraus einen Ausleger anzufertigen oder einen der herumliegt mit passenden Bohrungen für den Motor zu versehen. Der schwierigste Punkt könnte sein eine Riemenrolle auf die Motorachse anzupassen. Das habe ich auf der Drehbank in 3 Min.gemacht.
Der Rest sind Kabel.
Nachdem ich mein Provisorium ein paar Tage benutzt habe und nicht mehr drauf verzichten konnte, habe ich ihm noch etwas Kosmetik zukommen lassen (Stecker, Kabel, Lack)
Es gibt schon eine Variante mit Motorbremse. Da sind zwei Transistoren und ein Relais drin.
Bitte nicht mit respektloser Kritik sparen!
Jetzt Bilder:
Hier möchte ich meinen selbst gebastelten "Rucksackmotor" zeigen.
Die Lösung ist weit weg von professionellen Lösungen und dient nur dazu gelegentlich historische Maschinchen adäquat anzutreiben, damit sie zeigen was sie können.
An Schwingschiffchen- und Langschiffchen Maschinen laufen meiner Erfahrung nach die 230V AC Nachrüstmotoren nicht befriedigend. Vor allen sind sie zu schnell, haben zu wenig Durchzug und lassen sich schlecht kontrollieren.
Aus einem anderen Hobbybereich kannte ich DC-Motoren, die bei etwa gleicher Größe viel mehr Drehmoment bei niedrigen Touren bringen und bei sehr niedrigen Spannungen anlaufen. Darüber hinaus ist die Stromaufnahme erstaunlich gering und sie sind leise. Die Motoren drehen unbelastet nicht unkontrolliert hoch und hängen gut am Gas.
D.h. die Drehzahl ist proportional zur Betriebsspannung.
Motor:
Der Motor ist ein professioneller DC-Motor mit Permanentmagneten. Die Motoren werden manchmal als Servomotoren bezeichnet, obwohl sie erst zu Servomotoren werden, wenn ein Sensor dran ist und eine Elektronik vorhanden ist die einen Soll - ist Vergleich macht und nachsteuert.
Ich habe den hinteren Achsausgang mit der Schlitzscheibe und der Gabellichtschranke abgesägt,
weil ich festgestellt habe, daß eine Regelung nicht erforderlich ist.
Damit bleibt eine gewisse Lastabhängigkeit, die ich aber als angenehm empfinde, weil ich damit immernoch etwas Feedback bekomme wenn der Motor sich anstrengt.
Bei einem echten Servomotor würde automatisch nachgeregelt bis zum Anschlag.
Mein Motor ist vom Flohmarkt und hat 3,50 Euro gekostet. Er ist vermutlich aus einem "Digital" Computerbandlaufwerk.
Leider kosten vergleichbare Motoren bei Ebay meistens über 30 Euro (Dunker, Bühler ...) 100 Euro sind nicht selten.
Ich messe folgende groben Daten:
Durchmesser: 58 mm
Länge ohne Achse: 121 mm
Stromaufnahme im Leerlauf bei 24V: 130mA !!!
Stromaufnahme unter Volllast bei 24V: ca 2.5A
Stromaufnahme, Blockiert bei 5V: ca 1A
Stromaufnahme, Blockiert bei 24V: ca 5A
Anlaufspannung: ca 2V (ab 5V reicht das Drehmoment zum Nähen)
Motorhalterung:
als Referenz diente eine TUR2 Halterung. Die Halterung wurde etwas großzügiger aus einem 4 mm Alublech geschnitten.
In diesem Fall mit der Hand und einer Ständerbohrmaschine bearbeitet . (Das geht auch, wenn man Zeit hat)
Der Alu - Ausleger dient gleichzeitig als Befestigung und Kühlkörper für den Transistor. Die Kühlung ist aber im normalen Betrieb kaum notwendig, da der Motor vergleichsweise extrem wenig Strom aufnimmt. Nur für den Fall, daß die Maschine längere Zeit blockiert
Netzteil:
Der Strombedarf liegt bei Vollast (der in der Praxis nicht vorkommt) bei 2.5 A.
Damit sind Laptop - Netzteile besonders gut geeignet, kosten nichts oder liegen überall herum.
Praktisch jedes Netzteil, das min. 3 A bringt eignet sich.
Für die Schwingschiffchenmaschinen sind 24V sogar schon etwas reichlich.
Ich habe ein Universal- Laptopnetzteil von Hama verwendet (12V bis 24V in 1V Stufen, 5A).
Eine günstige Einstellung bei Schwingschiffchen liegt bei 12 bis 18 V.
24 V reichen um eine Maschine mit CB Greifer anzutreiben.
Für Schnellnäher ist diese Lösung zu langsam.
Anlasser:
Der Anlasser muß einen echten Widerstandssteller haben. Elektronische gehen gar nicht.
Kohleplättchen gehen sehr schlecht, weil die Spannung zu gering ist. (führt hier zu weit)
Die Hälfte aller alten Anlasser haben einen gewickelten Widerstand und eignen sich damit im Prinzip.
Wenn aber schon der Aufwand getrieben wird sollte der Anlasser feinfühlig und gleichmäßig über den ganzen Bereich arbeiten. Das machen wiederum aus meiner Erfahrung nur wenige gut.
Ich habe den viel gescholtenen YDK verwendet - der ist nämlich besser als sein Ruf.
Ebenfalls gut reagiert der helle rechteckige von Pfaff (aber leider eine ergonomische Fehlkonstruktion) und ein älterer hellgrauer, pedalförmiger aus Blech von Pfaff (mein Lieblingsanlasser)
Die Anlasser haben einen Anfangswiderstand von 500 bis 1000 Ohm.
Schaltbild:
Das Schaltbild ist extrem einfach, sonst würde ich es nicht vorstellen.
Es besteht lediglich aus einem Leistungstransistor und einem 15 bis 22 Ohm Widerstand.
Der Transistor ist einer der gängigsten Typen. Es geht aber wahrscheinlich mit jedem anderen NPN -Transistor der mit 10A spezifiziert ist. Ich habe genommen was beim Rütteln der Bastelkiste nach oben kam.
Für Sicherheitsfanatiker habe ich eine Sicherung eingezeichnet. Eine selbstrückstellende "Polyfuse". (wie früher beim Märklin - Trafo). Das Laptop - Netzteil hat aber bereits eine Strombegrenzung und i.d.R. eine thermische Abschaltung.
Wenn man am Netzteil nicht herummodifiziert, was ich strengstens empfehle (nicht mal am Stecker), ist die ganze Anordnung von der elektrischen Seite völlig ungefährlich und unkritisch.
Schlussbemerkung:
Die Schaltung ist in einer halben Stunde provisorisch aufgebaut: Ein Transistor an dem direkt der 15 Ohm Widerstand an-gelötet wird. Der Rest besteht daraus einen Ausleger anzufertigen oder einen der herumliegt mit passenden Bohrungen für den Motor zu versehen. Der schwierigste Punkt könnte sein eine Riemenrolle auf die Motorachse anzupassen. Das habe ich auf der Drehbank in 3 Min.gemacht.
Der Rest sind Kabel.
Nachdem ich mein Provisorium ein paar Tage benutzt habe und nicht mehr drauf verzichten konnte, habe ich ihm noch etwas Kosmetik zukommen lassen (Stecker, Kabel, Lack)
Es gibt schon eine Variante mit Motorbremse. Da sind zwei Transistoren und ein Relais drin.
Bitte nicht mit respektloser Kritik sparen!
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