Gritzner Bogenschiffmaschine

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Ramses
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Re: Gritzner Bogenschiffmaschine

#21 Beitrag von Ramses »

Achso!
Dann nehme ich natürlich das von mir Gesagte zurück!
Aber wie auch erwähnt, ich habe noch keine Maschine mit langem Schiffchen, daß die Nadelstange durch eine Kurvenscheibe gesteuert wird, hatte ich noch nicht.

Bei den alten "Ladies" lerne ich wirklich noch eine ganze Menge dazu!

Fietsenfahrer
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Re: Gritzner Bogenschiffmaschine

#22 Beitrag von Fietsenfahrer »

Ich hab das für euch mal bei der Pfaff 11 und der Pfaff L gefilmt, dort ist die doppelte Absenkung der Nadelstange auch gut zu sehen. Ich finde, das macht den Charme dieser Maschinen aus. Die Geräusche, das rhythmische Klackern mag ich total. An meiner Pfaff 11 hab ich eine Handkurbel und manchmal drehe ich sie ein paar Umdrehungen, weil ich das Klackern so mag. rolleyes

https://youtube.com/shorts/izmz7QtVfks? ... rUnPaOYztd
viele Grüße, Jens

rubberduck

Re: Gritzner Bogenschiffmaschine

#23 Beitrag von rubberduck »

Hallo Leute,


da ich Besitzer der Nähmaschine bin und auch die Bilder und das Videos erstellt habe, darf ich bestimmt folgendes sagen:

Sie näht zwar gut nach vielen Stunden Aufwendung, bleibt aber doch nur "einen Haufen Schrott", den keiner haben will: Sie sieht nicht mal schön aus!

Wie seht ihr das?!

Würde irgend jemand von euch "Dreistellig" dafür ausgeben?!

Wahrscheinlich erzielt man als "Stahlschrott pro Kilo" den höchstmöglichen Preis für solche Maschine.


Grüsse.

claude
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Re: Gritzner Bogenschiffmaschine

#24 Beitrag von claude »

Nein, ein Bogenschiffchen aufwendig aufzuarbeiten, um es dann gewinnbringend zu verkaufen, funktioniert nicht.

Diese Maschine ist ein historisches Artefakt, das als Bonus ziemlich gut geradeaus näht.

Möchte man diese Maschine heutzutage als Alltagsmaschine nutzen?
Hell, no!, außer man ist auf einer Zeitreise in die Vergangenheit und legt Wert auf zeitgenössisches Werkzeug, wie etwa Bernadette Banner auf Ihrem YT-Kanal.

Deine Maschine hat mal richtig Geld gekostet, aber dann sind gut hundert Jahre Entwicklung passiert.

Wobei die Haushalts-Nähmaschinen-Entwicklung irgendwo Ende der Sechziger ihren Zenith erreicht hat, je nach Marke sind dann mehr und mehr Maschinen mit mehr Plastik und technisch unterlegenen Lösungen entstanden. Von da an gings bergab, bei Pfaff mit dem Ende der 262/362-Baureihe. Reibrad-Motoren, SRSLY?

Bis heute beste, alltagstaugliche Maschinen sind mindestens über 50, teilweise an die 90 Jahre alt: Pfaffen 130-362, Saalfeld Vollmetall-Zickzack etc.
Trotzdem stecken die die ganzen Plastebomber mit unendlich vielen Stichen und Buchstabenstickfunktionen mit zum Teil obszön hohen Preisen in den Disziplinen Nähgeräusch, Verlässlichkeit, Reparatur- und Wartungsfreundlichkeit und Lebensdauer mit Geradstich und Zickzack dreimal in die Tasche.

Wenn die hochinteressante, persönliche Geschichte von Max Carl Gritzner (siehe dazu die Autobiographie, vom Revolutionär zum Fabrikeigentümer) und die für ihre Zeit überlegene Technik der Maschine Dir nicht genug sind, dann finde jemanden, der das zu schätzen weiß und schenk sie ihm.

Erhaltenswerte, unmotorisierte Nähmaschinen verschwinden mit atemberaubender Geschwindigkeit auf Wertstoffhöfen und bei Schrotthändlern.
Alle werden wir nicht retten können, aber es sind faszinierende technologische Zeitzeugen, von denen wir gerne einige Exemplare auch außerhalb von Museen in die Zukunft mitnehmen möchten.

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Ostrod
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Re: Gritzner Bogenschiffmaschine

#25 Beitrag von Ostrod »

rubberduck hat geschrieben: Donnerstag 4. Juli 2024, 00:41 Würde irgend jemand von euch "Dreistellig" dafür ausgeben?!
Mir müsstest Du dreistellig dafür geben, daß ich das lagern würde. biggrin

Ich denke, Du gehst daran, wie an alte Autos. Bei manchen Maschinen mag das zutreffen. Das sind nach meinem Wissen und für mich persönlich auch nicht wirklich nachvollziehbar, nur ganz wenige.
In der Liga mitspielen zu können, würde wohl sehr spezielles Wissen voraussetzen, vom Geld und Glück mal ganz zu schweigen.

Gruß, Lukas
Geist ist geil!

Ramses
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Re: Gritzner Bogenschiffmaschine

#26 Beitrag von Ramses »

claude hat geschrieben: Donnerstag 4. Juli 2024, 01:17 Möchte man diese Maschine heutzutage als Alltagsmaschine nutzen?
Hell, no!, außer man ist auf einer Zeitreise in die Vergangenheit und legt Wert auf zeitgenössisches Werkzeug, wie etwa Bernadette Banner auf Ihrem YT-Kanal.
Warum?

Meine Frage hat einen Hintergrund!

Die Chinesen produzieren Ersatzteile für solche "Odtimer" offenbar immer noch!

Man kann sich vielleicht meine Verblüffung vorstellen, als ich bei AliExpress sowohl diese langen Spulen, als auch die Schiffchen (man frage mich bitte nicht, ob Langschiff- oder Bogenschwingkapseln, da hatte ich noch nicht das geringste Interesse dafür) fnden konnte.
Und das, obwohl ich lesen konnte, daß man solche Spulen nur noch aus Lagerbeständen (u.a. bei eBay) für 5 € das Stück bekommen könnte.
Wenn in China soetwas immer noch produziert wird, so ist das in meinen Augen ein klares Indiz dafür, daß solch Gerät immer noch verwendet wird und sicher nicht nur aus Spaß an der Freud.
Man findet dort auch noch die spiegelverkehrten CB Greifer Kapseln nebst Greifer!
Offenbar sind zumindest Singer 15 D88 noch massenweise im Einsatz!

Es ist sicher richtig, daß hierzulande solche Maschinen nicht beachtet werden oder nur von Enthusiaisten.
Daraus sollte man aber keineswegs auf den Rest der Welt schließen!

claude
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Re: Gritzner Bogenschiffmaschine

#27 Beitrag von claude »

Da hast Du vollkommen recht, ich bezog mich mit meiner Einschätzung auf Industriestaaten.

In weniger entwickelten Ländern, in denen auch die Sache mit dem Strom oft schwierig ist, werden solche unkaputtbaren Maschinen nach wie vor gern verwendet, daher auch die Ersatzteil-Verfügbarkeit.

Hier im Forum gab es auch schon mindestens eine Aktion, bei der ein kompletter Seecontainer voll mit unmotorisierten, gebrauchten Nähmaschinen nach Afrika exportiert wurde.

Auch werden Klassiker wie die Pfaff 130 beispielsweise in Indien immer noch nachgebaut, wenn auch wohl nicht mit den engen Toleranzen wie in Kaiserslautern, dafür aber mit mehr Deko ;-)

Ramses
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Re: Gritzner Bogenschiffmaschine

#28 Beitrag von Ramses »

claude hat geschrieben: Freitag 5. Juli 2024, 17:39 Hier im Forum gab es auch schon mindestens eine Aktion, bei der ein kompletter Seecontainer voll mit unmotorisierten, gebrauchten Nähmaschinen nach Afrika exportiert wurde.
Und am Ende haben sie dann hochwertigere Klamotten als wir!
Um des Profits wegen sind oft ausgerechnet die Nähte der eingeführten Kleidungsstücke mangelhaft.

Wie heißt es immer so schön?

"Billigkram kann ich mir nicht leisten!"

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Re: Gritzner Bogenschiffmaschine

#29 Beitrag von Ostrod »

Ramses hat geschrieben: Freitag 5. Juli 2024, 21:24 Um des Profits wegen sind oft ausgerechnet die Nähte der eingeführten Kleidungsstücke mangelhaft.
Naja, nicht im Ausland genähte Bekleidung dürfte eher selten sein.
Mit den Maschinen dürfte das auch wenig zu tun haben, da die nicht sehr teuer sind und ständiges Gebastel an unterschiedlichen Maschinen wenig profitabel ist. Vom Stillstand ganz zu schweigen.
Eher dürfte es meist so sein, daß der billigste Anbieter den Auftrag bekommt und der dann z.B. am Garn spart.
Mängel an der Näharbeit oder der Nahtqualität wird man eher selten finden.

Gruß, Lukas
Geist ist geil!

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Re: Gritzner Bogenschiffmaschine

#30 Beitrag von claude »

Exakt.
Die alten Maschinen mit Fußbetrieb in Afrika produzieren, reparieren und ändern in kleinen Muckelbuden für den lokalen Markt.

Fast fashion in fragwürdiger Qualität wird in großen sweatshops voller Industrie-Schnellnäher zusammengehudelt ;-)

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