sputnik hat geschrieben: ↑Mittwoch 28. August 2024, 14:35
.... und dann kommt eine Freundin und fragt ob ich ihr mal zeigen könnte wie man diesen Vorhang auf ihrer Maschine näht ...
Als der kleine Lukas im zweiten Lehrjahr war konnte er lernen, wie mans nicht macht. Das war im Berliner Metropoltheater. Die Bahnen für den Horizont (Endmaß etwa 10m x 15m) wurden zugeschnitten. Dann mussten sich zwei Mann hinstellen und jeweils die Enden zweier Bahnen so halten, daß sie gleiche Spannung hatten, damit die Näherin dann ihre hunderte Stecknadeln stecken konnte, um dann da drübernähen zu können.
Für mich war das eine Art Folter, da stundenlang stoffhaltend rumstehen zu müssen.
Etwas später saß ich dann im Berliner Kindertheater ganz allein vor der Problematik. Anfangs hab ich mir alle Meter einen Strich gemalt und dann freihand genäht und mich immer gefreut, wenn die Striche sich trafen. Nach einigen Kilometern Naht konnte ich dann gänzlich auf die Striche verzichten und freute mich nur noch, wie ich nach 10m Naht beide gleichlange Bahnen auch am Ende treffend vernäht hatte.
Ganz genauso funktionierte das bei Säumen und Taschen (große Säume).
Besonders erfreut war ich, als ich letztes Jahr, nach bald 30 Jahren, hier einen Job im Theater hatte und das sofort wieder abrufen konnte.
Die Art der Maschine hat nur einen Einfluß auf die "Endgeschwindigkeit". Machen kann man das auf jeder.
Mein Lehrmeister dort im Metropol hat mich angemault, als ich schnell sein wollte. Er sagte: Sie sind hier, etwas zu lernen! Die Schnelligkeit und das Pfuschen kommt später von ganz allein.
Ich bin dem Mann noch heute sehr dankbar.
Also, lieber Sputnik, sag der Freundin, daß sie sich das Zeug nach belieben heften und dann in ihrer Geschwindigkeit drübernähen soll, nachdem sie zuvor das Geradeausnähen ausreichend geübt hat.
Gruß, Lukas