Obwohl ‚gebranntes Kind’ (s.u.), konnte ich an diesem, eher zufällig gefundenen Schnäppchen, einer ‚Bernina 125 S’, nicht vorbeigehen, zumal das Zubehör fast komplett dabei war. Neben dem Preis und der Tatsache, dass sie nur ca. 6 km entfernt stand, hat mich v.a. der Kniehebel fasziniert.

Die Maschine hat zwar ein paar Lackschäden und ist verharzt (vgl. Fotos – WD 40 ist ‚on’, Fön liegt daneben, Spiritusflasche ist in Reichweite!), aber sie produziert, zwar z.Z. noch schwergängig, dennoch bereits gute Nähte.
Laut der ca. 60-jährigen Verkäuferin gehörte die Maschine ihrer Oma. Sie selbst kann nicht nähen und ob ihre Mutter die Maschine je benutzt hat, habe ich vergessen zu fragen. D.h., die Maschine könnte evtl. mehrere Jahrzehnte nur gestanden haben.
Mein Eindruck von der Maschine ist sehr positiv: Eine bzgl. der Konstruktion, der Bedienerfreundlichkeit und der Zugänglichkeit zur Mechanik extrem durchdachte und sehr kompakte Maschine für Anfang der 50er Jahre! Etliche ‚Features’ wurden bei anderen Fabrikaten erst sehr viel später in Anwendung gebracht.
Es gibt eine hochklappbare Platte oben auf dem Arm für den Zugriff auf die Hauptmechanik, eine abschraubbare Platte unterhalb des Arms für den Mittelteil der Welle. Links ist der Zugang zum Fadenhebel, Nählicht etc. per abklappbarer Abdeckung möglich. Die Abdeckung des Freiarms, damit die Säuberung, Ölung, ist mit einem Druck auf einen entsprechenden Hebel entfernbar, ebenso wie die Stichplatte, die nur mit einem Klick eingerastet wird.
Ein bzgl. der Abmessungen komfortabler Anschiebetisch und aufsteckbare Zubehörfächer werden mit der Maschine in einem kompakten Koffer verstaut, so dass sie, obwohl schon schwergewichtig, allerdings auch wirklich ‚portabel’ ist. Die könnte man auch heute noch problemlos zu Nähtreffs, in den Urlaub o.ä. außer Haus mitnehmen.
Mit dem Kniehebel bin ich – trotz Skepsis vorab – auf Anhieb sehr gut klar gekommen: Aufgrund ihrer kompakten Abmessungen ist das eine Maschine, die man, z.B., um eine aufgerissene Naht schnell zu reparieren, mit einem Griff aus dem Koffer oder Schrank holt und die sofort nähbereit ist (ohne das übliche ‚Getüddel’ mit Anlasser und Anlasserkabeln bei sonstigen Haushaltsmaschinen! Wobei ich jetzt mal aus der ‚Normalo-Perspektive’ urteile, nicht aus derjenigen, die eh diverse Maschinen rumstehen hat…). Fazit: Ein wirklich ganz tolles Maschinchen!
Hintergrund ‚gebranntes Kind’: Ich habe mal eine neuere ‚Bernina’ bei Ebay ersteigert, die (was nicht im Angebot ausgewiesen war) ohne jegliches Zubehör (Füßchen, Spulenkapsel, Spulen) kam und hatte mir deshalb eigentlich geschworen: ‚Nie wieder ‚Bernina’!
Denn, wie Twassbrake schon in einem anderen Thread erwähnte: Eine ‚Bernina’ ohne Zubehör ist ein ‚Fass ohne Boden’, da kann man noch mal ungefähr den gleichen Betrag für den Erwerb des Zubehörs veranschlagen, da z.B. die Füßchen weder kompatibel innerhalb der ‚Bernina’ Produktlinien unterschiedlichen Alters noch mit anderen Fabrikaten sind (anders als bei Pfaff). Ein Nähfuß kostet gebraucht noch um die 15 – 25 €, Neupreise liegen dann in Bereichen von 30 € plus…
Das hat mich sehr gegen diese Marke eingenommen, obwohl ich natürlich weiß, dass das Unternehmen damit sehr früh clever Vermarktungsstrategien in Anwendung gebracht hat, die heute gang und gebe sind (man denke an ‚Apple’, Drucker- und Druckerpatronenhersteller etc.).
Gruß
Karin