ich schaffe ja nicht mehr viel bezüglich Nähmaschinen. Jedenfalls nicht mehr, was die eigenen betrifft. Aber beim Repair-Café bin ich noch regelmäßig – zusammen mit einem echten Nähmaschinen-Mechaniker bilden wir in Wiesmoor ein echt gutes Team. Ich bekomme manchmal sogar Maschinen in meinem Hauptberuf als Reporterin bei meinen Terminen in die Hand gedrückt. Bisher hat sich noch niemand beschwert.
Dann war der liebe Joachim letztes Mal nicht da – und eine Dame brachte ihre von ihm reparierte Maschine erneut vorbei. Gleiches Problem wie vorher: Quietschen und Schwergang. Als ich ihr sagte, ich würde mich drum kümmern, war sie mehr als skeptisch. Dann kam eine Frage, die sich noch niemand der männlichen Reparateure anhören musste: "Haben Sie dafür überhaupt eine Qualifikation?"
Immerhin: Sie sind nicht geflüchtet, als ich sagte, ich sei Ingenieurin, allerdings nicht für Nähmaschinen.
Der Blick, nachdem ich die Fäden aus der Mechanik gezogen hatte und wegen noch immer bestehenden Schwergangs einen Kollegen gebeten habe, einen Föhn von Zuhause zu holen. Unbezahlbar. Pure Panik im Blick der Frau. Man muss wissen: Die Maschine ist ein altes Pfaff 262 Schlachtross.
Wie sie mich behandelt hat, knabberte schon ordentlich an mir. Aber was solls. Trotzdem bekam ihre Maschine Liebe und Wärme - und siehe da: Sie schnurrte wieder wie ein Kätzchen. Demnächst kann sich die Besitzerin der Maschine selbst helfen – einen Föhn hat sie zu Hause.

