Hat jemand Erfahrungen mit Industrie Frequenzumrichtern

Alles über Antriebstechnik, Elektroarbeiten, Probleme beim Anschluss eines Motors.
Nachricht
Autor
TOM_MUE
Edelschrauber
Edelschrauber
Beiträge: 506
Registriert: Sonntag 13. September 2020, 13:57

Re: Hat jemand Erfahrungen mit Industrie Frequenzumrichtern

#21 Beitrag von TOM_MUE »

sputnik hat geschrieben: Montag 15. Dezember 2025, 22:09 Klar ist das alles möglich ... aber nicht alles was möglich ist ist auch sinnvoll. wink

Mit dem Frequenzumrichter bekomme ich bei 10% der Drehzahl leicht thermische Probleme, verseuche mir unnötig mein Stromnetz, eventuell löst auch der FI öfters mal aus, der Motor hat kaum Kraft ... etc.
Mit einer Dahlanderschaltung verliere ich ~25% an Leistung und habe ~25% mehr Wärmeentwicklung, beides besser als der Frequenzumrichter und da der Motor ja mit der normalen Drehzahl läuft auch kein Problem. Und dann mit einem Speedreducer auf die gewünschte Drehzahl runter hat der Motor ohnehin wieder mehr als genug Kraft.

Bei ungünstigeren Verhältnissen montiert man einfach einen Motorschutzschalter. Den man dann aber auch einstellen sollte, was sich nicht bei allen Kollegen herumgesprochen hat. wink

Ich denke das ist einfacher, zuverlässiger und billiger.

Ich habe jede Menge Frequenzumrichter hier herumliegen und mir das auch schon einmal überlegt ... bin aber zu genau diesem Ergebnis gekommen obwohl es mich ausser Arbeit nichts kosten würde.

Ich betreibe meine Werkzeugmaschinen mit klassischen Motoren und Frequenzumrichtern üblicherweise mit ~50% - 130% der orginalen Drehzahl. Damit brauche ich beim drehen, fräsen und bohren nur mehr einmal das Getriebe zu schalten und bin komplett auf der sicheren Seite. Und bei der chinesischen Bohrmaschine wurde der orginale Motor mit einem uralten Kobold Drehströmer ersetzt der wesentlich stärker, kleiner und leiser ist und auch mit 30% der Drehzahl ohne Zusatzkühlung auskommen würde. Nur bei der Messerschleifmaschine sollte ich irgenwann einmal die Lager vom mittlerweile über 60 Jahre alten Koboldmotor tauschen ... aber die habe ich noch massenweise vorrätig. Die Maier Unitas Messerschleifmaschine hatte ich auch bei zwei meiner Firmen im Einsatz wo manchmal den ganzen Tag lang Nähmaschinenmesser oder Bohrer damit geschliffen wurden.

Grüsse vom Sputnik

P.S.: Bei Frequenzumrichtern gibt es viele unterschiedliche Ansätze, die ganz alten von Anfang der 1980er waren teilweise ziemlicher Schrott. Wir haben uns damals für Lenze entschieden die perfekt funktioniert und für die es auch alle Schaltpläne und Unterstützung gab. Ich hab von diesen ganz alten immer noch welche in Betrieb. biggrin

PP.S.: Bei den Fi's braucht man nur die richtige Charakteristik und die richtigen Marken/Hersteller zu wählen (blos kennt sich da kein Elektriker damit aus) ... dann klappt das auch mit 40KW am FI problemlos. wink
Guten Morgen Sputnik,

das mag alles funktionieren, solange man ausschließlich für sich selbst handelt und nichts passiert. Problematisch wird es jedoch in dem Moment, in dem ein Schaden eintritt. Auch wenn du nur privat bastelst: Kommt es zu einem Schadensfall und die Versicherung schickt einen Gutachter, sind die Erfolgsaussichten oft sehr gering.

Noch kritischer wird die Situation, wenn du gewerblich tätig bist und solche Motoren zusammen mit Nähmaschinen in den Verkehr bringst. Dann greifen zusätzliche haftungs- und versicherungsrechtliche Anforderungen.

Ein vergleichbares Thema zeigt sich aktuell bei Balkonkraftwerken. Mit der verabschiedeten DIN VDE V 0126-95 wird ab einer Modulleistung von mehr als 960 Wp eine Wieland-Einspeisesteckdose gefordert. Solange Hersteller weiterhin Schukostecker ausliefern, wird im Alltag niemand neben dir stehen und den Stecker beanstanden. Kommt es jedoch zu einem Schaden, prüfen Gutachter genau – und dann kann der Versicherungsschutz entfallen.

Wie meine juristischen Kolleginnen immer sagen: Es kommt darauf an. Solange nichts passiert, trägt das Schicksal die Entscheidung. Tritt ein Schaden ein, wird sie rechtlich bewertet.

PS: Das soll keine Diskussion zu Deiner, oder der technischen Einschätzung von Achim sein beerchug

VG, TOM_MUE
fortes fortuna adiuvat

sputnik
Edelschrauber
Edelschrauber
Beiträge: 1238
Registriert: Dienstag 30. Juni 2020, 01:14

Re: Hat jemand Erfahrungen mit Industrie Frequenzumrichtern

#22 Beitrag von sputnik »

Ja klar ... dafür hat man ja als Firma eine Haftpflichtversicherung.

Ich hab die aber auch nie gebraucht.

Bzw. weil Du mich nennst, ich habe ja von so einer Lösung abgeraten weil mir das eben zu unsinnig/riskant erscheint. Ich habe mich auch viele Jahre mit Sicherheit und elektrotechnischen Sicherheitsüberprüfungen beschäftigt und Geräte/Dokummentationen für Überprüfungen und CE-Zulassungen vorbereitet. Was vor allem im öffentlichen Bereich (z.B. Spitäler) äusserst aufwendige und langwierige Angelegenheiten sein können.

P.S.: Bei Sicherheit/Risikoanalyse geht man davon aus das alles was passieren kann irgendwann einmal passieren wird. Die Frage ist nur wie wahrscheinlich das ist und wann.
Die Wahrscheinlichkeit kann man berechnen, aber auch wenn das noch so unwahscheinlich ist, wird es irgendwann passieren ... aber das irgendwann kann auch heute sein!
Und sehen wir uns nicht in dieser Welt
dann sehen wir uns in Bielefeld! (Udo Lindenberg)

Geradstich
Neu im Forum
Neu im Forum
Beiträge: 20
Registriert: Donnerstag 7. März 2024, 10:26

Re: Hat jemand Erfahrungen mit Industrie Frequenzumrichtern

#23 Beitrag von Geradstich »

Ja, ich hab Erfahrung mit Frequenzumrichtern an Nähmaschinen mit Dreiphasen-Kupplungsmotor... Kurzfassung: lass es, bau nen Servomotor ein.

Langfassung: zwei Industrie-Nähmaschinen, eimal Geradstich Leder (Adler 67) mit Obertransport, einmal Pfaff 238 Schnellnäher, beide mit Dreiphasen-Motor und Kupplung, beide waren mit Kondensator auf "normale Steckdose" umgebaut. Die stehen in einem Makerspace, aka Bastelclub, und da sollen auch Leute damit nähen die das nicht als Handwerk gelernt haben, also bitte nicht die >2500 Stiche/Minute die zB die Pfaff kann. Aber das sind auch Leute die das Nähen im Akkord gemacht haben, die können und wollen das. Elektriker haben wir, auch konzessionierte, und genug Werkzeug, Maschinen und Material.

Also: Geschwindigkeit bitte variabel, Betrieb an normaler Steckdose, und sicher (bröselige Gummikabel raus, zB).

Beide Maschinen wurden mit Siemens Micromaster Frequenzumrichtern umgerüstet. Die gingen einigermaßen günstig uber Kleinazeigen her. Für die Programmierung hatte einer das Bedienteil und die Erfahrung. Trotzdem musste noch ein Gehäuse her -- Berührschutz -- hatte wer auch umsonst. Aber bis Gehäuse, Umrichter, dann Bedienelemente (damit die Leut nur die Drehzahl und nichts sonst verstellen) alles zusammengebaut waren, brauchte es etliche Stunden, und vieles an Schrauben, Winklen, Blechen, usw. Dann hatte der Motor einen Lampenausgang -- ich meine für ne 12 Volt-Birne, aber liegt auf Netzspannung: das heitßt, die 12-Volt Birne brennt gut und richtig, aber in der Fassung bekommt man volle Netzspannung gewischt. Das sollte auch weg: also abklemmen, Steckdose verschließen. Damit ist das immer noch eine Maschine mit Kupplungsmotor, also also Motorgeschwindigkeit oder Bremse, dazwischen nur mit "Kupplung kommen lassen". Ist lernbar, aber geht auch anders. Vorteile sind die einstellbare Strombegrenzung, Sanftanlauf, usw. Jetzt kann man die Maschien blockieren, und der Umrichter schaltet dann ab. Einschalten, und der Motor fährt, so er frei dreht, nur langsam wieder hoch auf die eingestelle Drehzahl. Im Betrieb ausstecken, und wieder einstecken: der Motor bleibt aus. Nett.

Ich weiß das an anderer Stelle wegen einem Umrichter an einer größeren Maschine ein "allstromsensitiver FI" fällig wurde, der ohne Einbau bei knapp einem Hunderter losgeht. Ob die Nähmaschinen an diesem hängen, oder an einem "normalen" FI hängen, weiß ich nicht. Ein solcher FI geht ab nem knappen Hunderter los.

An ausgegebenem Geld wird die Aktion eine knappen Hunderter je Maschine gekostet haben. Arbeitszeit und "ach, ich hab da noch was übrig" (Hutschiene, Gehäuse, Zugentlastungen, Kabel-mit-Stecker usw.) ist nicht mitgerechnet. Ergebnis ist OK, auch weil ja bei einem MAkerspace die Leute nicth auf die Zeit schauen, sondern was mache um dabei was zu lernen, und aus Spaß an der Freud.

Für das Geld bekommst du einen Servomotor, den du 1:1 statt dem Kupplungsmotor hinschrauben kannst, samt Bedien-Tableau, mit Anzeige und Kabel und Stecker und Schrauben. Und für ein paar Euro mehr den Nadelstop, mit oben/unten einstellbar, und ich mein eine bessere Drehzahlregleung als mit der Kupplung. Wenn ich das richtig sehe: Alten Motor mit Schalter und Kupplung usw. weg, neuen hinschrauben, Kette ans Fußpedal. Da bist in einer Stunde fertig. Und wenn du es prinzipiell langsamer und mehr Drehmoment haben willst, kann da ja auch ein andere, also kleinere Riemenscheibe drauf.

Antworten