das ist mir schon klar das die wenigsten hier Nähmaschinenmechaniker gelernt haben.
Deshalb bemühe ich mich ja auch möglichst viel verständlich zu erklären.
Zur Zeit ist das ein wenig mühsam weil zum ersten Advent mein Computer gebrannt hat (Advent, Advent, ein Lichtlein brennt) und ich dadurch weder Photoshop noch Indesign zur Verfügung habe (ich zeichne derzeit nur in Irfanview).
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Nein, das meinte ich nicht.von Ärmel » Samstag 9. Mai 2026, 18:26
Hallo sputnik meinst du eventuell das "Spiel" vom Spulenkapsel-Arm in der Greiferbrille...
So wie ich das sehe, läuft der Faden über die Kapsel und gleitet am Arm hoch.
Auf einem der Bilder von kalalha ist zu sehen, dass da genug "Spalt" vorhanden ist.
Wo geht/muss der Faden dann noch durch...
Ich meine den Spalt zwischen Greiferspitze/Greiferende und Treiber.
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Der Zentralspulengreifer - abgekürzt auch als C.B. für central bobbin bezeichnet:
Je nachdem in welche Richtung sich der Greifer dreht, schiebt der Treiber den Greifer vor sich her.
Dadurch ist der Spalt im Uhrzeigersinn vor der Greiferspitze weil der Treiber am Greiferende anschiebt.
Nach dem Wendepunkt schiebt der Treiber in die andere Richtung und der Spalt ist beim Greiferende.
Wenn der Greifer die Fadenschlinge aufgenommen hat muss der Faden das erste Mal den Fadenspalt passieren.
In weiterer Folge wird die Fadenschlinge über die Spulenkapsel gezogen bis zum zweiten Wendepunkt der Greiferbewegung. Hier muss der Faden weiter zwischen Treiber und Greifer über die Spulenkapsel rutschen.
Zu diesem Zeitpunkt beginnt der Fadenhebel mit dem Fadenanzug und muss den Faden bis zum Hochpunkt fest verknotet haben.
Die unvermeidlichen Abweichungen der vom Greifer benötigten Fadenmenge und der Bewegung des Fadenhebels werden durch die Fadenanzugsfeder ausgeglichen.
Wenn der Fadenhebel, wie möglicherweise bei Kalalhas Maschine, der beim Wendepunkt zu ziehen beginnt, den Faden nicht aus dem Greifer herausziehen kann, zieht er den Faden durch die Fadenspannung nach oder der Faden reisst ab.
Wenn der Fadenhebel zusätzlichen Oberfaden nachgezogen hat, kann er aber diese zusätzliche Fadenmenge, nicht mehr wegbringen und es bleiben die Schlaufen wie auf Kalalhas Photo.
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Nachdenkpause ...
Wer mehr wissen möchte kann sich im Buch "W. Renters - Der Nähmaschinen-Fachmann" den Abschnitt zur Stichbildung bei C.B. Greifern durchlesen.
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Weitere Infos zum C.B. Greifer:
Die ersten C.B. Greifer hatten keine gefederten Treiber. Dadurch schlug bei jedem Stich 2x Stahl auf Stahl. Das war laut und hatte hohen Verschleiss zur Folge. Deshalb mussten auch die Treiberenden gehärtet werden während der mittlere Teil des Treibers weich bleiben muss, um den Treiber durch biegen zu justieren.
Stahl kann weich sein oder gehärtet werden. weicher Stahl lässt sich verformen und biegen, harter Stahl bricht. Härten ist natürlich ein zusätzlicher Aufwand der aber oft unvermeidlich ist. Der Greiferwulst welcher in der Greiferbahn läuft, die Greiferspitze und das Ende wo der Treiber anschiebt muss gehärtet werden. Ebenso der Nadelschutzbereich am Treiber.
Wegen der Geräuschbelastung begann man bereits früh damit auf dem Treiber Federn zu montieren, die den Verschleiss reduzieren und die Geräuschentwicklung deutlich verringern.
Zur Einstellung des Fadenspalts wird der Treiber gebogen.
Wenn ein neuer Greifer montiert wird, weil z.B. beim Alten die Spitze abgebrochen ist, muss der neue Greifer an die Greiferbahn angepasst werden. Dazu muss der Greifer mit einer kontinuierliche Drehbewegung eingeschliffen werden, bis er nahezu spielfrei in der Greiferbahn läuft. Dieser Vorgang kann einige Stunden dauern (bei Kurvenscheiben kann das unvermeidliche Einschleifen bis zu einer Woche Zeit beanspruchen).
Nach dem Einschleifen muss der Treiber zum Greifer passen gebogen werden um den erforderlichen Fadenspalt und Nadelschutz zu erreichen.
Zum Nadelschutz muss die Nadelspitze so dicht zum Treiber stehen dass sie nicht von der Greiferspitze berührt werden kann (auch nicht wenn das Material die Nadel zur Greiferspitze drückt).
Im Idealfall sollte der Greifer axial und radial nur minimale Ölluft (kaum spürbar) haben und sich möglichst leicht und gleichmässig in der Bahn bewegen lassen. In Drehrichtung MUSS der Greifer aber mindestens 0,4mm Fadenspalt haben damit ein dünner Faden ohne widerstand passieren kann. Bei normalen Haushaltsmaschinen kann dieser Fadenspalt bis etwa 1mm betragen. Damit sollten sich 50er Fäden noch gut verarbeiten lassen.
Bei schweren Ring- oder Barrelschiffmaschinen kann dieser Fadenspalt für dicke Fäden auch bis ~1,5mm betragen.
Voraussetzung für gute Nähte ist natürlich auch das alle Stellen mit Fadenberührung "Fadenglatt" poliert sind. Das bedeutet sie müssen spiegeln und ich darf wenn ich mit dem Fingernagel daran kratze nicht die geringste Unebenheit spüren. Deshalb benötigt der Nähmaschinenmechaniker auch immer gut gewartete Fingernägel
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Literaturempfehlung:
Wilhelm Renters, Der Nähmaschinen-Fachmann
In der 7. Auflage beginnt ab Seite 183 der Abschnitt:
DiE BAHNSCHWINGGREIFERNÄHMASCHINE
Diese Maschinenart wird auch Zentralspulengreifernähmaschine, Zentralschiffchennähmaschine,
Central-Bobbin-Nähmaschine - abgekürzt CB - genannt.
Ab der Seite 193 ist der Stichbildungsvorgang bei Maschinen mit CB Greifer ausführlich beschrieben und bebildert.
Trotz Allem sollte man nicht vergessen dass sowohl Herr Renters als auch die Einstellanleitungen immer von einem gelernten und für die entsprechende Maschine ausgebildeten Fachmann ausgehen.
Man hat als Nähmschinenmechaniker 4 Jahre Lehrzeit ... braucht dann Praxis um Erfahrung zu sammeln ... und besucht für jede neue Maschine Kurse/Einschulungen beim Hersteller welche bis zu drei Wochen dauern können. Dann bekommt man auch die Einstellanleitung als Nachschlagewerk. Aber die Grundkenntnisse und Erfahrungen können weder bei Renters noch in den Anleitungen vermittelt werden.
Herzliche Grüsse vom Sputnik



