als Einwohner der Modelleisenbahnstadt Göppingen und als Maschinenbauingenieur der Fachrichtung Werkstofftechnik werde ich hin und wieder mit dem Phänomen der Zinkpest oder des Zinkfrasses konfrontiert. Auch Nähmaschinen-Restauratoren/innen stehen manchmal ratlos vor dem Problem, dass metallische Anbauteile von Nähmaschinen plötzlich regelrecht "zerbröseln". Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass eine Vollmetallausführung eine Garantie für Unzerstörbarkeit durch reine Alterung ist. Guter Kunststoff kann dagegen wesentlich bessere Haltbarkeit besitzen, Betonung liegt bei "kann" und "GUTER KUNSTSTOFF" mit entsprechenden UV- und Oxidationsstabilisatoren! Gerade Sammler von materiell wertvollen alten Modelleisenbahnen kennen das Problem, was zu irreparablen Verlusten führt: plötzlich zerbröseln Metallbauteile ihrer Modelle, ja sie können regelrecht explodieren. Besonders Zinkdruckgussteile aus der Zeit vor 1920 und auch aus den letzten Kriegs-und Nachkriegsjahren ab 1942 bis ca. 1955 sind betroffen, als man die Gegenmaßnahmen noch nicht kannte bzw. wegen Materialmangel nicht mehr durchführen konnte: z. B. eine Legierung mit wenigen % Antimon, Verringerung des Eisenanteils. Bei tiefen Temperaturen >10°C und höherer Luftfeuchtigkeit kommt es durch komplizierte Reaktionen (verringertem Ladungsausgleich zwischen bestimmten Legierungsbestandteilen bei gleichzeitig entstehendem Elektrolyten mit durch die Feuchtigkeit gelösten Salzen und eindiffundierendem Sauerstoff) zu einer "interkristallinen" Korrosion in den Zinkgusskristallen mit starker Volumenausdehnung.
Durch die Produktionsverlagerung nach China, wo man das alte Problem wieder unter Preisdruck vernachlässigte, haben Märklin und andere Modellbahnhersteller mit "Outsourcing" wieder massive Qualitätsprobleme mit diesem Phänomen, das seit Wirtschaftswundertagen fast vergessen schien. Siehe auch entsprechender Abschnitt in :https://de.wikipedia.org/wiki/Zinkdruckguss . Der eigentliche Wikipedia Beitrag "Zinkpest" ist weniger aussagenkräftig.
Nun könnten auch NEUE Nähmaschinen aus China davon betroffen sein, da sie auch gerne Teile in der Mechanik aus Zinkdruckguss besitzen. Die Zinkdruckguss-Lieferanten sind meist dieselben wie die der Modellbahnhersteller. Bei Container-Seetransport der Maschinen zu uns sind tiefe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit nicht selten. Das könnte z. B. u. a. ein Grund für das baldige Versagen einiger Discountermaschinen sein, während andere gleicher Herkunft gar nicht so schlecht beschrieben werden.
Bei unseren Oldies besteht oft das Problem, dass sie zwischenzeitlich nach erstem "Nutzungsende" in feuchtkalten Räumen gelagert wurden, Keller und Dachböden, oder noch schlimmer Garagen. Da gehören Nämas definitiv nicht hin

Viele Grüße aus Göppingen
Harald