Unabhängig von den Widersprüchen in sich zum Thema Ethanol (vergällt als (Brenn-)Spiritus, umgangssprachlich als Alkohol, also das, was zum Beispiel im Asbach-Uralt ballert) ist das vielleicht auch alles ein großes Missverständnis über die verschiedenen Schichten von betagten Nähmaschinen-Lackierungen:
Ältere schwarze Nähmaschinen haben eine extrem durable Grund-Lackierung, die als Japanning bekannt ist.
Sie ist asphalt-basiert, wird in mehreren Schichten aufgetragen und eingebrannt; qualitativ boxt das etwa in der gleichen Kategorie, wie das moderne Pulverbeschichten, nur mit mehr Aufwand und mehr als einer Schicht.
Das ist extrem lösemittelresistent und eigentlich nur abrasiv (Kilometerweise Garn drüberlaufen lassen, schmirgeln, flexen, sandstrahlen) oder mit (sehr heißer) Heißluft kaputtzukriegen.
Eine Ausnahme sind Maschinen aus deutscher Produktion in der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Durch Materialmangel wurden dort bei Pfaff, der Not gehorchend, minderwertige Lacke eingesetzt, was zu bald darauf abblätterndem Lack führte.
Pfaff hatte ein globales, kostenloses Rückrufprogramm, um das nachzubessern, aber einige Maschinen haben das verpasst, da hilft für perfekte Ergebnisse wirklich nur, den Nachkriegslack bis aufs blanke Metall abzutragen und neu aufzubauen.
Die Wittenberger Singer-Werke wurden ja komplett als Reparation in das dortige Singer-Werk in Podolsk in der damaligen Sowjetunion als Reparation demontiert.
Die später anlaufende DDR-Produktion wie unter dem traditionsreichen Markennamen Veritas (Clemens Müller, Dresden, erste deutsche Nähmaschinenfabrik) hatte dann keine Mangelwirtschafts-Lackprobleme mehr.
Ramses meint vermutlich die hochempfindliche Schicht zwei Lagen darüber aus klarem Schalllack, die die vergoldete/versilberte Dekoration der Maschine unmittelbar darüber, seien es früher handgemalte Motive oder später industriell hergestellte Schiebebilder, vor Abrieb schützen soll.
Um diese fragile Schicht nicht zu beschädigen, lautet die hier allgemein akzeptierte Empfehlung, ausschließlich unpolare Flüssigkeiten wie Petroleum/Lampenöl zur Reinigung solcher Maschinen zu verwenden.
Schellack ist allergisch auf polare Lösungsmittel wie Wasser, Scheibenreiniger, Spiritus (der ist bi, aber für Schellack auch ungeeignet).
Solange es um Deko-freie Stellen an der Maschine geht, kann man da sehr unbefangen herangehen, um eine Hochglanz-Oberfläche wieder herzustellen.
Allen, die sich, trotz Achims toller Tips, selbst die Lack-Reparatur handwerklich nicht zutrauen:
Wer Autos nach einer Schramme oder Delle wieder gut lackieren kann, kann das auch mit Nähmaschinen.
Das wird bei gewerblichen Lackierereien natürlich ein teurer Spaß, aber oft hat man ja auch jemanden im Bekanntenkreis.
Oder sonst im Repair-Café bzw. Hacker-Space vor Ort, die kompetente Freiwillige am Start haben, die sowas auch, gerade im Hochsommer, für einen Kasten Hopfenkaltschale oder so erledigen :-)
Nachlackierte Stellen sollten entweder aus 2K-Lack sein und nicht unmittelbar durch durchlaufenden Oberfaden beansprucht sein.
Das fräst sich über die Kilometer durch, auch wenn man das erstmal nicht vermuten würde …
Kratzer aus alter Singer entfernen
Re: Kratzer aus alter Singer entfernen
Ja!claude hat geschrieben: ↑Samstag 13. Juli 2024, 09:32 Ramses meint vermutlich die hochempfindliche Schicht zwei Lagen darüber aus klarem Schalllack, die die vergoldete/versilberte Dekoration der Maschine unmittelbar darüber, seien es früher handgemalte Motive oder später industriell hergestellte Schiebebilder, vor Abrieb schützen soll.
Ich kann es jetzt nicht mit Bestimmtheit sagen, mir ist ein Tropfen Brennspiritus auf die Arbeitsplatte gekommen, da bildete sich sofort eine Art glatter Krater.
Das war mir aber nicht Warnung genug.
Bei der Naumann Klasse 24 sind mir diesbezüglich nämlich keine negativen Auffäligkeiten begegnet.
Ich werde das Zeugs aber in Zukunft vor allem Gold fernhalten!
Unipolare Flüssigkeiten: Da gibt es aber auch Unterschiede!
Benzin ist aggressiver, z.B. Dichtungen gegenüber, als z.B. Petroleum.
Und mit Aromaten sollte man erst recht vorsichtig sein, darunter fallen Verdünner.
In milderer Form wäre da aber auch Baumarktpetroleum zu nennen, das enthält, man riecht es bereits deutlich, ringförmige Kohlenwasserstoffe, also Aromaten.
Kein Problem bei Metallen, also Lagern, aber Lack würde ich dem Zeugs nicht über sehr lange Zeit aussetzen.
Lampenöl und Grillanzünder (eigentlich das gleiche, steuerreduziert (ich meine nicht das Biozeugs!)) sind weitest aromatenbefreit.
Wie weit das aber Lager säubert, bessser oder schlechter als Baumarktpetroleum, das wäre ein interessantes Experimentierfeld!
- adler104
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Re: Kratzer aus alter Singer entfernen
Alternativ Waschsoda in Wasser gelöst. Damit kann man viele Verschmutzungen lösen aber auch hier vorsichtig sein bei den Decals.
Middem Öl nich spaasam sein!
Singer 111G156 - Singer 307G2 - Singer 29K71 - Singer 212G141 - Singer 45D91 - Singer 132K6 - Singer 108W20 - Singer 51WSV2 - Singer 246K16 - Singer 143W2 - Pfaff 368

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Re: Kratzer aus alter Singer entfernen
Nachdem, was hier gesagt wurde, war ich ein wenig unsicher.
Nun habe ich aber wieder eine Maschine, bei der sich das Gold des Namenszuges mit dem Lack "verschmierte".
Zustand bei Ankunft, denselben Fehler meide ich ein zweites Mal.
Also dachte ich, mit Brennspiritus bekomme ich das Gold da weg, wo es nicht sein sollte.
Nur wurde mein alkohogetränktes Papiertuch sofort schwarz, und dort, wo ich mit dem Tuch gerieben hatte, schimmerte nicht nur das blanke Metall durch.
Ich behaupte jetzt mal, daß es zumindest eine Zeit gab, in der Lacke zum Einsatz kamen, die nicht alkoholfest sind.
Ich halte es für keineswegs ausgeschlossen, daß das während des Krieges war.
- js_hsm
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Re: Kratzer aus alter Singer entfernen
Es könnte Lack auf Schellack Basis sein, der ist m.W. alkohollöslich.
Gruß, Achim
Gruß, Achim
Der Maschinen(um)bauer
Adler 30,48,67,68,69 Pfaff 130,141,142,145,335,1222, Typical GC20606-18, Sailrite 9" Clone und.....
https://youtube.com/@Special_Solutions
BLDC-Servos https://www.naehmaschinentechnik-forum. ... 33#p119733
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Re: Kratzer aus alter Singer entfernen
Da widerspreche ich nicht!
Ich habe aber auch solche billigen Lackstifte aus China, also mit Pinselchen.
Ich meine, daß der (schwarze) Lack auch nach Aushärtung nicht gegen Alkohol resistent ist.
Und dieser Lack stinkt sehr intensiv, ist also ziemlich sicher nicht lösungsmittelfrei.
Ich bin leider nicht der Lackexperte, lerne aber gerne dazu, zumal ich momentan vermehrt etwas damit mache.
Alles Gute!
Ramses.
Ich habe aber auch solche billigen Lackstifte aus China, also mit Pinselchen.
Ich meine, daß der (schwarze) Lack auch nach Aushärtung nicht gegen Alkohol resistent ist.
Und dieser Lack stinkt sehr intensiv, ist also ziemlich sicher nicht lösungsmittelfrei.
Ich bin leider nicht der Lackexperte, lerne aber gerne dazu, zumal ich momentan vermehrt etwas damit mache.
Alles Gute!
Ramses.