Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

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wrought_iron
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Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

#1 Beitrag von wrought_iron »

Guten Morgen,

bei Bestandsaufnahme fiel mir auf, dass in der mir vorliegenden uralten Gebrauchsanweisung zur Singer 29 eine mir unbekannte Nadelbezeichnung, oder genauer gesagt Nadelstärkenbezeichnung, verwendet wird.
Kann das jemand aufklären, denn das Netz gibt leider dazu meiner Recherchen nach keine Ergebnisse preis?!
Zum besseren Verständnis habe ich mal die Titelseite und den Auszug aus Seite 10 zu den Nadeln hier angehängt.
Was sagen denn die Einträge in der ersten Spalte in Gegenüberstellung zur nm-Bezeichnung aus?

Nur um meinen Kenntnisstand zu dem Thema darzustellen:
  • Ich verwende in meiner Singer 29K73 das Nadelsystem 332 und damit näht sie auch tadellos, was aber auch nicht Inhalt meines Unwissens ist, denn es geht ja hier um die Nadelstärke. Hier habe ich mich nicht gewagt über eine 120er zu gehen. Allerdings habe ich auch keinen Versuch mit Überprüfung von Abstand und Timing unternommen.
Und zack, stellt sich mir noch eine Frage:
  • In der besagten Gebrauchsanweisung wird in der untersten Zeile der letzten Spalte der Seite 10 die Verwendung eines 25er Leinenzwirns dargestellt. dodgy Ich wage zu bezweifeln, dass die Maschine diese Fadenstärke ohne Probleme verarbeiten kann, oder hat da jemand gegenteilige Erfahrungen? Theoretisch, oder besser nach meinen Erfahrungen, wird es bei Verwendung einer 120er Nadel mit 25er Leinenzwirn ja schon eng ...
Ansonsten wünsche ich viel Erfolg bei Euren Arbeiten und sowieso ...
Singer 29 Gebrauchsanweisung_Nadeln_02.jpg
Singer 29 Gebrauchsanweisung_Nadeln_01.jpg
... und ... ich verweise auf die erste Zeile der Seite 10 ... !!! -boewu- biggrin
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adler104
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Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

#2 Beitrag von adler104 »

Was sagen denn die Einträge in der ersten Spalte in Gegenüberstellung zur nm-Bezeichnung aus?
Das sind sicher veraltete Bridgeport / Elisabethport Größenangaben, neben NM gab (gibt) es ja auch noch die "neuen" Singer / US Nadelgößen.
Bei ISMACS gib es eine Tabelle zum Umrechnen auf die damals neuen Singer Größen, auf NM wird nicht umgerechnet aber die mm Angaben stehen auch dabei.

https://ismacs.net/singer_sewing_machin ... -1950.html

Stärke von Leinengarn wurde damals AFAIK auch nicht in NM angegeben.

An so alten Tabellen würde ich mich nicht mehr orientieren, das ist zu verwirrend. Ich halte mich meist an diese hier aber auch das ist ja nur ein Anhalt:
https://www.tolindsewmach.com/thread-chart.html
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wrought_iron
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Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

#3 Beitrag von wrought_iron »

Vielen Dank für die Aufklärung!!!

Und ja, natürlich sind das nur Richtwerte. Mir ging es aber auch in erster Linie um eine Erklärung, wie diese Angaben zu sehen sind. Rein zur Horizonterweiterung .... Ich war mehr zufällig, wie gesagt bei "Bestandsaufnahme", auf diese Tabelle gestoßen und war noch mehr verwirrt als sonst so ...
Deshalb nochmals vielen Dank für die Erläuterungen.

Jetzt würde mich aber tatsächlich auch noch interessieren ob die Singer 29K Nutzer meine Anscht teilen, dass bei einer Nadelstärke von 120 das Ende der Schadlosigkeit erreicht ist.
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Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

#4 Beitrag von adler104 »

Für die 29K7X gab es zwei Nadelplatten - "Fine - Medium" (82235) und "Medium - Coarse" (82234) und auf einigen Nadelplatten stand auch die Singer Nadelgrößen an den Nadellöchern, und bei Coarse war es bis Singer Größe 23 - sprich NM160 aber für mich ist im besten Fall NM140 noch sinnvoll, weil ja auch nicht wirklich viel von dem dicken Garn auf die kleinen spulen geht. Bei der der 29K72 mit größerem Greifer mag das noch mal ein wenig anders sein.
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Jukianer
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Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

#5 Beitrag von Jukianer »

Auf dem Bild habe ich meine ..K71 für altes, sprödes und sehr dickes Leder eingestellt. War mal ein Flachriemen. Verwendet wurde testweise eine 29x3 und 29x4 (Leder) Nadel, Nm160 und 10er Serafil. Nur der erste Stich braucht ein bisserl Schwung, dann weiter ein paar mal mit dem Handrad und weiter mit dem Fußpedal. Näht absolut problemlos, ohne größere Anstrengung. Wie schon angeführt, ist halt die geringe Fadenmenge an der Unterspule ein Nachteil. Ich glaube, da gehen nur max. 2 Meter 10er Serafil drauf. Aber es hat für meine Zwecke mehr als gereicht. Ich habe mich für die 29x3 Nadel entschieden, da ich wegen der Rissgefahr des anschließend genähten Leders mit einer Ledernadel Bedenken hatte. Ich muss aber noch erwähnen, dass diese Nähmaschine in einem sehr guten Zustand ist und natürlich auch mein heimlicher Liebling. Alleine die Geräuschkulisse beim Nähen ist wie Musik.
Grüße Anton
Ps: Im 2. Bild - die gesamte Maschine. Nach dem Fotografieren hab ich den orthopädischen Schuh nachgenäht, weil eine Naht aufgegangen ist. Das war aber ein anderes "Projekt" als das beim Riemen. Das ist eine sehr gute Universalmaschine, aber eher für Reparaturarbeiten gedacht. Ich möchte nicht wissen, wie viele Singer 29K..... gebaut wurden, sicher unzählige.
Ich möchte vom Thema nicht abweichen, sondern nur darauf hinweisen, dass eine 160er Nadel für diese Maschine überhaupt kein Problem ist. Diese Problematik wurde ja von vorangegangenen Posts angeschnitten. Umsonst ist ja auf der Stichplatte die Nadelgröße bis 23 auch nicht angeführt.
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Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

#6 Beitrag von adler104 »

siehste mal - so unterschiedlich können die Erfahrungen sein. 2m Garn ist ja erstmal nicht viel aber da es ja an sich eine Reparatur Nähmaschine ist, kann das für eine Reparatur (je nach dem) durchaus reichen.
Middem Öl nich spaasam sein! wink

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Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

#7 Beitrag von wrought_iron »

... das ist ziemlich überraschend für mich ... allerdings rein wegen keiner Ahnung ...

Aber da sieht man wieder, dass
  • wer lesen kann klar im Vorteil ist (23 auf der Stichplatte)
  • man Schlüsse erst ziehen sollte, wenn man sich sicher ist, dies auch tun zu können. Im zweifelsfall: Ein Versuch macht kluch (160er Nadel mit 10er Faden)
Ich hätte da noch Reissverschlüsse an Trailrunningschuhen auszutauschen ... die können 20er Serafil vertragen ... dann mach ich das doch mal

Vielen Dank und beste Grüße
Christoph
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Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

#8 Beitrag von Jukianer »

Ich hätte da noch Reissverschlüsse an Trailrunningschuhen auszutauschen ... die können 20er Serafil vertragen ... dann mach ich das doch mal
Mach das Christoph, ich garantiere dir, dass du nicht die geringsten Probleme haben wirst. Nur da würde ich keine 160er Nadel nehmen, sondern eher was um 120, vielleicht max. 140. Hab geschaut, was ein Trailrunningschuh ist. Ich würde auch ein 20er Serafil verwenden, zumindest schaut mich das so an.
Nur zur Info - die 29K verträgt wesentlich schwerere Geschütze als so einen Trailrunningschuh. Mach einen Test und du wirst es mir bestätigen. Dann merkst du schnell, wo die Grenzen bei dieser Nähmaschine sind. Es haut dir eher eine 160er Nadel ab, bevor die Maschine nur die geringsten Schwächeerscheinungen zeigt. Damals wurden hochwertige Maschinen gebaut. Das bestätigt auch, dass diese Maschine in fast gleicher Ausführung über viele Jahrzehnte gebaut wurden.

Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher - bei 10er Serafil, glaube ich jetzt ohne nachzukontrollieren, wird es schwierig dieses Garn in eine 120er Nadel einzufädeln, weil diese "Schnur" ziemlich dick ist. Eine 140er Nadel könnte ich mir vielleicht vorstellen. Ich verwende bei Serafil 10 eine 160er Nadel. In der Tabelle ist eine 24er Nadel angegeben. Diese ist noch größer.
Größe Anton
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Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

#9 Beitrag von wrought_iron »

Hallo Anton,

vielen Dank für die Tips !!!
Ich glaube, dass diese Bauart, also Singer 29, Adler 30 usw., bei der "Nähjugend" vollkommen unterschätzt wird. Ich kenne mindestens vier Raumaustatter, Sattler, Nähstuben bei denen diese Maschinen als Deko im Schaufenster stehen. Man weiß wahrscheinlich nicht, dass man z.B. damit bis in die entlegenste Ecke mit schwerem Material kommt.
Ich muss zugeben, dass ich mich eine zeitlang von ihr trennen wollte. Beim Rausputzen zum Verkauf überkam mich aber schnell Reue. Nicht, weil ich Erfahrungen gesammelt hatte, nein, einfach aus technischen Betrachtungen. Gekauft hatte ich mir die Maschine weil ich einfach die Erfahrung sammeln wollte ... mir kam sie vor, wie eine eierlegende Wollmilchsau.
In meinen Kindheitstagen war es einfach so, dass die Kinder mit reparaturbedürftigen Taschen, Portemonais, natürlich Schuhen und anderem Lederzeugs zum Schuster geschickt wurden. Beeindruckend war für mich immer der Geruch nach Leder und Kleber ... und die Adler Nähmaschine. Ich kann mich noch genau an den mehr stilisierten Adlerkopf an der Maschine erinnern. Weil das immer wieder ein Erlebnis war, bin ich gerne ins 2km entfernte Nachbarort gelatscht. Der Schuster hat dann später die Sachen im Rucksack auf seiner 250er BMW wieder zu uns nach Hause gebracht ... Er saß dann auf der Holzkiste neben dem Holzherd in der Wohnküche und erklärte zu jedem reparierten Teil was er gemacht hatte ...
Tatsächlich weiß ich nicht wie es dazu kam, dass ich mich mit Nähmaschinen befasse, aber es dauet jetzt schon über 10 Jahre an ... mal mehr mal weniger. Wahrscheinlich waren die oben beschriebenen Erfahrungen, auch wenn es mehr in Richtung Adler geht, irgendwie nicht unschuldig.

Genug der Nostalgie ... ja, ich bin bei Dir mit der 140er Nadel bei 20er Faden. Wenns eng wird, dröselt sich Serafil nämlich gern auch mal auf, besonders bei Leder.
Ich werde mich dann mal erdreisten zu meinem Versuch Trailrunning zu berichten.

Ich wünsche weiterhin viel Erfolg am Besten mit Spaß ...

Beste Grüße
Christoph
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Jukianer
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Re: Singer Klasse 29 historische Nadelbezeichnung

#10 Beitrag von Jukianer »

Man weiß wahrscheinlich nicht, dass man z.B. damit bis in die entlegenste Ecke mit schwerem Material kommt.
Und wenn es in den verzwicktesten Ecken auch noch spießt, dann schiebt man halt auch noch mit der Hand an, falls es der Obertransport nicht mehr schafft. :lol27:
Weil du auch die Adler 30 anführst - mir scheint, diese beiden Maschinen sind ziemlich gleich. Ich weiß nicht, wer da von wem abgeschaut hat. Das mit dem "Abschauen" hat es anscheinend schon vor mehr als 100 Jahren gegeben.
Eines würde ich mir bei dieser Nähmaschine gerne wünschen, dass sie eine größere Stichlänge als max. 4 mm hätte.
Wegen der Höhe, Stichplatte zum gehobenen Nähfuß, habe ich mir einen weiteren Nähfuß gekauft. Diesem habe ich oben 2 mm weggefräst und statt der seitlichen Bohrung ist jetzt ein Langloch, weil der Nähfuß ja 2 mm höher gestellt ist und das wäre mit der Bohrung nicht möglich gewesen. So habe ich jetzt um 2 mm mehr "Durchlass". Das kann in manchen Fällen sehr nützlich sein, speziell im Bereich Schaft-Brandsohle-Sohle. Auch wenn mehrere Lagen Leder und Innenfütterung zusammenkommen.
Aber aufpassen, wenn da jemand zu fräsen beginnt. Der Nähfuß, den ich gekauft habe, war steinhart. Mit einem kleinen Hartmetallfräser und immer nur 0,2 mm Zustelltiefe hat es wunderbar geklappt.
Grüße Anton
Ps: Aufs Nähen bin ich aus der Not heraus gekommen, weil ich immer wieder was "dickes" zum nähen hatte. Meine Frau hat mich bei der Singer 720 verjagt und in meiner näheren Umgebung ist so gut wie niemand mehr, der gröbere Sachen näht. Traurig aber wahr. Selbst ist der Mann und ich begann mir ein paar etwas schwerere Geschütze, bis auf die 29K mit entsprechenden Defekten zuzulegen. Heute bin ich froh, das getan zu haben.

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