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Spannung Rückwärtsstich
Verfasst: Freitag 9. Januar 2026, 13:46
von stede
Hallöchen liebe Menschen :)
Hab mal eine Frage zu einem Problem das mir beim Schrauben schon öfter begegnet ist.
Bei meiner Bernina 217 und Singer 196k5 hab ich das Problem dass beim rückwärts nähen die Oberfadenspannung immer zu locker ist obwohl beim vorwärts nähen alles ok läuft.
In beiden Handbüchern der Maschinen hab ich nichts spezifisches dazu gefunden.
Kann mir jemand vll. helfen das zu verstehen und zu lösen ?
Wenn ich die Stichlänge ändere muss ich bei beiden Maschinen immer die Oberfadenspannung nachjustieren. (oft auch so 1-2 Drehungen)
Sind die Stichlängen von Vorwärts- und Rückwärtsstich unterschiedlich und deshalb die Spannung zu locker ?
Ist das überhaupt normal dass das Ändern der Stichlänge so ein großen Einfluss auf die Fadenspannung hat ?
Kann es sein dass das Timing der Fadenhebel falsch ist ?
Über Hilfe/Tipps/Webseiten die das Problem erklären/lösen würde ich mich sehr freuen.
LG Stella <3
Ps.: Falls wer zufällig ne Erklärung/Website/PDF etc. hat die ein bisschen in die Tiefe geht wie so das Formen eines Stiches abläuft (mit Fadenhebel und Transporteur bzw. Timing) würde ich mich ebenfalls darüber freuen weil das geht iwie echt nicht in meinen Kopf rein

Re: Spannung Rückwärtsstich
Verfasst: Freitag 9. Januar 2026, 15:22
von Asher
eventuell ist das garkein Maschinenproblem, sondern dem Umschalten von vorwärts auf Rückwärts geschuldet.
Ich hatte erst gestern erstmalig beim Vor-Zurück bei einer Singer 216 "lose Leine" und somit Fehlstiche.
Heut morgen hab ich auch erstmalig beim Laufrichtungswechsel sowas bei Singer 29 gehabt.
In beiden Fällen war das zu nähende Material dasselbe
Re: Spannung Rückwärtsstich
Verfasst: Freitag 9. Januar 2026, 15:50
von dieter kohl
wir sollten uns verinnerlichen, daß die Fadenspannungen bei den Nähmaschinen "FADENBREMSEN" sind
die Transporteinrichtungen haben selbstverständlich Einfluß darauf
Re: Spannung Rückwärtsstich
Verfasst: Freitag 9. Januar 2026, 16:16
von Hummelbrummel
stede hat geschrieben: ↑Freitag 9. Januar 2026, 13:46
Sind die Stichlängen von Vorwärts- und Rückwärtsstich unterschiedlich ... r ?
Wenn die Maschine richtig eingestellt ist, sollten die Stiche in beide Richtungen gleich lang sein. Aber es kann in der Mechanik verstellt sein, hatte ich schon mal an meiner Pfaff 362.
stede hat geschrieben: ↑Freitag 9. Januar 2026, 13:46
Ist das überhaupt normal dass das Ändern der Stichlänge so ein großen Einfluss auf die Fadenspannung hat ?
Nein, das ist meines Erachtens nicht normal und mir fällt dazu auch keine sinnvolle Erklärung ein.
Stimmt die Spannung bei allen Rückwärtstichen nicht (wenn Du mehrere Zentimeter rückwärts nähst) oder betrifft das nur den ersten Stich nach dem Richtungswechsel?
Kann es sein, dass das Problem nicht an der Richtung an sich liegt, sondern am Moment des Umschaltens? Der Stich muss fertig ausgeführt sein (also der Fadengeber wieder ziemlich oben), bevor die Richtung wechselt, sonst ist da noch loser Faden unterwegs, der noch nicht wieder dort ist, wo er hin soll.
Re: Spannung Rückwärtsstich
Verfasst: Freitag 9. Januar 2026, 20:55
von Asher
Hummelbrummel hat geschrieben: ↑Freitag 9. Januar 2026, 16:16
...
Kann es sein, dass das Problem nicht an der Richtung an sich liegt, sondern am Moment des Umschaltens? Der Stich muss fertig ausgeführt sein (also der Fadengeber wieder ziemlich oben), bevor die Richtung wechselt, sonst ist da noch loser Faden unterwegs, der noch nicht wieder dort ist, wo er hin soll.

Danke, das war ansich mein Gedankengang, aber du kannst es deutlich professioneller und verständlicher ausdrücken

Re: Spannung Rückwärtsstich
Verfasst: Samstag 10. Januar 2026, 12:46
von sputnik
Ich nehme an das das mit den Einstellmöglichkeiten bei diesen Maschinen zu tun hat. Eine Nähmaschine wird ja zum Vorwärtsnähen eingestellt und kann dann häufig einige wenige Stiche retour nähen. Bei manchen Maschinen wird Retournähen auch gleich ganz weggelassen weil es immer problematisch oder gar nicht möglich ist. Bei schweren Ledermaschinen begrenzt sich Retournähen häufig auf weniger als 10 Stiche weil spätestens dann der Faden abgerissen ist. Häufig wird auch die Stichlänge für Retournähen kleiner als für Vorwärtsnähen eingestellt. Der Fadenanzug hängt auch mit dem Zeitpunkt des Transportieren zusammen und dieser Zeitpunkt muss natürlich genauso wie die Fadenazugsfeder auch so eingestellt werden dass es für Vorwärtsnähen optimal ist, also möglichst spät transportieren.
Mit dem Umschaltzeitpunkt hat es nichts zu tun, weil auf den praktisch nie geachtet wird ... entweder manuell und zufällig, oder automatisch nach gewünschtem Aussehen des Riegels und nicht nach Zeitpunkt. Verriegelt wird normalerweise ja noch mit voller Geschwindigkeit.
Herzliche Grüsse vom Sputnik
P.S.: Es gibt einige wenige Maschinen wo der Fadenanzug konstruktionsbedingt sehr schlecht ist. Je nach Faden (elastisch?) und Nähgut (flattert?) kann man dann nur mehr mit allen Tricks versuchen einen brauchbaren Fadenanzug zu realisieren. Ob das bei diesen Maschinen zutrifft kann ich nicht beurteilen. Ich würde in so einem Fall einmal versuchen die Maschine nach bestem Wissen und Gewissen neu einzustellen. Wie schaut der Nähfuß, die Stichplatte und alle den Faden berührenden Teile aus? Verschmutzte Spannung oder Spulenkapsel? Richtig eingefädelt? Die Bewegung des Fadenanzugshebels kann meistens nicht verstellt werden. Wenn notwendig kann man nur die Federspannung und den Weg der Fadenanzugsfeder einstellen. Bei unterschiedlichen Stichlängen sollte sich die Spannung nicht oder kaum merklich verändern.
Re: Spannung Rückwärtsstich
Verfasst: Samstag 10. Januar 2026, 15:55
von Asher
ok, bei mir wars besonders fester Stoff, dreilagig.
Und "rückwärts": bei 216 Schalter auf Rückwärts, bei 29 bei gehobenem Fuß diesen in andere Richtung gedreht
Re: Spannung Rückwärtsstich
Verfasst: Samstag 10. Januar 2026, 16:08
von sputnik
Ich verstehe Deine Worte nicht ganz ... aber wenn bei festem Stoff die Nadel eine Spur zu dünn ist, oder der Kolben bereits ins Nähgut taucht kann der Faden von keiner Nähmaschine mehr richtig angezogen werden. Abgesehen davon sollte bei den meisten Maschinen die Fadenanzugsfeder für dünnes und dickes Material anders eingestellt werden.
Bei extremen Materialien ist es auch wichtig Leder mit einem Ledergreifer und Stoff mit einem Stoffgreifer zu nähen weil sich diese, vor allem auch wegen dem Fadenanzug, konstruktiv unterscheiden. So ist z.B. beim Ledergreifer die Gegenspitze länger.
Und wenn Du das Nähgut drehst wenn die Maschine gerade kurz vor Schlingenhub steht, drehst Du damit die Schlinge weg und der Greifer kann sie nicht mehr erwischen.
Re: Spannung Rückwärtsstich
Verfasst: Samstag 10. Januar 2026, 16:38
von Asher
ups...das mit dem Greifer war mir neu.
Meine Singer 15-39, 29 und 34 sind auch alle Maschinen, bei denen der Greifer gleich ist, egal was
Re: Spannung Rückwärtsstich
Verfasst: Samstag 10. Januar 2026, 18:44
von sputnik
Ich weiss leider nie welche Greifer in welcher Singer eingebaut sind weil ich sie nicht kenne.
Meine Worte beziehen sich meistens auf Industriemaschinen mit Umlaufgreifer. Da ist es eben so das es Unterschiede gibt.
Wie das bei Maschinen mit CB-Greifern oder bei Schuhreparaturmaschinen mit oszillierenden Greifern ist weiss ich nicht.
Das mit dem Fadenanzug ist bei Nähmaschinen mit doppelt umlaufenden Greifern immer ein Zeitproblem. Der Fadenhebel hat in der Drehbewegung der Maschine nur wenig Zeit zum anziehen des Fadens zur Verfügung. Deshalb auch die Empfindlichkeit mit der Transporteinstellung. Transportiert die Maschine zu früh geht es sich für den Fadenanzugshebel oft nicht oder nur schlecht aus den Stich richtig fest zu ziehen. Deshalb stellt man den Transport so spät wie möglich ein, damit der Transport in der entscheidenden letzten Phase mithilft die Verknotung fester zu bekommen. Je nach Konstruktion der Maschine (Abhängig von Greifer, Fadenhebelantrieb, Nähgeschwindigkeit ...) geht es sich manchmal besser und manchmal schlechter aus. Man kann auch nicht unendlich schnell und fest am Faden ziehen weil der sonst abreissen würde. Immer im Hinterkopf behalten dass
eine Stelle des Fadens bei normalen Maschinen
etwa 80x das Nadelöhr passiert.
Das ist auch bei starken, festen, dicken Material das Problem das sich der Faden durch die Belastung aufdreht ... und wenn er einmal soweit aufgedreht ist dass der Greifer zwischen die einzelnen Strähnen stechen kann reisst zwangsweise eine ab, schiebt sich zusammen und der Faden reisst in weiterer Folge ab. Beim Retournähen ist dieser Aufdreheffekt nochmal viel stärker. Deshalb gehen sich z.b. bei dicken Ledergürteln oft nur ganz wenige Retourstiche aus ohne dass der Faden reisst oder die Nadel abbricht.
Manchmal kann man sich mit dickeren/speziellen Nadeln helfen, manchmal hilft wachsen/ölen ein wenig mit, manchmal ist der Wechsel zu einem anderen Faden besser.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang die richtige Drehung des Fadens, wie herum man die kleinen Spulen auf den Garnständer stellt (bei deutschen Herstellern immer so dass man die Beschriftung lesen kann), dass die Fadenführung optimal verläuft (Garnständer zieht nicht genau senkrecht nach oben ab, keine rauhen Stellen/Schwergängikkeit im Fadenweg. Presserfuss, Stichplatte, Greifer), Qualität (keine reinen Baumwollfäden wie Kette oder Schrägkette) und Zustand/Alter des Fadens (ein Faden der ein Monat auf/neben einem Heizkörper stand ist für Industriemaschinen nicht mehr verwendbar). Manchmal baut man dann Maschinen auch auf andere Spannungen (z.B. Rollenspannung) oder andere Greifer um. Bei den Nadeln gibt es für extrem dickes Material manchmal die Option KK (=kurzer Kolben) oder auch Versionen mit verlängerter und etwas dickerer langer Rille.
Was in der Industrie schwierig aber gut zu analysieren ist (wenn das ganze Jahr 8 Stunden täglich derselbe Gürtel genäht wird merkt man schnell ob ich von dieser Nadel täglich 10 Stück oder mit jener anderen nur 2 Srück brauche) ist natürlich für Dich als wenig nähender natürlich schwer nachvollziehbar (wenn Du kein extremer Lederfetischist bist). Bei den Gürteln waren mit allen Tricks maximal 5 Retourstiche möglich. Bei 8 Retourstichen hatten wir (auch durch Klebstoffreste in der Rille) bereits mehr als doppelt soviele Nadelbrüche. Am schönsten fand ich immer meine grossen Stickereikunden ... da probiert man einfach auf 5 Maschinen mit 140 Nadeln die Nadel von Hersteller/Typ X aus und auf den nächsten 5 Maschinen daneben von Hersteller/Typ Y. Damit hat man in wenigen Tagen ganz eindeutige Ergebnisse welche Nadeln für diesen Zweck/Motiv/Faden die bessere ist.
Doch nun genug der Worte ...
lasst und nähen gehen
