raketenmann hat geschrieben: Montag 22. Juni 2026, 22:02
Mit einlagig meinst du, wenn ich nicht wie üblich mindestens zwei Lagen zusammennähe, sondern einfach nur über einen Stoff (eine Lage) rübersteppe?
Ja. Wie ist das denn bei der Nähprobe, die Du fotografiert hast. Vermutlich einlagig?
Dass das ein Geschirrtuch ist, habe ich jetzt tatsächlich nicht erkannt, ich dachte an Outdoorstoff. Wie lang ist denn der Stich? Stichlänge?
Wenn Du Nähproben machst, dann am besten immer auf doppelt gelegtem Stoff.
raketenmann hat geschrieben: Montag 22. Juni 2026, 22:02
Müsste ein sauberer Geradstich nicht auf beiden Seiten gleich aussehen, wenn die Fadenspannungen richtig eingestellt sind?
Hier ein paar nicht ganz gut sortierte Gedanken dazu:
- Mehr oder weniger Ja. Aber das ist tatsächlich auch ein bisschen von der Maschine abhängig (bei manchen mehr, bei anderen weniger) und ich möchte behaupten, dass ich bei den meisten Nähten per Augenschein sagen könnte, wo beim Nähen oben und wo unten war, wenn ich das Stück in die Hand bekomme.
- Die Theorie besagt, dass sich die beiden Fäden in der Mitte des Nähguts verschlingen sollen. Bei zwei-oder mehrlagigem Stoff ist da auch mehr Platz für die Verschlingung.
- Einen weiteren Einfluss auf die Optik der Naht hat die Drehung des Garnes. Es gibt Z- und S- gedrehte Garne (rechtsrum, oder linksrum, aber ich habe gerade nicht parat, was derzeit die Norm ist, das findest Du selbst raus, falls es Dich iunzteressiert. Die meisten sind gleich, es gibt aber Ausnahmen, speziell auch gerne bei älteren Garnrollen.). Bei manchen ist die Drehung leichter zu erkennen, bei anderen weniger gut, das hängt auch davon ab, wie viele Fäden miteinander versponnen wurden und wie dünn diese Einzelfäden sind usw.
Bei Deinem Garn ist die Drehung sichtbar und, soweit ich das erkennen kann, hat es Z-Drehung.
Wenn das schon auf einem unscharfen Bild erkennbar ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich auch auf das Nahtbild auswirkt. Es ist quasi so, als würdest mit einer Kordel nähen und in der Naht ist die Kordelstruktur erkennbar. Nimm dünneres Garn oder gleichdickes Garn, dass aus mehr dünneren Einzelfäden gezwirnt wurde und die Drehung weniger gut sichtbar ist und vergleiche die Nähte.
- Vor allem bei horizontalen Garnrollenhaltern kann es auch eine Rolle spielen, wie rum die Garnrolle draufsteckt (So, dass das Garn noch oben oder nach unten abrollt). Beim Abwickeln wird die Drehung entweder vermehrt oder herausgenommen. Bei glatten Garnen spielt das keine so große Rolle, aber bei so einem wie Deinem grünen könnte das schon zusätzliche Effekte bringen (falls man es so genau wissen will).
Du kannst Dir das Phänomen verdeutlichen, wenn Du ein Schneidermaßband aufrollst und ein Ende nach oben wegziehst: Da kommt Drehung rein. Falls dann Band vorher in die andere Richtung verdreht gewesen wäre, wäre sie rausgegangen.
- Stoffe für Geschirrtuch und Jeans unterscheiden sich deutlich in ihrer Webart: Geschirrtuch ist in Leinwandbindung gewebt, Jeans (Denim) in Köperbindung.
Puh, jetzt habe ich einen halben Roman geschrieben. Hoffe, es ist nützlich.
Viele Grüße
Nachtrag: Ich habe versucht, in Deinem Foto die Drehung des Garns zu verdeutlichen, wobei mein Blick auch nochmal auf das Gewebe fiel. Es ist nicht sehr gut erkennbar, aber es sieht in dem Ausschnitt weder nach Leinwandbindung noch nach Köper aus, eigentlich eher wie gewirkt, was für Geschirrtücher aber nicht typisch wäre ...
Bildschirmfoto 2026-06-23 um 08.38.07.png
oder irgendeine Art Piquet (oder waffelpiquetähnlich, so tief kenne ich mich das aber nicht aus)
Nimm unbedingt einen einfachen "normalen" Baumwollstoff doppelt und ein normales Gern, um festzustellen, ob die Maschine richtig näht!