nach langer Abwesenheit melde ich mich mal mit einem Fundstück und Fragen zu diesem jüngst erworbenen Schätzchen zurück (nur mal kurz NäMa-Anzeigen angucken ist keine gute Idee, wenn man keine Maschinen mehr dazu holen will. Also eigentlich ...)
Hat jemand Anleitungen oder Informationen zur Anker G für mich? Ich finde einfach nichts im Netz. Außer einer einzigen Information bei naehantik: "1909 ANKER G kein Erfolg"
Tisch und Maschine brauchen noch viel liebevolle Zuwendung. Wegen Rost und extremer Trockenheit mag ich da aktuell nichts bewegen. Aber neugierig gucken ging schon mal. Die Fotos habe ich direkt nach dem Ausladen gemacht ... noch mit dem Staub und Dreck der Jahrzehnte.
Die Seriennummer lautet 1.170.031. Nach der Seriennummernliste im blauen Forum müsste die dann zwischen 1938 und 1941 gebaut worden sein. Das passt aber nicht zum Eintrag bei Naehantik von 1909

Das Schätzchen hat einen gleichförmigen, umlaufenden Fadengeber (wie bei z.B. der Phoenix MM). Den hatte ich auf dem wirklich dunklen Anzeigenfoto erahnt und drauf gehofft. Googeln nach "Anker G" brachte ja nichts. Aber er war tatsächlich da

Die Übertragung der Drehbewegung von der unteren auf die obere Greiferwelle erfolgt über einen gelochten Riemen. Laut Phoenix war diese Art der Übertragung eigentlich für Kraftmaschinen konstruiert (Riementrieb mit seiner hohen Spannung bewirkt wohl schleppenden Gang der Maschine, der für Fußbetrieb ungeeignet ist).
Diese Anker G steht aber auf einem wirklich schönen gusseisernen Nähmaschinentisch mit hölzerner Pleuelstange und riesigem Antriebsrad. Und so einem schönen Fußpedal

Der Tisch ist deutlich stabiler gebaut, als die "normalen" gusseisernen Gestelle von Singer, Pfaff und Co. Das beides weist ja eher auf eine Maschine für den gewerblichen Bereich hin. Da dürfte einiges Tempo möglich sein. Dazu passt auch das wirklich kleine Handrad, das aber nicht geschlossen ist. Die Finger dürften trotzdem safe sein. Der Tisch hat kein Firmenlogo. Ob der und die Maschine zusammen gehören? Laut Verkäufer hat die Mutter als Schneiderin darauf genäht. Die Maschine müsste aber irgendwann gebraucht angeschafft worden sein. Die Maschine ist sehr schwer ... 14,9kg und steht durch Ihr Eigengewicht im Tisch und in den beiden Halterungen (ungeschraubt), die erst beim Kippen wirken.
Wenn ich das Teil bei der Nadel richtig interpretiere, hat die Maschine so etwas wie einen Obertransport? Hmmm ....
An der Rückseite, schräg versetzt zur Nadelstange befindet sich eine Art "Miniwanne", deren Sinn sich mir bisher noch nicht abschließend erschlossen hat. Könnte das eine Art einfacher "Dochtschmierung" sein? Die ist mit zwei Stückchen altem Stoff ausgestopft. Ob dahinter ein Docht/Filz ist oder war kann man nicht wirklich erkennen.
Unterm "Röckchen" gibt noch mehr interessantes zu entdecken. Da schaut ein kleines Messingsröhrchen heraus. Könnte das Teil einer einfachen Ölschmierung sein? Zum Ablaufen überschüssigen Öls? Unter der Maschine ist allerdings keine Auffangvorrichtung o.ä. vorhanden ....
Die Maschine hat einen frei umlaufenden Brillengreifer; die Unterfadenspule steckt auf einem Zapfen im Spulengehäuse. Der Austausch des Unterfadens geht nur bei geklappter Maschine und ist echt umständlich, weil gaaaanz wenig Platz ist. Keine Ahnung, wie man das davor sitzend hinbekommt. Vielleicht braucht es nur geübte Finger. Sehr kleine, zarte allerdings

Alles in allem hat die Nähmaschine einige Parallelen zur Phoenix MM. Warum die Anker G jetzt genau ein Misserfolg war? Vielleicht gab es zu der Zeit einfach schon bessere, leichter zu bedienende Maschinen. Ich mag die Optik von Tisch und Maschine. Wenn ich jetzt noch ein paar der Geheimnisse dank Euch lüften könnte ...