Dürkopp 291 für offene Werkstatt

Fragen und Antworten zu Nähmaschinen von Adler, Dürkopp und Dürkopp Adler.
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Flickflak
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Re: Dürkopp 291 für offene Werkstatt

#21 Beitrag von Flickflak »

Achim (js_hsm) hat geschrieben: Montag 2. Februar 2026, 19:34 Wenn Du bei Leder mit der Schneidspitze 1:1 rückwärts nähst ist die Chance groß das die Nadel das Garn verletzt.
Ich habe auf leatherworker.com gefragt, ob jemand anderes dieses Problem kennt. Zwei weitere erfahrene Nähmaschinenbenutzer haben es bestätigt, du bist also nicht allein mit deiner Beobachtung, Achim:
https://leatherworker.net/forum/topic/1 ... -a-problem
Ich werde bei Gelegenheit einige Tests durchführen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Ich habe aber ein Problem mit der Maschine, bei dem ich auf Ihre Hilfe hoffe. An einem bestimmten Punkt im Nähzyklus ertönt ein ziemlich lautes Klicken. Ich habe die Quelle des Geräusches gefunden und vermute, dass etwas nicht stimmt. Hier ist ein Foto des Greifers. Gegenüber dem Greifer befindet sich innen eine weitere Spitze:
291 hook1.jpg
Wenn der Fadenhebel den letzten roten Faden hochzieht, verhakt sich dieser an dieser Spitze, wie auf dem Foto zu sehen ist:
291 thread lock1.jpg
Die Fadenspannung ist hier recht hoch, und die Nadel verbiegt sich dadurch leicht. Wenn sich der Faden schließlich von der Spitze löst, ertönt dieses Klicken aus der Nähmaschine. Könnte dies ein korrektes Verhalten sein?

Grüß, Viggo
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Achim (js_hsm)
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Re: Dürkopp 291 für offene Werkstatt

#22 Beitrag von Achim (js_hsm) »

Über diese Gegenspitzen wurde hier schon öfter diskutiert.
https://www.naehmaschinentechnik-forum. ... egenspitze
Manche habe sie einfach abgeschliffen biggrin

Sputnik wird da sicher genaueres zu sagen könne.
Gruß, Achim

Der Maschinen(um)bauer
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sputnik
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Re: Dürkopp 291 für offene Werkstatt

#23 Beitrag von sputnik »

Die Gegenspitze ist je nach Material unterschiedlich lang.
Deshalb gibt es auch Greifer für Leder und Greifer für Stoff ... und die alle noch für unterschiedliche Fadenstärken etc..

Für die schweren Adler habe ich, wenn ich zu einem Kunden fuhr den ich nicht kannte, für EINE Maschinenklasse ~10 unterschiedliche Greifer mitgenommen damit ich für alle Eventualitäten gerüstet bin.

Für die Pfaff 138 gab es mindesten 6 unterschiedliche Greifer ... für die schweren Adler über 10.

Was man kontrollieren sollte (probieren kann) ist die Einstellung der Fadenanzugsfeder und der Spannungen. Eventuell auch dickere/andere Nadel/dünneren Faden und/oder Fadenschmierung oder eine andere Fadenspannung (Rad-/Rollenspannung statt Scheibenspannung). Für eine dickere Nadel muss natürlich auch Fuss und Transporteur passen ... etc..

Die Gegenspitze verhindert das die Nadel den Faden zersticht. Das ist sehr stark von Material, Faden und vom Fadenanzug(-abzug) abhängig.
Das ist auch ein Grund warum heute noch Ringschiffmaschinen produziert werden, weil beim Ringschiff die Nadel beim Fadenanzug das genähte Material bereits verlassen hat und damit mehr Platz für den Faden ist. Weniger Reibung = weniger Stress für den Faden = weniger Gefahr für Knotenbildung oder Aufdrehen = schönere gleichmässigere Naht und glatterer Faden.

Beim Umlaufgreifer hilft man sich mit unterschiedlichen Greiferspitzen, Gegenspitzen und Fadenleitblechen, kann aber die Vorzüge des Ringschiffs nie erreichen. Dafür ist die Nähgeschwindigkeit beim Umlaufgreifer mindestens doppelt so schnell, weil er ja keine oszillierende Bewegung wie das Ringschiff macht.

Ein guter Greifer für eine schwere Maschine kann bis über 1000,- kosten, weil da sehr viel Wissen und Handarbeit erforderlich ist. In der Greiferpoliererei können nur die ältesten (= teuersten) Mitarbeiter mit der längsten Erfahrung arbeiten. Die sind schwarz vom Dreck wie die Rauchfangkehrer (= Kaminfeger). Die schleifen, polieren und überprüfen die Geifer stundenlang mit grossen optischen Messmaschinen/Konturprojektoren bis sie die gewünschten/erforderlichen Formen für EIN bestimmtes Material erreicht haben.
Gegenspitze.jpg
Herzliche Grüsse vom Sputnik

P.S.: Wenn man die Gegenspitze abschleift kann es auch sein das man den Greifer gar nicht mehr verwenden kann.

P.P.S.: Zum Rückwärtsnähen: Schwere Maschinen können kaum rückwärtsnähen. Bei dickem Material vielleicht (= nicht sicher) 5 - 10 Stiche. Generell sind Nähmaschinen für vorwärtsnähen konstruiert. Deshalb hatten auch viele frühe Maschinen gar nicht die Möglichkeit retour zu nähen. Viele erfahrene Schneider verwenden auch heute kein retournähen weil sie um die Gefahr von Beschädigung des Werkstücks bis hin zur Zerstörung der Maschine wissen.
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Dürkopp 291 Hausübung (wie in der Schule)

#24 Beitrag von sputnik »

Servus Viggo,

Deine Hausübung für heute biggrin :

Photos:
Nähgut von links schräg oben mit Nadel in Tiefstellung (damit man auch die lange Rille und den Nadelkolben sieht)
ein Photo wie das zweite mit den Fäden am Gegenspitz aber mit Fuss und kompletten Greifer (damit ich auch den Kapsellüfter sehe)
gerne auch in anderer Stellung und anderer Blickwinkel

Um welches Material handelt es sich?
Welche Nadel?
Welcher Faden?

Dann kann ich Dir schon ersten Aufgaben zum ausprobieren sagen.

Grüsse vom Sputnik
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Re: Dürkopp 291 für offene Werkstatt

#25 Beitrag von Flickflak »

Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.

Als hier im Forum zuletzt über die Gegenspitze geschrieben wurde, erwähnte ich, dass Renters in Band 1 darüber berichtet hatte. Leider hatte ich das inzwischen völlig vergessen...

Die Nähmaschine steht etwa 5 km von mir entfernt, und ich bin mir nicht sicher, ob ich heute noch weitere Fotos machen kann.

Ich habe auch noch nicht überprüft, ob das Timing stimmt; vermutlich kann auch eine zu späte Greiferbewegung das Problem verursachen.

Die obigen Bilder zeigen Serafil 20 Nähgarn, genäht in 6 Lagen 0,55 mm dickem LKW-Plan-Faden und mit einer Nähmaschinennadel der Größe 140, 134-35 mit normaler Spitze. Die Nadel ist diese:
https://shop.scanteam.dk/products/nale- ... s=e&_v=1.0
Die Nähmaschine näht hier einwandfrei, vielleicht bin ich aber auch einfach nur etwas empfindlich.

Die Nähmaschine soll mit bis zu 1100 Stichen/min, meist jedoch langsamer, betrieben werden. Die Garnstärke liegt zwischen 20 und 40, eventuell auch 15, also Tex 70-135 (205). Hauptsächlich wird Amann Serafil, eventuell auch Serabond verwendet. Vernäht werden sollen LKW-planen, Segeltuch, Leder, Canvas und dickes Band. Das Einsatzgebiet ist also breit gefächert, und ich hoffe, dass die Maschine mit Greifer dafür geeignet ist. Es handelt sich um eine offene Werkstatt ohne Serienproduktion und ohne hohe Qualitätsansprüche. Sollten wir auf bestimmte Optionen verzichten müssen, können wir damit leben.

Der Motor kann kurzzeitig ein Drehmoment von bis zu 8,5 Nm an der Nähmaschine bzw. 50 kg an der Nadel liefern. Im Normalbetrieb wird dieses Drehmoment jedoch auf 40 % gedrosselt, um die Nähmaschine vor Überlastung durch unerfahrene Benutzer zu schützen.

Ich habe auch weitere Fragen auf Lager biggrin

Grüß, Viggo
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sputnik
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Re: Dürkopp 291 für offene Werkstatt

#26 Beitrag von sputnik »

Servus Viggo,

es freut mich wenn Du empfindlich bist und fragst bevor Du sie zerstörst. biggrin
Irgendwie habe ich im Lauf der Jahrzehnte eine gewisse "Empathie" für Nähmaschinen entwickelt.

Das Material hätte ich dicker eingeschätzt ... aber das sollte schon funktionieren.
Möglicherweise hängt Dein Eindruck dass sich die Maschine quält auch damit zusammen dass der Motor duch die Drosselung die Leistung zurückregelt.
Bitte auch um Infos um welchen Motor es sich handelt.

Was Du sonst berichtest klingt gut.
Ich denke es sollte sich eine Einstellung finden lassen mit der die meisten der Aufgaben gut gelöst werden können. Einzelne Vorhaben werden immer schwierig bleiben, oder es wird besser sein das zu vermeiden um die Maschine nicht zu beschädigen. Rückwärtsnähen ist bei solchem Materialien häufig ein Problem. 5 Stiche gehen meistens, 10 Stiche dann oft schon nicht mehr. Wenn dann noch Klebstoff- oder andere Rückstände an der Nadel haften wird es nochmal schwieriger.

Die meisten Maschinen haben heute Umlaufgreifer, aber Industriemaschinen werden auch fast immer für einen Arbeitsgang optimiert. Da müssen wir versuchen eine möglichst universelle Lösung zu finden. Wenn Du Zeit und Muße hast wäre auch ein ganz kurzes Video (~ 3 Stiche) aus änlichem Blickwinkel wie auf dem zweiten Photo bei ganz langsamer Geschwindigkeit hilfreich. Das mit dem Geräusch muss kein Problem sein. Was das "hängenbleiben" verursacht ist eine andere Frage. An dem Greifer (Gegenspitze) würde ich erstmal nichts verändern ... das wäre für mich dann erst die letzte Notlösung.

Das klicken kann die Nadel, der Faden, der Kapsellüfter oder die Fadenanzugsfeder verursachen. Das kann ganz normal sein oder auch nicht. Mit den dicken Fäden können schon extreme Kräfte übertragen werden.

Ich weiss jetzt nicht genau was Du schon alles gemacht hast und in welchem Zustand die Maschine ist. Wenn auf dieser Maschine früher auch so dicke Fäden verarbeitet wurden solltest Du auf jeden Fall auch alle fadenführenden Teile genau kontrollieren. Ich hatte Kunden die pro Jahr drei Spannungsbolzen, Fadenhebel etc. brauchten weil sie tief eingeschnitten waren. Manche Maschinen kann man dann auf Rad-/Rollenspannung umbauen. Auch die Spannungsscheiben und den Greifer solltest Du einmal zerlegen und genau überprüfen. Einstellung und Zustand der Fadenanzugsfeder könnte ein wichtiges Thema sein. Häufig sind es auch winzige Kleinigkeiten welche man leicht übersieht und die dann grosse Probleme verursachen können (z.B. die Spule am Garnständer).

Hast Du schon eine passende Gebrauchsanleitung, Einstellanleitung und Teileliste für die Maschine?

Vor wenigen Tagen hatte hier auch jemand ein Problem mit einer schweren Maschine, wo eine neue Stichplatte ganz einfach nicht gepasst hat.

Ich denke aber mit Deinem Ehrgeiz, Interesse und Geduld und unserem kollektiven Fachwissen sollte sich eine gute brauchbare Lösung finden lassen.

Liebe Grüsse vom Sputnik
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Re: Dürkopp 291 für offene Werkstatt

#27 Beitrag von 3607 »

rubberduck hat geschrieben: Mittwoch 4. Februar 2026, 22:21 so nimmt man sie Nadel raus, schärft die Spitze und dann geht´s weiter.
Hallo Rubberduck, ich hab da mal eine Frage:

WIE machst du das? (und ich meine nicht "die Nadel raus nehmen" sondern den 2. Teil des Satzes)

Nennt mich ruhig "knausrig" - aber ich denke oft, ein bisschen fühlbaren Grat an der Spitze kann man doch leicht abziehen....ehrlich gelungen ist mir das fast noch nie - man hört, wenn die Nadel auf den Stoff trifft und die Spitze nicht ganz ok ist!

Grüße

sputnik
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Re: Dürkopp 291 für offene Werkstatt

#28 Beitrag von sputnik »

Auch das muss man üben wink und es geht auch nicht immer brauchbar.

Ich fuhr früher häufig mit dem Motorrad und zu Kunden ... und wenn ich dann dort keine neue Nadel hatte und die alte einen Haken an der Spitze, legte ich die Nadel mit dem Haken nach oben auf die Schieberplatte (falls vorhanden besser Schraubstock oder Stahlklotz) und drückte mit einen kleinen Schaubenzieher hinter dem Haken auf die Nadel und zog die Nadel unter dem Schraubenzieher heraus. Dadurch wird der Haken wieder zurückgebogen. Eventeuell nachher noch auf Polierleinen oder feinstem Schleifpapier ein wenig in Einstichrichtung glätten. Als Notlösung oft hilfreich. Es besteht aber immer auch die Gefahr dabei dass man damit das Nähgut beschädigt/zerstört.

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Re: Dürkopp 291 für offene Werkstatt

#29 Beitrag von Flickflak »

Hallo nochmal!

Ich habe jetzt Fotos und ein Video gemacht und hoffe, dass sie hilfreiche Informationen liefern.

Hier ist ein zweiminütiges Video, in dem die Maschine von Hand bewegt wird:
https://youtu.be/5fmdezeTUKk

Hier ist ein weiteres zweiminütiges Video, in dem der Motor langsam läuft. Anschließend erzähle ich etwas über die Spulen und die Geschichte der Nähmaschine.
https://youtu.be/fqt6h9xXsCw

Ich glaube, das Klicken war gestern lauter, und ich weiß nicht warum, aber heute ist es nicht mehr so ​​schlimm. Man hört es aber immer noch deutlich.

Hier ist das Foto, das Sputnik von links mit der Nadel in der untersten Position angefordert hat:
291 Needle lowest1.jpg
Beim weiteren Auseinandernehmen kam ziemlich viel Schmutz zum Vorschein, der noch nicht vollständig entfernt ist. Hier ist ein Foto vom Timing. Ich glaube, der Greifer kommt etwas zu spät. Eine Justierung hier könnte das Problem beheben:
291 Timing position1.jpg
Hier ist noch ein Foto vom Greifer und Gegenzack. Ist der Gegenzack so geklemmt, dass er justiert werden kann?
291 Greifer und Gegenspitze1.jpg
Der Motorantrieb ist ein selbstgebauter Viggo-Antrieb mit der Seriennummer 3 wink. Er erzeugt nicht die Klickgeräusche, sondern der Kommutator des Gleichstrommotors macht ein leises Kreischen, das im Video zu hören ist. Ich kann Ihnen dazu einige Bilder zeigen:
291 Motor3.jpg
291 Motor2.jpg
291 Electronics1.jpg
Der Vorteil dieses Antriebs liegt in seinem sehr großen Geschwindigkeitsbereich von 3 bis 1100 Stichen/min, der sich auch mit dem Fußpedal gut steuern lässt. Er ist nach dem gleichen Prinzip aufgebaut wie in diesem Video:
https://youtu.be/w9AfNjH3q4Y

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