Adler 199-6

Fragen und Antworten zu Nähmaschinen von Adler, Dürkopp und Dürkopp Adler.
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saumseliger
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Re: Adler 199-6

#11 Beitrag von saumseliger »

Mir wird die Sache auch immer schleierhafter.

sputnik, bei Deinem Bild scheint mir die Feder nicht besonders kurz zu sein,
sondern auch mit dem Bügel zu kollidieren oder sagen wir: aufzuliegen.
Ist das eine optische Täuschung?

Ich hatte bei Ashers Maschine den Bügel demontiert.
Mag sein dass die Feder nicht original ist, aber an der Aufnahme für die FAF
ist ja ein Anschlag vorgesehen (der btw nicht verstellbar ist):
die ins Blech gebogene "Nase", die die Feder nie erreicht hat, weil der Bügel im Weg war.

Die 199-6 im NäMa-Verzeichnis hat (als offensichtlich jüngere Maschine) überhaupt keinen Bügel, aber der Rest der Vorspanner- und Federei
ist ziemlich identisch, da sieht man auch den ins Blech gedrückten Anschlag. Die Feder macht allerdings
auch keinen ganz taufrischen Eindruck.

Und die Idee mit dem Bügel als etwas variablen Anschlag kommt mir auch immer seltsamer vor,
denn auf die Art bleibt für die Feder ja kaum noch Weg, um den Faden in der entscheidenden Phase
in Schach (= unter Spannung) zu halten.

Ich werd' aus dem Kram nicht schlau.

Morgen mach ich mal 'n Foto von der 189.

tschö

der gert
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Asher
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Re: Adler 199-6

#12 Beitrag von Asher »

also der Farbe nach soll meine 50er, die andere 60er sein.
(Brille putzen hilft, ist genua da, im NäMa beschrieben)
Aber die auf NähMa hat zumindest noch ein Loch, was für festen Bügen sein könnte.

Und die Feder scheint selbe Länge wie meine.


Hier scheint sie auch wie meine zu sein, nur schon unter Spannung:
https://www.naehmaschinentechnik-forum. ... &mode=view

*drankleb*
ich weiss nicht, woher NaMa die Nadelangaben hat,
In der direkten Nennung der 199-6 steht 265, (auch für 199-2, 21, Modell 21G hat 134KK, 105 und 106 haben 287H)
im weißen Handbuch steht (ohne Unterklassenangabe) 265 und 134 KK
im rosanen Handbuch steht (ohne Klassenangabe) 1738 und 1738 AK

ach wie lustig, im weißen Handbuch handschriftlich "umgestellt 134-35, dann "sicher zurückgestellt denn drin Schmetz 100 (134?)", dann noch 135X17.
...und nicht mal klar, ob die Dinger wirklich zu dieser Mühle gehörten boewu
Singer: IF, 15 home (-22,K26,-30,41), 15 industrial (15xx,15-31,15-39,15H526), 18-2, VS (VS3, VS3-28 Übergang, 28, 39,128, 127),
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Asher
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Re: Adler 199-6

#13 Beitrag von Asher »

@Sputnik

biggrin
öhm wir beide liegen richtig.
Die Feder ist tatsächlich etwas länger.

Aber bei genauem Hinsehen fällt auf,
dass deine Feder auch aufzuliegen scheint
20260810_075140.jpg
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saumseliger
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Re: Adler 199-6

#14 Beitrag von saumseliger »

So, Ihr Lieben!

Es war nicht gerade eine schlaflose Nacht, aber ich habe bis zum Augenzufallen den Renters studiert (einbändige Auflage).
Und ich bin auf eine für mich hinreichende Erklärung gekommen, nachdem ich auch noch verschiedene andere Quellen gewälzt habe.

Die Fertigung der 99 (als Vorgängermodell) lief 1953 aus, die der 199 1965.

Die 199 hatte wohl mindestens eine Modellpflege.
Hinweis: der Fadenumlenkbügel an der früheren (Ashers) und der nicht vorhandene im NäMa-Verzeichnis.

Asher hat schon auf das Loch bei der NäMaVz-Maschine hingewiesen.

Ich habe ein Angebot in den Kleinanzeigen gefunden, wo eine 199 mit einer einfachen Fadenspannung
(= Fadenspannungsscheiben und FAF kombinert) angeboten wird.
Hier ist ein Bügel montiert! Aber im Loch und nicht an der Drückerstange.

Die Anleitungen (99, 199) beziehen sich aber immer auf Fadenspannungsplatten mit mehreren Spannungen, sei es für Biesen
oder um für Knopflöcher nicht alles verstellen zu müssen. Hier sind logisch Fadenspannung und FAF getrennt untergebracht.
Daher lassen die den Bügel immer erfolgreich aus, weil die (immer nötige) Umlenkung des Fadens am kleinen Haken vor der Fadenanzugsfeder passiert
(die dann auch andersherum orientiert gewickelt ist).

Damit habe ich für mich eine Erklärung, warum es die Unterschiede gibt.

Inwieweit die Montage des Umlenkbügels an der Drückerstange notwendige Differenzierung
der Ansprache der FAF bringt, oder ob man den einfach bei Ashers Maschine abschrauben könnte:
keine Ahnung.

Und wie versprochen, hier noch ein Bild von meiner 189AB:
Ader-189-FAF.png
Hier ist kein Bügel am Start, aber die Variante mit nur einer Fadenspannung gibt es auch laut Handbuch,
dazu wird einer extra am Gehäuse angeschraubt.

Und @sputnik, Du hast absolut recht: der Grund für all das ist die Fadenanzugsfeder, bzw. ihre angemessene Ansteuerung
und damit die ordnungsgemäße Funktion.

tschö

der gert

PS: Ja, ich weiß, der Faden ist oben rechts nicht zwischen den Scheiben. Wird sofort korrigiert ;-)
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sputnik
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Re: Adler 199-6

#15 Beitrag von sputnik »

Erstmal kurz und prägnant zu Deinen Forschungsergebnissen:
Klar kann man den Bügel abmontieren.

ABER:
  • Man macht sich in unserem Fall, wenn man sehr unterschiedliche Sachen in kleinen Mengen näht, das Leben wesentlich schwieriger, weil die automatische Materialstärkenkorrektur wegfällt. Dadurch steigt dann die Fehlerhäufigkeit wie Fadenbruch oder unsaubere Spannung.
    Bei Industriemaschinen wurden solche "Einrichtungen für Haushaltsmaschinen" weggelassen weil sie unnötig sind. Da wird eine Maschine ihre gesamte Lebensdauer für EINE einzige Naht auf nahezu identischem Stoff benutzt. Da gibt es auch keinen versenkbaren Transporteur oder die FAF Schnellverstellung wie bei den älteren Pfaff Gewerbemaschinen. Ich habe bei einer meiner Exfirmen die Fadenanzugsfeder dann immer (alle zwei-drei Tage) händisch zum Material passend eingestellt. Geht ja je nach Maschine und Übung auch relativ schnell und einfach. Aber möchte ich das zu Hause auch machen müssen/sollen?
  • Ausserdem ist die Fadenanzugsfeder trotzdem zu lang und dadurch zu schwach. Die längere Feder hat auch ohne den Umlenkbügel den Nachteil dass der Faden dort leichter verrutscht/verknotet/hängenbleibt. Für die Pfaff 138 (bei der die Feder sehr ähnlich der 199 aussahen) gab es orginal drei unterschiedlich starke Federn um sie an alle Materialien anpassen zu können! Die Feder von der Adler ist (wie auch bei ALLEN anderen Maschinen) so kurz das sie direkt neben dem Halteblech arbeitet. Da ist maximal 1mm Abstand. Durch den extrem langen Hebelweg müsste die Feder doppelt so stark ziehen um die gleiche Wirkung zu erzielen, was wiederum an der Position wo die Feder an der Anschlagfläche aufliegt zu einem wesentlich höheren Verschleiss führt.


Ich verstehe schon die Not wenn man Orginalteile nicht mehr bekommt ... aber als Mechaniker fertige ich dann selbst eine Feder (was auch ohne Maschinen möglich ist) ... oder kaufe eine ähnliche und passe diese an. Ich habe zuletzt für Federn die für die Pfaff 138 passen ich China für 20Stk ~2,-€ bezahlt. Federdraht (=Klaviersaitendraht) gibt es in Niro oder Stahl in jeder Eisenhandlung zu kaufen. Dann braucht man einen Seitenschneider welcher für Klaviersaitendraht (=piano wire) geeignet ist, weil ein normaler Seitenschneider gleich kaputt ist. Und Rundmaterial (Wickeldorn) zum Aufwickeln des Federdrahts. Der passende Wickeldorn muss kleiner sein als der Wunsch-Innendurchmesser der Feder und wird an einem Ende zu einer kleinen Kurbel gebogen und bekommt am anderen Ende ein kleiner Schlitz eingesägt wo der Federdraht eingehängt wird. Zum Wickeln wird er zwischen zwei Holzklötzen in den Schraubstock eingespannt.
Damit kann man bequem solche Federn nach Wunsch und Maß händisch herstellen, wie das Generationen von Nähmaschinenmechanikern auch gemacht haben.

Hier habe ich noch ein Photo von meiner Pfaff 138 aus den 1960er Jahren in der sich noch die orginale Fadenanzugsfeder befindet.
Diese Fadenanzugsfeder hat in der Stellung auf dem Photo ~0,3mm Abstand zu dem Blechträger ... und in der Mitte noch eine Führungsöse gebogen damit die Fäden dort bleiben und sich nicht so leicht verwickeln/verfangen können.
Alle orginalen Fadenanzugsfeder waren ähnlich präzise gebogen und meistens auch in mehreren Stärken erhältlich.
Alle orginal Adler FAFs welche ich Anfang den 1980er Jahre (bei einer Adler Generalvertretung gesehen/eingebaut) habe waren mit Absicht ähnlich kurz (max 1mm Abstand) wie die meiner Pfaff.
Pfaff 138 Fadenanzugsfeder FAF.jpg

Man muss aber auch den Wunsch perfekt/problemlos zu nähen aber auch als Ganzes betrachten:

Wir verwenden alte Maschinen ... das schmälert die Erfolgsaussicht um 1%
Wir haben gerade nicht die ideale Nadel zur Verfügung ... -1%
Der Faden ist auch schon alt und ausgetrocknet ... -1%
Die Fadenanzugsfeder passt nicht ... -1%
Öl und Vlieseline ist auch gerade aus, die optimale Nähgarnitur, die rauhen Stellen am Greifer, der zu kurze Garnständer zieht leicht schräg ab, eine Fadenführung fehlt auch und die Spannung ist auch nicht ganz sauber, etc. usw.
was bleibt am Schluss noch übrig?

und dann ärgern wir uns warum die ver@&%*#€@&*te Maschine schon wieder nicht ordentlich näht. wink

Herzliche Grüsse vom Sputnik

P.S.: Was natürlich auch sein kann, das die früheren Teile später irgenwann Einsparungsmassnahmen zum Opfer fielen und irgendwelche anderen eingebaut wurden? Bei der Pfaff 138 wurde ja auch im Lauf der Jahrzehnte immer mehr eingespart ... in den 1950er Jahren gab es noch getrennte Greifer für A, B, C, D und E Ausführung. Einige Jahre später wurde der B-Greifer gestrichen und bei B-Neumaschinen wurde nach Zufall ein A oder C Greifer eingebaut. Wieder einige Jahre später wurde der E Greifer gestrichen, weil es ja bereits die 438er gab ... etc. usw.
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Re: Adler 199-6

#16 Beitrag von sputnik »

Servus Gert,

jetzt nochmal zur Funktion und Arbeitsweise der Feder mit den Erklärungen von Wilhelm Renters:

FAF = Fadenanzugsfeder
FAH = Fadenhebel

Wenn der FAH nach oben geht zieht er am Faden und damit den letzten Stich fest.
Dieser Fadenanzug wird auch durch einen möglichst späten Stofftransport unterstützt.
Die Menge des nachgezogenen Faden wird am Greifer auch vom Fadenleitblech beeinflusst.

Die Probleme beim Fadenanzug sind die relativ kurze zur Verfügung stehende Zeit.
Und die Gleichförmigkeit der vom Greifer freigegeben Fadenmenge mit dem FAH zu verbessern gibt es die FAF.

Diese mechanisch nicht vollständig zu erreichende Synchronizität der Fadenmenge wird von der FAF teilweise ausgeglichen.
Der Greifer lässt die riesige Schlinge frei und der FH beginnt den Faden hochzuziehen ... die FAF spannt den Faden ... die Nadel erreicht den Stoff.
Das ist der Punkt wo die FAF ihre Arbeit beenden muss ... wenn sie länger zieht bildet sich bei der im Schlingenhub hochgehenden Nadel keine Schlingenbildung mehr statt und der Stich fehlt oder der Greifer sticht in den Faden.
Durch die Geschwindigkeit dieser Abläufe und die Elastizitär von Faden, Stoff und Gesamtsystem (Stichwort Resonanzfrequenz) gilt die allgemeine Regel: Wenn die Nadelspitze den Stoff erreicht soll die Feder ihren Weg beendet haben. Je nach Umständen und Material kann es dann vorteilhaft/notwendig sein das man die FAF ziehen lässt bis das Nadelöhr im Stoff ist.

Die Härte der FAF ist im wesentlichen nur von Material, Nadel, Faden und Greifer abhängig. Gummi, Planen oder hartes Leder sind sehr herausfordernd. Da kann man sich durch Spezialnadeln welche ein möglichst grosses Einstichloch bei wesentlich dünnerem Nadelschaft mit einer möglichst grossen langen Rille bis in den Kolben hinein helfen. Das hat natülich auch alles seine Grenzen ... die Rille kann nicht dicker als der Nadelschaft werden. biggrin

Zur Wirkungsweise des FAH schreibt Renters:
Zur Stichbildung muß nämlich die Oberfadenschlinge (Nadelfadenschlinge), die beim Aufwärtsgang der Nadel entsteht, erheblich erweitert werden, um den
Schiffchendurchschlupf oder die Spulenkapselumführung (bei Doppelsteppstichnähmaschinen) bzw. die Aufnahme und Ausweitung der Oberfadenschlinge (Nadelfadenschlinge bei Kettenstichnähmaschinen) zu ermöglichen. Nach dem Abwurf der Oberfadenschlinge (Nadelfadenschlinge) muß der ·überflüssige Faden wieder angezogen werden und diese Aufgabe erfüllt der Fadenregler dadurch, daß er den Fadenweg zwischen Oberfadenspannung (Nadelfadenspannung) und Nadelöhr im notwendigen Augenblick verlängert.
Wilhelm Renters, Der Nähmaschinenfachmann 7. Auflg. Seite 38

Anm.: - Renters bezeichnet den FAH als Fadenregler.
Zur Funktion der FAF schreibt Renters:
Die Fadenanzugsfeder (Fadenregulator)
Bei der Abwärtsbewegung des Fadenreglers wird der Oberfaden 1 o s e. Um zu verhindern, daß die niedergehende Nadel in diesen losen Faden sticht, anderseits aber auch, um eine Zwirbelbildung des Fadens zu verhüten, wird der Oberfaden durch eine Feder (die Fadenanzugsfeder) für kurze Zeit, und zwar bis zu dem Augenblick, in dem die Nadelspitze in den Stoff sticht, leicht angezogen. Hält die Federwirkung länger an, behindert das die ausreichende Schlingenbildung - es können Fehlstiche entstehen.
FAF.jpg
Damit die Fadenanzugsfeder zeitlich richtig zur Ruhe kommt, ist sie einstellbar. Die Mehrzahl der Greifernähmaschinen hat dazu noch eine Einrichtung, durch die, je nach der Stärke des Nähgutes, die Wirksamkeit der Fadenanzugsfeder automatisch zeitlich richtig aufhört, wenn die Normaleinstellung der Regel entspricht.
Wilhelm Renters, Der Nähmaschinenfachmann 7. Auflg. Seite 71
Diese Einrichtung ist der Fadenumlenkbügel an der Presserfusstange. wink

Anmerkung: Es gab auch verschiedene einfache Wegbegrenzungsverstellungen ... aber der Umlenkbügel hat sich als die einfachste & beste Lösung etabliert, da er keinerlei Wissen/Erfahrung der Nähenden erfordert.
Bei aktuellen Industriemaschinen gibt es oft in der Umgebung des FAH verstellbare Fadenführungen welche eine einfache Anpassung an unterschiedliche Materialstärken ermöglichen sollen.

Auf Seite 72 fährt Renters fort:
Wichtig ist auch die richtige Einstellung der Federspannung. Sie muß zum Nähen starker und harter Stoffe stärker sein als zum Nähen dünner und lockerer Gewebe. Zum Sticken und Stopfen ist ebenfalls nur eine leichte Federspannung erwünscht. Die Mechanik dieser Regulierung ist sehr verschieden.
FAF Regulierung.jpg
Wilhelm Renters, Der Nähmaschinenfachmann 7. Auflg. Seite 72

Die Kürze und Form der orginalen FAFs soll auch helfen dass es z.B. bei Fadenbruch möglichst selten zum verwicklen und verknoten der abgerissenen Fäden und beim Versuch diese zu entfernen zum verbiegen der FAF kommt.

Herzliche Grüsse vom Sputnik
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Re: Adler 199-6

#17 Beitrag von Asher »

smile
ja, sie ist zu lang...
da der Umlenkbügel aber keiner ist, sondern auf die Feder einwirkt,
darf ich auch nicht bis auf Idealmaß kürzen.

Goldene Mitte, ok? rolleyes

Danke übrigens für die präzisen und verständlichen Ausführungen
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Re: Adler 199-6

#18 Beitrag von saumseliger »

Hallo Sputnik,

vielen dank für Deine geduldigen Erläuterungen.
Wie gesagt, ich habe so langsam meinen Frieden mit dem Thema gemacht, Stichwort: Renters als Bettlektüre ...

Und wenn ich mir den Bügel als "Einrichtung"zur FAF-Adaption an verschiedene Nähgutstärken vorstelle,
dann, glaube ich, habe ich das auch verstanden.
Mein Problem ist gelegentlich, dass ich mir vor Augen halten muss, dass ein und das selbe Teil verschiedene Funktionen
ausfüllen kann. Aber ich glaube, das mit dem Bügel werde ich nun nicht mehr vergessen.

Wobei ich mich sofort frage, welchen Trick die Mannschaft bei Adlers bei den späten 199-6ern
zumindest angewendet haben, um den Bügel gar nicht mehr vorzusehen.
Jedenfalls nicht mehr an der Presserstange angebracht.

Aber mangels einer solchen Maschine habe ich dieses Problem mal auf der Prioritätenliste durchsacken lassen bis ... naja, irgendwann mal.
Wenn ich in Rente bin. Oder so.

Jetzt gerade aber hab' ichs mit ganz was anderem zu tun, purer Zufall.
Mehr dazu im "gerade-eben-abgeholt"-thread.

Merci vielmals und tschüss

der gert
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Re: Adler 199-6

#19 Beitrag von sputnik »

Es freut mich das Ihr einiges bereits verstanden habt. Manche Dinge sind ohne persönlichen Kontakt und vorzeigen schwierig zu vermitteln und noch schwieriger zu verstehen. Also Lob und Anerkennung fürs Mitdenken. biggrin

Die nächste Frage von euch war was ihr jetzt machen könnt um den aktuell störenden Umlenkbügel wegzubekommen. Die Antwort ist ganz einfach ... der ist am Presserfusstangenhebeblock angeschraubt ... also abmontieren und aufbewahren. Falls Ihr es dann schafft passende Federn aufzutreiben oder selbst herzustellen, kann man den Hebel jederzeit wieder anschrauben und verwenden.

Die Fadenanzugsfeder müsste sich auch ohne den Hebel einstellen lassen, wie das ja auch bei den Industriemaschinen ohne dem Hebel gemacht wird.

Ich habe leider keine Unterlagen zu Euren Adlern ... aber viele Spannungen sind sich auch bei unterschiedlichen Maschinen und Herstellern sehr ähnlich.

Deshalb meine Erklärung mit der Spannung einer Pfaff 134:
Die Pfaff 134 ist eine Einnadel Steppstichmaschine. Ohne Zick-Zack und Schnick-Schnack. biggrin
Sie hat eine klassische typische Fadenspannung in meiner persönlichen Lieblingsversion.
Warum das meine Lieblingsversion ist werde ich euch am Ende noch erzählen. Falls ich darauf vergessen sollte dürft Ihr mich gerne daran erinnern.

Hier nun ein Bild aus der Pfaff 134 Teileliste:
Pfaff 134 Fadenspannung.jpg

Auf dieser Abbildung sieht man eine komplette Fadenspannung und ihre einzelnen Teile.

Die Spannungsnuss 6813 ist mit der Schraube 152 im Gussgehäuse befestigt.
Wenn die Schraube 152 gelockert wird lässt sich die komplette Spannung verdrehen und auch hinein/heraus bewegen. Das verdrehen brauchen um den Federweg der FAF einzustellen, das hinein/heraus verschieben brauchen wir um die Spannungslüftung richtig einzustellen.
Durch das verdrehen der gesamten Spannung kann das Ende des Schlitzes für FAF in die richtige Position gebracht werden. Die Bewegung der FAF muss beendet sein wenn die Nadelspitze in den Stoff sticht. In Ausnahmefällen aber spätestens wenn das Nadelöhr zur Stichplatte kommt.
Die Fadenanzugsfeder ist am hinteren Ende umgebogen um in der im Spannungsbolzen ausgefrästen Rille fixiert zu werden. Beim einbauen wird die Feder auf den Spannungsbolzen gesteckt … und anschliessend der Spannungsbolzen mit der Feder in die Spannungsnuss gesteckt. Dabei mmuss der lange Arm der Feder mit der Fadenöse duch den Schlitz in der Nuss gesteckt werden. Jetzt kann der Bolzen in der Nuss verdreht werden damit die Feder die gewünschte Federkraft hat. Dann wird der Bolzen mit der Schraube 624 befestigt.
Dann werden die Lüftungsstifte in den Spannungsbolzen gesteckt und auf der Gewindeseite die Spannungsscheiben, die Stegscheibe für die Spannungslüftung, die Spannungsfeder und die Spannungsmutter aufgesteckt/-geschraubt.
Jetzt sollte die Spannung wie die oben abgebildete vollständige Spannung aussehen und kann im Gussgehäuse montiert werden. Beim Einbau muss die Spannungsnuss soweit im Gehäuse montiert werden das bei angehobenem Presserfuss die Lüftungsstifte vom Hebel 6645 soweit herausgedrückt werden, dass die Stegscheibe von den Spannungsscheiben abgehoben wird. In dieser Stellung wird die Spannungsnuss mit der Schraube 152 fixiert.
Nun kann die Spannung eingestellt und einige Stiche genäht werden. Durch lockern der Schraube 152 kann die Nuss noch verdrehte werden damit der Federweg der FAF endet wenn die Nadelspitze auf Stichplattenhöhe ist. Beim verdehen immer darauf achten das auch die Spannungslüftung noch wie vorgesehen funktioniert!

Das schöne bei dieser Spannung ist, das man die Schraube 624 auch nur so fest anziehen kann dass sich der Spannungsbolzen auch bei eingebauter Spannung noch verdrehen lässt. Damit kann man bei eingebauter Spannung durch einstecken eines Schraubenziehers in den Schlitz im Spannungsbolzen diesen verdrehen um die Federkraft zu verändern.

Aber ACHTUNG !! Die Spannungsbolzen sind in der Mitte wo der Faden darüberläuft gehärtet !! Wenn man versucht da etwas zu verbiegen brechen die Gewindehälften ab! Also zum einstellen der Federhärte immer die Spannunsschraube auf dem Bolzen belassen und sich vorher versichern dass sich der Bolzen auch verdrehen lässt !!

Weil das bei dieser Art von Spannungen so schön zum einstellen geht (ohne erst viel zerlegen zu müssen betrachte ich sie als "meine Lieblingsspannung". heart
Man muss nur vorher wissen dass die Schauben 624 passend fest angezogen ist und sich der Spannungsbolzen noch drehen lässt.
Ich teste das vor dem Einbau der Spannung dann erst im Schraubstock ob das fest genug aber nicht zu fest ist. Dann kann ich bei Bedarf, jederzeit die Federkraft durch verdehen des Bolzens regulieren ... und für den Zeitpunkt wie lange die FAF zieht brauche ich nur die Schraube 152 zu lockern und die gesamte Spannung ein wenig verdrehen. lol

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