Makatea hat geschrieben: Freitag 18. September 2026, 20:04
Ich ergänze meine Frage dann mal:
Hat schonmal jemand eine angemessen geschmierte und gewartete Pfaff vor Baujahr 1968 auf dem Tisch gehabt,
die tatsächlich durch Gebrauch verschlissen war?
Ja ... ich habe einige davon gesehen/auf dem Tisch gehabt. Ich hab allerdings lange Zeit bei einer Pfaff Generalvertretung gearbeit. Meine erste 138er habe ich von einem Kunden im Zuge eines Neukaufs geschenkt bekommen. Die war ~25 Jahre im normalen Vollbetrieb, satnd dann lange als Ersatzteilspender herum und weil die Nachfolgemaschine auch das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hat kam gerade eine neue ins Haus. Es wäre wirtschaftlich aufgrund der Reparaturkosten nicht mehr sinnvoll gewesen diese Maschine noch länger zu nutzen. Ich habe sie dann für mich einsatzfähig gemacht (meine Aarbeitszeit hat mich nichts gekostet, in meiner Firma gab es jede Menge gebrauchter besserer Ersatzteile und einige wenige Sachen habe ich günstig neu gekauft) und privat noch eine Weile mit ihr genäht.
Im Durchschnitt hielten die alten Pfaff Gewerbe und Industriemaschinen bei voller normaler Nutzung, guter Plege und Reparaturen etwa 10 - 15 Jahre ... dann gab es die Möglichkeit einer grossen Generalüberholung, bei welcher wir die Maschine bis auf die letzte Schraube zerlegt und alles gewaschen haben. Dann wurde geschaut welche Teile noch gut sind und welche ersetzt werden sollen/müssen. Am Ende bekam der Kunde eine Maschine in sehr gutem Zustand zurück welche nochmals etwa 10 Jahre voll einsatzfähig war. Also eine Gesamtlebensdauer zwischen 20 - 30 Jahre.
Im Vergleich dazu Juki (auch da hab ich mal bei einer Generalvertretung gearbeitet) die kosteten etwa die hälfte einer Pfaff und hielten etwas halb so lange. Bei Juki war das Problem das die Maschinen durch Abnutzung undicht wurden und ölten. Deshalb wurden sie manchmal bei heiklen Kunden mit hochwertiger Ware nach 5 Jahren erneuert ... meistens nach 7-8 Jahren. Auch bei Juki wurden manche überholt, aber es lohnte sich nicht alles Abgenutzte zu erneuern und so konnten die Maschinen repariert und weniger ölend noch einige Jahre (oft für weniger heikle Arbeitsgänge) genutzt werden. Also ohne Überholung ~7-8 Jahre Lebensdauer und mit Überholung bis maximal 15 Jahre (ab da kostet das Öl dann schon mehr als eine neue Maschine

)
Die generellen Probleme kamen dann mit dem Auftreten von Bakelit /Kunststoffteilen und mehr Elektrik. Die Bakelitteile brachen gerne und die Kunststoffzahnräder bei den Industriemaschinen sterben rasch. Damit hatte man zwar billigere Maschinen verkauft ... aber zugleich den grossen Vorteil verspielt.
Ich habe viele Kunden gekannte welche mir erzählten: Früher hätten sie ausschliesslich Pfaff-Maschinen benutzt .. .aber jetzt wo die Pfaff auch nicht mehr viel länger als die Jukis halten, kaufen sie lieber die Juki ums halbe Geld.
Klar kosteten die Kunststoffersatzteile auch kein Vermögen ... aber wenn man in entlegenen Gegenden produziert wo ein Mechanikerbesuch schon aufgrund der Anreise ein kleines Vermögen kostet, kommt ein gebrochener Bakelithebel auch schon reichlich teuer und vergrämte die Kunden.
Bei Haushaltsmaschinen war es vermutlich ähnlich, aber da weiss ich zu wenig darüber weil ich selbst nie mit Haushaltsmaschinen zu tun hatte. Aber natürlich hörte ich auch die diesbezüglichen Klagen der Kollegen. Bei den Haushaltsmaschinen kam auch wesentlich stärker das veränderte Nutzungsverhalten zum tragen. Bis in die 1960er Jahre war es noch üblich Haushaltsnähmaschinen zu benutzen. Dann kamen immer mehr schrottige Zick-Zack-Maschinen auf den Markt, welche die Menschen kauften weil man ihnen einredete das muss man haben ... und dann wurden die nicht mehr benutzt weil eben viel Schrott dabei war. Ab den 1970er Jahren war die Haupttodesursache bei Haushaltsmaschinen ein abgebrannter Motor weil die Maschine durch lange NIchtbenutzung verharzt war.
Herzliche Grüsse vom Sputnik