Umbau Motor Dürkopp Adler 557-12

Fragen und Antworten zu Nähmaschinen von Adler, Dürkopp und Dürkopp Adler.
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sputnik
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Re: Umbau Motor Dürkopp Adler 557-12

#21 Beitrag von sputnik »

Es freut mich sehr dass Deine Maschine läuft! biggrin

Ja klar ist Akustikschaumstoff auch möglich. Ich ging von Wohnzimmer aus wo mir dicker Vorhang oder ein Wandteppich von den Gestaltungsmöglichkeiten her sympathischer wären. Im wesentlichen geht es darum Schallübertragung und Schallreflektionen zu einzuschränken. EIn leerer Raum hallt mehr als einer voller Bücher- oder Stoffregale.

Wen das ein Arbeitsraum ist/wird würde ich Dir auch einen kleinen, leisen Kompressor empfehlen. Wo genäht wird ist immer viel Staub und gerade bei der Knopflochmaschine kommt man an vielen Stellen mit einem Pinsel nur schwer ans Ziel. Der braucht nicht Stundenlang pusten zu können ... aber z.B. bei einer Overlock ist 1x täglich kurz ausblasen schon eine grosse Erleichterung. Ich hab dafür einen alten Zahnarzt-/Laborkompressor den man überhaupt nicht hört wenn er läuft und der auf Rollen stehend unter einer Nähmaschinenschublade genug Platz hat.
Bei der Knopfloch immer darauf achten dass nichts in die Kurvenscheibe fallen kann! Bereits eine abgebrochene Nadelspitze kann zum blockieren der gesamten Maschine führen.

Herzliche Grüsse vom Sputnik
Und sehen wir uns nicht in dieser Welt
dann sehen wir uns in Bielefeld! (Udo Lindenberg)

sputnik
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Re: Umbau Motor Dürkopp Adler 557-12

#22 Beitrag von sputnik »

Nur zu Deiner Info ... ich habe mich schon länger über deine seltsamen Photos gewundert. huh

Jetzt eben habe ich gesehen dass die Photos als PDF hochgeladen und riesengross sind. Um sie komplett zu sehen muss ich sie erst verkleinern. biggrin
Und ich denke mir die ganze Zeit Du schreibst irgenwas und zeigst mir dazu das Photo einer Schraube in einem Stück Blech worunter ich mir gar nichts vorstellen kann.

Ich poste auch manchmal grosse Bilder damit man genug Details erkennen kann ... mache aber mittlerweile ein kleines Vorschaubild dazu um das ganze übersichtlicher/benutzerfreundlicher zu gestalten.
Ich mach das immer mit Irfanview mit dem ich auch sehr grosse Bilder auf sehr kleine Dateien reduzieren kann.
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Zu Deiner Frage wegen der Gimpen:

Als erstes ein wenig zur Geschichte des Augenknopflochs ...

Unser klassisches "Augenknopfloch" von Textilmenschen auch oft als "Mailänder Knopfloch" bezeichnet hat eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich.
Das Knopfloch selbst ist in grauer Vorzeit entstanden als z.B. Jäger ein Loch/einen Schnitt in ein Fell machten um es auf diese art mit einem Knochen-/oder Holzstück zu verbinden.
Etwas später biggrin formten und schlossen z.B. die Römer ihre grossen Bekleidungsstücke mit Fibeln (=Nadeln).
Wieder ein paar Jahre später wurden Kleidungsstücke mit Schnüren und Schnurschlaufen verschlossen was vor allem in kühleren Regionen auch notwendig war.
Eine Schnurschlaufe mit einem Holzstück als Knebel ist aber relativ dick ... und mehrlagige Kleidung auf diese Art verschlossen eher unansehnlich.
Also begannen findige Schneider Schlitze im Stoff mit Fäden zu umsticken um eine gewisse Stabilität und Haltbarkeit zu erzeugen.
Was bei Wäsche und dünnen Hemden gut funktionierte war aber bei fester Oberbekleidung nicht mehr sehr dauerhaft zu realisieren.
Wenn eine Armee in den Krieg zog war in nördlichen Breitengraden gute warme (=dicke) Kleidung Kriegsentscheidend.
Dazu nähte man die Knöpfe mit dicken Fäden sehr gut und fest an ... und musste einen langens dicken Stiel erzeugen damit der Knopf auch dauerhaft hält.
Damit der dicke Stiel im Knopfloch genug Platz hat und nicht den Stoff verzieht, haben Mailänder Schneider eine eigene Art, eben das Augenknopfloch erntwickelt. Dabei wurde erst das Auge gestochen und dann mit einer kleinen Schere der Schlitz geschnitten. Dann wurde das ganze mit Knopflochseide umstochen. Und um dem Knopfloch mehr Halt zu geben wurden auch innen und aussen feste Fäden zur Verstärkung unter die Naht gelegt. Das ist eben die Gimpe.
Je nach Material und Anforderungen werden normale Fäden, dickere Fäden oder Bänder als Gimpen verwendet. Eine Version davon, welche heute nur noch selten verwendet wird (weil sie die teuerste ist), sind die Schlauchgimpen. Das ist ein dünner geklöppelter Schlauch der dann flach unter den Nähfäden liegt ... und der Aufgrund des Aufbaus sehr stabil, reissfest und Haltbar ist.
Der Haltbarkeit wegen werden diese Knopflöcher mit einer eigenen Stichart genäht, bei der Knöpfe nur auf einer Reihe von dicken Fadenknoten aufliegen, was ein aufscheuern der Nähfäden weitgehend verhindert.

Was für Uniformen von existentieller Bedeutung war, wurde natürlich auch von der Mode übernommen ... und im späten 19. Jhdt. von John Reece in Eisen gegossen. Er hat die (Augen)knopflochmaschine erfunden. Diese Maschine imitiert die kunstvolle und stabile Naht der bisherigen handgenähten Augenknopflöcher und wurde als erstes bei Schuhen und Gamaschen eingesetzt. Die Strassen waren kaum befestigt und die gut gekleideten Menschen trugen Gamaschen. Auf einem Schuh oder einer Gamasche wurden damals bis zu ~30 Knopflöcher genäht. John Reece hat seine Maschine lange Zeit nicht verkauft sondern nur vermietet ... und so kam es das um 1900 allein in New York bereits über 10.000 seiner Maschinen verwendet wurden.

Erst um 1930 hat die Firma Reece die ersten Maschinen auch verkauft und die erste Lizenz an die Firma Dürkopp in Deutschland vergeben. Da Dürkopp die Lizenzgebühren für eine Lizenzfertigung der kompletten Maschine zu hoch waren, einigete man sich darauf das nur einige wichtige Baugruppen lizensiert wurden, und deshalb (um Patentrechte zu umgehen) bei der Dürkopp der Tisch anstelle wie bei Reece der Nähkopf bewegt wird. Das wurde aber zu einem Nachteil für Dürkopp, weil viele Schneider deshalb lieber das Orginal, die Reece bevorzugten, weil das Knopfloch der letzte Arbeitsgang bei der Herstellung von Oberbekleidung ist. Wenn dann z.B. der Stoff beim nähen verrutscht, kann man das Sakko aus teurem Wollstoff mit langer Produktionszeit nur mehr wegwerfen. Dieses Risiko gabe es aber bei der Reece nicht weil der Tisch stillstand.

Diese Lizensierung ist auch der Grund warum bei Dürkopp und Minerva die lizensierten Baugruppen blau lackiert sind. In den Anleitungen ist deshalb auch beschrieben das diese Baugruppen nur unter Lizenz der Firma Reece nachgebaut werden dürfen und deshalb blau lackiert sind.

Heute ist das "Mailänder Knopfloch" ein wesentlich er Bestandteil der Haute Couture. Ein Frack, Smoking oder ein hochwertiges Sakko sind ohne entsprechende Knopflöcher nicht denkbar. Die andere Seite des Augenknopflochs sind die Jeans. Die Amerikaner sehen das als stabiles Knopfloch für Arbeitsbekleidung ... welches sie dann häufig so schlecht nähen dass es diesen Zweck nicht mehr erfüllen kann ... und verstehen nicht warum die Europäer so seltsame Knopflöcher nähen. Meine letzten amerikanischen Reece Kollegen, haben mehrfach versucht mich als technischen Direktor bei AMF-Reece-Minerva zu gewinnen, weil sie meinten dass nach der Pensionierung meines letzten deutschen Kollegen ich der letzte Mensch bin der noch weiss wie man diese Knopflöcher herstellt und wie die aussehen sollen. Das kam für mich aber nicht in Frage. Ich habe ihnen dann bis zur Schliessung der ursprünglichen Firma Reece, aus alter Treue noch jedes Jahr einen Karton mit Musterknopflöcher genäht und geschickt. Nachdem Reece liquidiert war habe auch ich meine Firma geschlossen und mich anderen Aufgaben zugewendet.

Viele Masschneider oder Haute Couture Produzenten verwenden heute ein bis zwei Unterfäden als Gimpe, manche verwenden auch schmale gewebte Bänder. Manchmal werden für die Gimpe auch einfach die Fäden verzwirnt. Der Vorteil bei der Verwendung der Unterfäden ist das sie ja ohnehin schon in passenden Farben vorhanden sind. Dank Verklebungen ist das ausleiern und verziehen des Stoffs heute auch nicht mehr so stark das der Gimpe eine so bdeutende Rolle wie früher zukommt. Bei einem normalen Augenknopfloch wird heute der Oberstoff innen und aussen im Knopflochbereich mit normalem, relativ dünnen Vliesline grossflächig verklebt um unerwünschte Falten/Wellen zu vermeiden. Zur Stabilisierung zwecks schöneren Aussehens des Knopflochs wird dann der Bereich direkt unter den Knopflöchern noch mit einer zweiten Lage viel dickerem Vliesline zusätzlich verstärkt.

Angeblich stellen Amann und Gütermann heute immer noch Gimpen her. Von Gütermann gab es auch Schlauchgimpen.

Da das Knopfloch selbst ja nicht elastisch sein darf, werden bei elastischen Materialien üblicherweise auf beiden Seiten Gimpen verwendet. Dafür gibt es dann zusätzlich eine eigene obere Gimpenführung. Häufig wird dann noch auf einer oder beiden Seiten zusätzlich ein Band zur Verstärkung mitgenäht. Von Reece gab es für Strickware das Modell "Cross Oval" welche Knopflöcher mit zwei runden Enden näht.

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