Achim (js_hsm) hat geschrieben: Donnerstag 5. November 2026, 02:30
Ähem nein, wie kommst Du darauf das man eine Rechnung bekam wenn sein Paket kontrolliert wurde ?
Wir sprechen hier von Kleinsendungen im Euro Bereich.
Selber erlebt!
Ein Füllfederhalter, Gesamtwert rund 6,50 €, also deutlich unter 10 €.
Sendung wurde als geliefert deklariert, kam aber nicht. Rückerstattung gab es deswegen auch nicht.
Habe ich also noch einmal bestellt.
Rund einen Monat nach der "bestätigten" Lieferung klingelt der Postbote an der Tür und händigt mir einen Brief aus, der aber weit mehr kostete als der Betrag, den ich für den Füller schon bezahlt hatte.
Eher aus Ahnungsloigkeit und Neugier habe ich bezahlt.
Und ja, das war der erste Füller.
Zoll war eigentlich kein Thema, deutlich unter 1,50 €, da hätte ich nicht gemeckert.
Aber DHL hat sich seinen Service fürstlich belohnen lassen. Nachzahlung war teurer als der Füller mit Versand aus China!
Ich habe das von etlichen Käufen, meine ich, zweimal erlebt, daher behaupte ich, daß Stichproben genommen wurden.
Ich gehe davon aus, daß in zu vielen Fällen die Annahme wirtschaftlich vernünftig verweigert wurde, so daß die "Lösung" heute gefunden wurde.
Ramses hat geschrieben: Donnerstag 5. November 2026, 15:04
Selber erlebt!
Ein Füllfederhalter, Gesamtwert rund 6,50 €, also deutlich unter 10 €.
Sendung wurde als geliefert deklariert, kam aber nicht. Rückerstattung gab es deswegen auch nicht.
Habe ich also noch einmal bestellt.
Rund einen Monat nach der "bestätigten" Lieferung klingelt der Postbote an der Tür und händigt mir einen Brief aus, der aber weit mehr kostete als der Betrag, den ich für den Füller schon bezahlt hatte.
Eher aus Ahnungsloigkeit und Neugier habe ich bezahlt.
Und ja, das war der erste Füller.
Zoll war eigentlich kein Thema, deutlich unter 1,50 €, da hätte ich nicht gemeckert.
Aber DHL hat sich seinen Service fürstlich belohnen lassen. Nachzahlung war teurer als der Füller mit Versand aus China!
Irgendwann, ich vermute dieses Jahr, haben doch die Ali und temu - Leute auf einmal mächtig auf die Preise gehauen. Oder, der Preis war ok und in der Kaufabwicklung wurde Zoll drauf gehaun. Auch nicht mehr nach der uralten Regel: bis 22€ Warenwert ist zollfrei.
Ist dein "selber erlebt" schon Jahre her oder erst kürzlich?
Grüße, Jürgen (der jetzt darauf achtet, dass da: "Versand aus EU" oder noch besser "Deutschland" steht
3607 hat geschrieben: Donnerstag 5. November 2026, 17:54
wann hast du die Erfahrung gemacht?
Die Sache mit dem Füller, bei dem ich dem Postler Geld abgedrückt habe, war Oktober...Dezember 2024, also natürlich noch vor Einführung der pauschalen 3 € Regelung.
Heute haben wir zwar nicht mehr diese Überraschungen, aber ich gehe auch davon aus, daß sie sich damit auch geschadet haben, denn jeder vernünftige Mensch würde den Artikel einfach neu bestellen und DHL damit glücklich werden lassen.
Ich gehe jede Wette ein, daß die das auch gemerkt haben, daher die neue Regelung.
3607 hat geschrieben: Donnerstag 5. November 2026, 17:54
Irgendwann, ich vermute dieses Jahr, haben doch die Ali und temu - Leute auf einmal mächtig auf die Preise gehauen. Oder, der Preis war ok und in der Kaufabwicklung wurde Zoll drauf gehaun. Auch nicht mehr nach der uralten Regel: bis 22€ Warenwert ist zollfrei.
Wobei das jetzt auch sehr intransparent ist - und da mache ich den Chinesen keinen Vorwurf!
Habe neulich drei Werkzeuge bestellt, zwei Fräser und einen Forstnerbohrer.
"Laut Katalog" alle drei so gut 3 €.
Über 10 €, also ohne Versandkosten.
Bei der Bezahlung tauchten dann aus dem Nichts weitere 18 € Zollgebühren auf!
Am Ende habe ich anstatt gut 10 € 22,55 € bezahlt.
Wie disese Summe nun genau zustande kam...
Ich sehe das als irgendeine Mischung an, aus den Chinesen zu schaden und dem Bürger, wo immer es geht, Geld abzuknapsen.
Mit einer Begründung zum An-den-Kopf-Fassen, öfter einmal technisch völlig gaga durchgeführt, wie man es von unserer Kommiussionspräsidentin halt so gewohnt ist.
Den Einzelnen zum Kauf im Inland zu bewegen ist spätestens dann witzlos, wenn die Artikel ohnehin aus China kommen.
Was ich vor allem erkenne ist, wie sehr die Zwischenhändler daran ihren Reibach machen.
Eine Quelle des Problems ist der Weltpostverein.
Ein an sich sehr ehrenhafter, auf Vorschlag des deutschen Generalpostdirektors Heinrich von Stephan 1874 gegründeter Verein,
der bis heute dafür sorgt, daß auch Länder, die einander bekriegen, sich trotzdem Briefe schreiben können.
Die halten China immer noch für ein Entwicklungsland und daher kostet es die Chinesen fast nix, Warensendungen weltweit zu verschicken,
weil die Post- und Paketdienste in den Bestimmungsländern nur einen Bruchteil der realen Kosten
für ihre gehabten Bemühungen in Rechnung stellen können, wg. Entwicklungsland ;-)
Hier mal ein Abriß aus der Guten Alten Zeit, wie es bis letzten Monat war, was seitdem noch schlimmer geworden ist und wie sich das entwickeln wird.
Alles hoch komplex, wenn ich irgendwo Falschinformationen aufgesessen sein sollte, bin ich für Richtigstellungen dankbar.
1). Gute Alte Zeit
Früher, als die Ochsen noch größere Köppe hatten, also vor dem 1.7.2021, war alles ganz einfach:
Man bestellt irgendwelchen Billigkram in China.
Da gibt es dann recht angemessene Freigrenzen: Die 22-Euro-Freigrenze: Unter diesem Betrag erschien es damals noch sinnvollerweise ineffizient Zoll oder Einfuhrumsatzsteuer zu erheben.
Bürokratie kennt ihre Bagatellgrenzen. Begrüßenswert.
Dann ist da auch noch die über 22, aber unter 150€ Freigrenze:
Da wird Einfuhrumsatzsteuer, aber kein Zoll erhoben.
Darüber wird beides fällig.
2). The plot thickens
Zwischen dem 1. Juli 2021 und Juni 2026 galt Folgendes; es wird ungemütlicher:
Die Chinukken müssen jetzt von sich aus Einfuhrumsatzsteuer abdrücken, auch für Beträge unterhalb der Freigrenze:
Das IOSS-Verfahren.
China-Krempel wird teurer, aber er kommt immer noch frei Haus, solange der Warenwert unter 150 € liegt.
Ist es teurer, wird nicht nur Zoll fällig, außerdem hält die Deutsche Post auch noch die Hand auf:
7,50 Euro Auslagepauschale.
Deren Rechtfertigung:
Die Pauschale ist ein Entgelt für eine Dienstleistung.
1. Die postalische Zollabwicklung.
2. Die Abführung der Einfuhrabgaben an den Zoll.
3. Die Vorfinanzierung der Abgaben.
4. Die spätere Einziehung des Geldes beim Empfänger.
Expressdienstleister können auch noch deutlich heftiger zulangen...
Um die Kosten für diese "Dienstleistung" zu vermeiden besteht diese Möglichkeit:
Schritt 1: Registrierung als Selbstverzoller
Bei der Deutschen Post kann man sich im Shop als Selbstverzoller registrieren.
Nach der Registrierung werden abgabenpflichtige Sendungen grundsätzlich an das zuständige Zollamt weitergeleitet.
Die Deutsche Post DHL beendet ihren Zustellauftrag mit dieser Weiterleitung.
Schritt 2: Benachrichtigung durch den Zoll
Der Empfänger erhält eine Information, daß eine Sendung beim Zoll liegt.
Je nach Fall kann die Benachrichtigung durch die Deutsche Post oder den Zoll erfolgen.
Schritt 3: Unterlagen vorbereiten
Typischerweise benötigt man:
- Bestellbestätigung;
- Rechnung des Verkäufers;
- Zahlungsnachweis;
- gegebenenfalls eine genaue Produktbeschreibung;
- Versandinformationen.
Bei einer Bestellung über AliExpress kann beispielsweise ein Screenshot der Bestellung sowie des Zahlungsbetrags hilfreich sein.
Schritt 5: Zahlung und Abholung
Nach der Abgabenfestsetzung bezahlt der Empfänger die staatlichen Abgaben und kann die Ware nach Freigabe abholen.
Die Auslagepauschale der Deutschen Post von 7,50 Euro entfällt in diesem Verfahren.
Wie weit das nächste Zollamt weg ist und wie kundenorientiert die Mitarbeiter dort sind,
sollte in die Überlegung, ob das eine gute Idee ist, mit einfließen;-)
Wie das Procedere für andere Dienstleister ist, muß bei Bedarf selbst recherchiert werden.
3). Etzala wird es ungemütlich.
Seit dem 1. Juli 2026 und wenn nichts dazwischenkommt bis zum bis zum 1. Juli 2028
gilt eine 3-Euro-Zollpauschale pro Warengruppe für Sendungen unter 150€.
Darüber wird, wie gehabt Einfuhrumsatzsteuer und Zoll erhoben.
Rechtsgrundlage ist diese EU-Verordnung: 2026/382.
Konkret: Wenn ich eine Hunderterpackung Flying Tiger Nadeln 130/705 90 und eine Pfaff DUG Spulenkapsel bestelle,
kommen auf die Artikelpreise, die bereits per IOSS die Einfuhrumsatzsteuer enthalten, noch zweimal drei € Pauschalzoll hinzu.
Das ist wohl hauptsächlich so geregelt, weil das Zollbeamtentum komplett überfordert wäre,
vernünftige, innerhalb weniger Jahre am Warenwert orientierte Abrechnungen hinzukriegen.
Deswegen benachteiligt man bis zur Unwirtschaftlichkeit Eigenverbraucher, um Kleingewerblern das Leben schwer zu machen.
4). The Monster awakens...
Offenbar war das immer noch nicht genug.
Seit dem 1. November 2026 kommt für B2C-Fernabsatzsendungen aus Nicht-EU-Ländern eine weitere Gebühr hinzu.
Diese EU-Handling-Fee beträgt nach den derzeit veröffentlichten deutschen Informationen: 2 Euro je Warenart.
5.) Wie geht es weiter?
1. 1. Juli 2028 – geplant
Die Übergangsregelung mit der 3-Euro-Pauschale soll durch reguläre Zolltarife ersetzt werden.
Die EU-Zolldatenplattform für den E-Commerce soll in Betrieb gehen.
2. 2031
Unternehmen sollen die neue EU-Zolldatenplattform freiwillig nutzen können.
3. 2034
Die verpflichtende Nutzung der EU-Zolldatenplattform für alle Unternehmen ist vorgesehen.
Ab dem 1. Juli 2028 sollen bei E-Commerce-Sendungen grundsätzlich reguläre Zolltarife angewendet werden.
Das bedeutet:
- Zoll wird anhand der Warenart berechnet.
- Die Zolltarifnummer wird entscheidend.
- Der tatsächliche Zollsatz kann von Produkt zu Produkt unterschiedlich sein.
Beispiele für typische Warenkategorien:
Warenart Regulärer Zollsatz
Elektronik Je nach Produkt häufig 0 %, aber nicht immer
Bekleidung Häufig mehrere Prozent, zum Beispiel 12 % bei bestimmten Textilien
Schuhe Je nach Material und Tarifposition unterschiedlich
Spielzeug Je nach Produkt und Tarifposition unterschiedlich
Taschen Je nach Material und Tarifposition unterschiedlich
Die genannten Zolltarife sind lediglich Beispiele. Eine konkrete Berechnung erfordert die genaue Zolltarifnummer.
Die Chinukken haben sicher ihr Teil dazu getan, daß die EU von ihnen die Schnauze voll hat.
Zwischen gefährlichen Produkten, die auch, wenn sie nur im Promillebereich durchrutschen, Schnappatmung in BG- VDE- und Blaulichtkreisen auslösen, und dem extremen Massenaufkommen kleiner Pakete, die nicht wirtschaftlich sinnvoll kontrolliert werden können.
Dennoch ist es verdrießlich, daß Großimporteure von Chinakram wie Action jetzt preiswerter anbieten können, als Ali-Express, nur eben mit weniger Auswahl und ohne die interessanten Nischenprodukte, die auf einmal signifikant teurer werden.
Dann ist da auch noch die erkennbare Inkompetenz der Zollbehörden, die sich außerstande sehen, in einem vernünftigen Zeitrahmen ihren Job zu machen.
Die Politik, um nicht weiter untätig zuzusehen, hat dann einfach ungerechte Pauschal-Lösungen beschlossen,
weil offenbar der Druck irgendwelcher Lobbies hoch genug war.
Ist das so ein konstruktiver Beitrag, um EU-Instanzen für im Bürgerinteresse sinnvoll handlungsfähig zu halten?
Wohl kaum.
Ich warte übrigens auch immer noch auf die Abschaffung der verdammten Sommerzeit.
Zumindest dafür sollte man doch wohl eine Mehrheit organisieren können, oder hält deren Beibehaltung noch irgendjemand für sinnvoll?
Danke!
Schöne Zusammenfassung des Wahnsinns!
Wenn wir eine Demokratie wären, dann müssten Politiker uns das Leben einfacher machen und nicht komplizierter!
Makatea hat geschrieben: Freitag 6. November 2026, 02:19
...oder hält deren Beibehaltung noch irgendjemand für sinnvoll?
Hersteller von Funkuhren!
Das ist aber auch nicht SOO unkompliziert!
Je nachdem, geht die eine oder andere mal einen Tag falsch!