
Ihr kennt das Gefühl, wenn man genau DIE Maschine [s]ergattert[/s] rettet, die man auf der Wunschliste hatte.
Und Ihr kennt sicher das Gefühl bei bestimmten Maschinen, die eigentlich auf einer "Wunder-geschehen immer wieder -Liste" stehen -
Dass eine solche Maschine jemals im Markt auftauchen könnte gehört ins Reich der Fabel.
Ihr wisst, ich spezialisiere mich seit einigen Monaten auf Gritzner Maschinen der 50/60 Jahre - Automatik-Maschinen. Und ich hatte mich zuvor bereits etwas in die Design-Maschinen wie die 545 von Necchi verliebt - die von außen so einfach wirkt - es aber tatsächlich faustdick im Blechkleid hat - Stichauswahl mit einem einzigen Drehknopf, verstellbare Grundgeschwindigkeit und was noch. Die Vorgängerin - die Mirella hat es sogar ins Museum of Modern Art, in New York gebracht - so heißt es (war noch nie da, um das zu checken).
Mit dem Interesse dafür kam auch die zufällige Begegnung mit den schweren Automatic- Maschinen von Necchi - die Nora lief mir nach - nach Supermatic schau ich noch, die den Maschinen von Pfaff, Gritzner in Raffinesse nicht nachstehen und in mehreren Punkten mit italienischem Charme mehr aus Nutzersicht durchdacht sind als die technisch geprägten teutonischen Modelle.
Und auf meiner Wunder-Liste stand eine Maschine - die für mich ein Wunder an Design und Maschinenverständnis war und ist. Necchi hat den Designer Giorgetto Giugiaro 1981 beauftragt eine Nähmaschine zu designen. Wer Giorgetto Giugiaro ist? - der hat in den 50igern den alten Fiat 500 designt, den Alfa Sud, den Golf, den Scirocco - und die Necchi 591 Logica. Das Designkonzept basiert auf der damals machbaren Electronic-Technik - auf die viele Firmen aufsprangen (und in Probleme kamen wie ELNA) und achtet auf "Sichtbarkeit" des Nähguts, der Einstellungen und Anzeigen der Maschine. Heraus kam eine beinahe kranartige Gestaltung des Nähkopfs - eine große Touchfelder - ein relativ kleines aber deutlich ablesbares Displayfeld. Die Auswahl-folientastatur ist großzügig dimensioniert, die den kleinen Fummelknöpfen heutiger Nähcomputer an Nutzerfreundlichkeit überlegen ist.
Heute sicher belächelt - aber um einen Vergleich zu ermöglichen: Ich habe Anfang der 80iger Jahre noch Investitions-Kontrollen für Tisch-Additionsmaschinen mit 9-stelliger Röhrenanzeige machen dürfen, die gerade die vier Grundrechenarten konnten, und drei Jahre zuvor über 10.000 DM gekostet hatten. Oder der Bausatz zum Selberlöten für den Sinclair ZX81 mit der kleinen Folientastatur kostete 865 DM!
Somit war es klar: die damaligen Nutzer von Haushalts-Nähmaschinen waren Frauen - für die war das Design schon mal nicht mit der Idee "Nähmaschine" zu verbinden. Und das Preisschild der Maschine dürfte selbst den technikbegeistertsten Ehemann verschreckt haben. Dass die Logica sogar vorausdenkend im Versandhandel angeboten wurde, dürfte das Preislevel, das der Verbraucher dort erwartete, auch gesprengt haben. Privileg 100SE hieß das Angebot der Quelle. In Amerika gab es die Kenmore Sensoe Sew 70 und später 100.
Bereits nach kurzer Zeit wurde ein überarbeitetes Modell mit regulierbarer Geschwindigkeit als Necchi 592 Logica auf den Markt gebracht.
Diese Maschine war für Necchi (und die Händler) der absolute Flopp. Teure Investitionen, teure Bauteile und in den Läden standen die Maschinen wie Blei. Der Service für die neue Technik dürfte dazu für die Händler problematisch gewesen sein.
Mir ist leider unbekannt, wie viele Maschinen tatsächlich verkauft wurden. Es gibt auch nur wenige Meldungen in den Nähmaschinen-Foren zu diesem Thema.
Und nun ist mir genau so eine in England in der Bucht zugelaufen. Die Maschine ist defekt verkauft worden - es fehlt der Nähfußadapter und es sind nicht mehr alle Füßchen im Sortierfach unter dem Deckel. Aber einschalten lässt sie sich.
Sie näht in Stichlänge 6mm und Breite 6mm heißt es - aber ich konnte die LED Anzeige auch zu höheren Werten durchschalten - nunr noch nicht nähen. Kurz von außen etwas gereinigt -steht sie nun so da:
Mein Catch of the Year - die Necchi Logica 592 !