Welche freiarm Industrienähmaschine würdet Ihr empfehlen ?

Hier können alle Technischen Dinge eingetragen werden, die nicht Marken oder Hersteller spezifisch sind.
Also diese die Technisch in allen Nähmaschinen vom Grundprinzip her gleich sind.
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A&I Lederhandwerk
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Welche freiarm Industrienähmaschine würdet Ihr empfehlen ?

#1 Beitrag von A&I Lederhandwerk »

Guten Abend

Wir wollen unsere Arbeitsprozesse etwas optimieren und sind auf der Suche nach einer freiarm Industrienähmaschine für die Lederbearbeitung.

Da wir Neulinge auf dem Bereich der Nähtechnik sind versuche ich unser Vorhaben genauer zu schildern.

Wir wollen Handtaschen, Geldbeuteln, Gürteln und vieles weiteres mit der Maschine nähen.

Die Maschine sollte auch eine Stärke von 8 bis 10 mm schaffen und für festere Lederarten geeignet sein.

Über eure Vorschläge mit einer genauen Bezeichnung würden wir uns sehr freuen.
PS: natürlich kommen auch ältere Maschinen für uns in Frage.

Liebe Grüße
Imke und Andrej

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js_hsm
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Re: Welche freiarm Industrienähmaschine würdet Ihr empfehlen ?

#2 Beitrag von js_hsm »

Schaut Euch mal die Adler 69 / 169 an. Die sollte soweit passen, richtige Motorisierung vorausgesetzt.

Gruß, Achim
Der Maschinen(um)bauer
Adler 30,48,67,68,69 Pfaff 130,141,142,145,335,1222, Typical GC20606-18, Sailrite 9" Clone und.....
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js_hsm
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Re: Welche freiarm Industrienähmaschine würdet Ihr empfehlen ?

#3 Beitrag von js_hsm »

Und wenn Euch die zu "schwach" sind dann die Heavy Duty Hightex Maschinen
https://www.cowboysew.com/heavy-duty-cy ... achine.htm
oder Adler 105/205

Gruß, Achim
Der Maschinen(um)bauer
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sputnik
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Re: Welche freiarm Industrienähmaschine würdet Ihr empfehlen ?

#4 Beitrag von sputnik »

Bei meinen Taschner- und Schuhmacherkunden wurde fast alles auf normalen Schnellnähern (z.B. Pfaff 463) mit Rollfuss genäht, weil schwerere Maschinen das Leder zu sehr beschädigen würden. Bei extrem klebrigen Leder wurde dann die Stichplatte mit Teflonfolie beklebt. Freiarmmaschinen wurden nur wenns notwendig war benutzt und dann mit Radtransport.
Und sehen wir uns nicht in dieser Welt
dann sehen wir uns in Bielefeld! (Udo Lindenberg)

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Re: Welche freiarm Industrienähmaschine würdet Ihr empfehlen ?

#5 Beitrag von adler104 »

Würde ich gewerblich nähen, mir eine neue Maschine leisten können (und wollen - alter "Scheiß" ist eher mein Ding wink ) und ich ein entsprechendes Output hätte, würde ich mich vermutlich zu einer Juki LS-1341 oder dem Vorgänger LS-341 bzw. einem Clone dieser Modelle entscheiden. Die LS-1341 hat bis 16mm Nähfußhub und kann Nadel bis NM 180 verwenden, werksseitig hat sie bereits ein recht großes Handrad und max. 6mm Stichlänge. Damit hat man schon sehr viel abgedeckt. Wenn ich jedoch vorwiegend sehr dicke Garne verarbeiten wollen würde (>20/3, evtl. 11/3 und stärker), würde ich wohl eine CB 3200 / CB 4500 von Hightex oder ein baugleichen Modell (das original war die Juki TSC-441) wählen. Die genannten Maschinen haben alle 3-fach Transport.

Frank Brunnet ist bei solchen Maschinen ein guter Ansprechpartner, denke ich. Ggf. auch für andere "Leder-Gerätschaften".


Nachtrags zur LS-1341 / 341: Beide Maschinen verwenden die weit verbreiteten "SINGER 111 Nähfüße", die es in sehr vielen Varianten gibt und sie zudem sehr günstig sind, zwar meist Made in China aber das muss per se ja nicht schlecht sein. Auch Keder und Einfasser Sets usw sind verhältnismäßig günstig zu bekommen.
Middem Öl nich spaasam sein! wink

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Ostrod
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Re: Welche freiarm Industrienähmaschine würdet Ihr empfehlen ?

#6 Beitrag von Ostrod »

Moin!

Ich bin jetzt seit einem Jahr stolzer Besitzer einer Adler 69. Jetzt dürfen alle mal raten, wie oft ich seit dem mit der arbeitete.

Genau! Nicht ein Mal.

Warum nicht?
Erstens quäle ich alles über die Flachbettmaschinen und zweitens mache ich mir vorher Gedanken über die Reihenfolge, in der ich die Teile füge.
Drittens müsste ich die Maschine mühsam auf ein gleiches Stichbild einstellen, bräuchte einen zweiten Satz Nähgarn, wenn ich das nicht noch hinundherbasteln möchte, was auch wieder Zeit kostet und müsste zuvor wohl auch erstmal auf dem Ding reichlich üben.

Auf einer Flachbettmaschine ist es deutlich einfacher gerade Nähte zu zaubern und ganz viel kann man mit einer möglichst großen Auswahl an Nähfüßen wuppen.

Da ihr explizit Gürtel aufführt: Was könnte da für eine Freiarmmaschine sprechen?

Ich sehe die, neben meinem einfachen Habenwill, als wunderbaren Problemlöser, vornehmlich bei Reparaturen, an, wo ich früher Nähte öffnen musste, um ranzukommen. Und Haben ist besser als Brauchen. biggrin

Ich möchte euch in keinster Weise davon abbringen, eine solche Maschine anzuschaffen. Dafür hab ich jedes Verständnis, selbst wenn es eigentlich unsinnig ist.

Es ist also bitte nur eine Anregung, gerade wenn man erst jung im Geschäft ist und ganz viele Wünsche hat.

Gruß, Lukas

PS: Ich würde sehr wahrscheinlich den Dreifachtransport gegenüber dem Rad bevorzugen, so die Nähaufgaben nicht zwingend anderes bestimmen.
Geist ist geil!

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Re: Welche freiarm Industrienähmaschine würdet Ihr empfehlen ?

#7 Beitrag von A&I Lederhandwerk »

Ostrod hat geschrieben: Sonntag 21. Juli 2024, 15:30 Moin!

Ich bin jetzt seit einem Jahr stolzer Besitzer einer Adler 69. Jetzt dürfen alle mal raten, wie oft ich seit dem mit der arbeitete.

Genau! Nicht ein Mal.

Warum nicht?
Erstens quäle ich alles über die Flachbettmaschinen und zweitens mache ich mir vorher Gedanken über die Reihenfolge, in der ich die Teile füge.
Drittens müsste ich die Maschine mühsam auf ein gleiches Stichbild einstellen, bräuchte einen zweiten Satz Nähgarn, wenn ich das nicht noch hinundherbasteln möchte, was auch wieder Zeit kostet und müsste zuvor wohl auch erstmal auf dem Ding reichlich üben.

Auf einer Flachbettmaschine ist es deutlich einfacher gerade Nähte zu zaubern und ganz viel kann man mit einer möglichst großen Auswahl an Nähfüßen wuppen.

Da ihr explizit Gürtel aufführt: Was könnte da für eine Freiarmmaschine sprechen?

Ich sehe die, neben meinem einfachen Habenwill, als wunderbaren Problemlöser, vornehmlich bei Reparaturen, an, wo ich früher Nähte öffnen musste, um ranzukommen. Und Haben ist besser als Brauchen. biggrin

Ich möchte euch in keinster Weise davon abbringen, eine solche Maschine anzuschaffen. Dafür hab ich jedes Verständnis, selbst wenn es eigentlich unsinnig ist.

Es ist also bitte nur eine Anregung, gerade wenn man erst jung im Geschäft ist und ganz viele Wünsche hat.

Gruß, Lukas

PS: Ich würde sehr wahrscheinlich den Dreifachtransport gegenüber dem Rad bevorzugen, so die Nähaufgaben nicht zwingend anderes bestimmen.
Guten Tag aus Hessen
Ich bedanke mich für eine ausführliche Antwort. Wir werden weiterhin Informationen sammeln und evtl ergibt sich eine Möglichkeit bei jemanden Probe zu nähen um zu verstehen ob unsere Erwartungen an so ein Modell erfüllt werden.

Wie sind eigentlich deine Erfahrungen mit dem Untergestell bei einer freiarm Industrienähmaschine? Man kann es ja dann als Flachbett nutzen oder verstehe ich das falsch?
Liebe Grüße
Andrej

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Re: Welche freiarm Industrienähmaschine würdet Ihr empfehlen ?

#8 Beitrag von adler104 »

Man kann Freiarmmaschinen auf unterschiedlichste Weise mit einem "Flat Bed Attachment" bzw. Anschiebetisch nachrüsten. Mache Händler bieten solche Dinger an, manche nicht, man kann sich so ein Teil aber ggf auch selbst bauen. Flexibler ist man mit einer Freiarmmaschine. Ob Freiarm oder Flachbett - das entscheidet letztendlich der Käufer, ausschlaggebend sind die Produkte die man fertigen möchte.

Ich habe für meine alte Singer 45D91 auch mal einen Anschiebetisch aus einem IKEA Schneidebrett gebaut.

https://www.naehmaschinentechnik-forum. ... sch#p54145

Das Teil habe ich seither nur sehr wenig benutzt, das liegt aber eher daran, dass ich ausreichend andere Maschine habe. wink
Middem Öl nich spaasam sein! wink

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Re: Welche freiarm Industrienähmaschine würdet Ihr empfehlen ?

#9 Beitrag von Ostrod »

Moin Andrej,

das mit dem Ausprobieren ist eine sehr gute Idee. Schade, daß Hessen doch etwas weit von hier ist, sonst könntet ihr das bei mir gern. Aber wenn Du zufällig Rügenurlaub planst, lieg ich direkt am Weg. smile
Aus deiner Frage nach der Multinutzung der Freiarm schließe ich, daß ihr noch gar keine Flachbettmaschine habt und euch mit der Freiarm ein Mufuti erhofft.
Macht das nicht! Legt euch eine anständige Flachbett zu und seht dann, wo es wirklich zu Verbesserungen kommen kann.
Es könnte nämlich durchaus sein, daß ihr dann auch bei einer Säulenmaschine landet.

Auch die Maschinenklasse, die für euch sinnvoll ist, würde ich anders als Achim bewerten und die Adler 67/69/167/169 nicht dauerhaft so belasten. Da würde ich mindestens an sowas wie Pfaff 1245 oder gar noch schwerer denken. Wie sich da Pfaff 145/545 udgl verhalten, weiß ich nicht (außer das Höhenproblem) und des Adlers Links hab ich mir nicht angesehen und kenne mich mit den Maschinen auch nicht aus.

Bei solchen Nähaufgaben ist es ein Spagat zwischen Handlichkeit und Stichkraft. Ich habe sowas mal auf einer Adler 267 genäht und das empfand ich als sehr grenzwertig. Das waren solche Lederriemen, die als Armlehne in ein Holzgestell gehängt waren und 4-5mm hatten und nur zweilagig genäht werden mussten.

Maschinen im Grenzbereich vergewaltigen, kann man mal kurzzeitig machen. Für den Dauerbetrieb sollte man die Maschine lieber überdimensionieren.

Gruß, Lukas
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Re: Welche freiarm Industrienähmaschine würdet Ihr empfehlen ?

#10 Beitrag von Ostrod »

Noch Gedanken:

An welche Stückzahlen denkt ihr und in welchem Marktsegment möchtet ihr euch positionieren?

Hintergrund: Ein befreundeter Sattler und ich denken seit geraumer Zeit über die Kleinserienproduktion von "Taschen" nach. Ein für uns wichtiges Detail soll dabei die Handnaht sein, da sie ein Qualitätsmerkmal ist.

Wir hätten die Maschinen durchaus...

Gruß, Lukas
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