Spannung Rückwärtsstich

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Also diese die Technisch in allen Nähmaschinen vom Grundprinzip her gleich sind.
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Asher
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Re: Spannung Rückwärtsstich

#11 Beitrag von Asher »

Danke für die ausführliche Beschreibung.

Singer hat sicherlich erst nach 1940, wenn überhaupt, einen Greiferwechsel vorgesehen.

mx
Singer: IF, 15 home (-22,K26,-30), 15 industrial (15xx,15-31,15-39,15H526 zwei Stk), 18-2, VS (VS3, VS3-28 Zwischenmod., 28, 39,128, 127),
29(K1, K51, K56), 31K36, 32K3, 32H510 drei Typen),34Kx,34K2, 45K65, 46K49,48K, 66,78-3, 96(K41,D41), 103,201,216

stede
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Re: Spannung Rückwärtsstich

#12 Beitrag von stede »

Holy moly sputnik danke für die Erklärung die hilft extrem !!

Dass der Faden sich aufdreht war auch ein Problem was ich hab.
Habe die ganze Fadenführung nachpoliert und das hat noch nicht geholfen.
Greifer ebenfalls geputzt und poliert (leider erst im Nachhinein bemerkt dass es vll. keine gute Idee sein könnte den Greiferdorn (???) auch zu polieren.
Hat auch nicht geholfen.
Als Nächstes würd ich’s mit ner neuen Fadenfeder versuchen weil die nicht mehr ganz so gesund aussieht und wenn das nicht hilft werd ich wohl versuchen müssen den Transporteur einzustellen der definitiv nicht richtig eingestellt ist.

Das wird n bisschen doof weil das einzige Reparaturhandbuch dass ich gefunden hab für die 196k5 auf Französisch ist und sehr schlecht kopiert…
Ein bisschen kann ich übersetzen und entziffern aber von Transporteur einstellen hab ich noch keine Ahnung…

Gibts zufällig Maschinen die ähnlich/ baugleich sind wo ich mehr Glück mit Reparaturhandbüchern haben könnte oder wird das ein learning by doing ?

Bzw. würdet ihr genau so vorgehen mit mehr Erfahrung oder würdet ihr es anders machen ?

(PDF des 196k5 Handbuchs kann ich gerne hochladen bei Interesse das hat ne erstaunlich lange Zeit gebraucht um das zu finden xD)

Danke für die Antworten btw haben alle sehr geholfen :)

stede
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Re: Spannung Rückwärtsstich

#13 Beitrag von stede »

Ach wobei hier ist das Handbuch von der Singer 196k vielleicht finden das Menschen in Zukunft bei Bedarf schneller und müssen sich nicht ewig durch PDFs namens „Bedinungsanleitung“ die aber nur die Teileliste enthalten durchkämpfen hihihi
196k5 Maintenance.pdf
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3607
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Re: Spannung Rückwärtsstich

#14 Beitrag von 3607 »

sputnik hat geschrieben: Samstag 10. Januar 2026, 18:44

Das mit dem Fadenanzug ist bei Nähmaschinen mit doppelt umlaufenden Greifern immer ein Zeitproblem. Der Fadenhebel hat in der Drehbewegung der Maschine nur wenig Zeit zum anziehen des Fadens zur Verfügung. Deshalb auch die Empfindlichkeit mit der Transporteinstellung. Transportiert die Maschine zu früh geht es sich für den Fadenanzugshebel oft nicht oder nur schlecht aus den Stich richtig fest zu ziehen. Deshalb stellt man den Transport so spät wie möglich ein, damit der Transport in der entscheidenden letzten Phase mithilft die Verknotung fester zu bekommen. Je nach Konstruktion der Maschine (Abhängig von Greifer, Fadenhebelantrieb, Nähgeschwindigkeit ...) geht es sich manchmal besser und manchmal schlechter aus. Man kann auch nicht unendlich schnell und fest am Faden ziehen weil der sonst abreissen würde. Immer im Hinterkopf behalten dass eine Stelle des Fadens bei normalen Maschinen etwa 80x das Nadelöhr passiert.
Hallo Sputnik!

Wie danke ich dir für diese kurze, knappe Erklärung der Transportproblems!
Ich hatte mir vor längerer Zeit meine Naumann 65 mal so gründlich verstellt - es musste ja viel und dick unter den Fuß passen - dass dann nichts mehr so recht ging. Das Thema dazu war:
https://www.naehmaschinentechnik-forum. ... hp?t=10764
Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand so deutliche Worte für die Problematik gefunden hatte - wer kommt schon drauf, dass ich am Transport gedreht hatte, das war mir eventuell selber nicht mehr klar.

Vielen Dank!- der Gedanke wird sich bei mir fest meißeln...

Jürgen

Noffie
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Re: Spannung Rückwärtsstich

#15 Beitrag von Noffie »

Hallo Sputnik,

wenn ich diese beiden Aussagen zusammen nehme,
sputnik hat geschrieben: Samstag 10. Januar 2026, 18:44 Das mit dem Fadenanzug ist bei Nähmaschinen mit doppelt umlaufenden Greifern immer ein Zeitproblem. Der Fadenhebel hat in der Drehbewegung der Maschine nur wenig Zeit zum anziehen des Fadens zur Verfügung. Deshalb auch die Empfindlichkeit mit der Transporteinstellung. Transportiert die Maschine zu früh geht es sich für den Fadenanzugshebel oft nicht oder nur schlecht aus den Stich richtig fest zu ziehen. Deshalb stellt man den Transport so spät wie möglich ein, damit der Transport in der entscheidenden letzten Phase mithilft die Verknotung fester zu bekommen. Je nach Konstruktion der Maschine (Abhängig von Greifer, Fadenhebelantrieb, Nähgeschwindigkeit ...) geht es sich manchmal besser und manchmal schlechter aus. Man kann auch nicht unendlich schnell und fest am Faden ziehen weil der sonst abreissen würde. Immer im Hinterkopf behalten dass eine Stelle des Fadens bei normalen Maschinen etwa 80x das Nadelöhr passiert.
und aus https://www.naehmaschinentechnik-forum. ... 16#p166916
sputnik hat geschrieben: Samstag 20. Dezember 2025, 10:43 Bei den Industriemaschinen hat er sich beim Gebrauch ein wenig verschätzt. wink
Wenn ich an meine Betttwäschekunden denke, die brauchen für eine 2m lange Naht mit Umgreifen ~5 Sekunden mit Umgreifen! Das sind am Tag 10Km! biggrin
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
... berechne ich 80 mal 10 km Faden 800 km Faden der "pro Tag" durch das Nadelöhr gegangen ist?

geschieht das bei Mehrschicht oder 3 Schicht Nutzung der Nähmaschinen?

wieviele Nadeln werden da "pro Tag" verschlissen?

sputnik
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Re: Spannung Rückwärtsstich

#16 Beitrag von sputnik »

Die 80 mal durchs Nadelöhr beziehen sich auf einen Punkt am Faden. Wenn Du bei einem normalen Schnellnäher auf den Nähfaden einen Punkt markierst so wird der bei durchschnittlicher Materialstärke und Stichlänge ~ 80x durch das Nadelöhr gezogen.

Der Fadenhebel gibt Faden frei der vom Greifer über die Spulenkapsel gezogen wird und anschliessend wieder zum Verknoten zurückgezogen wird. Beim nächsten Stich wieder ... usw. Das alles belastet aber den Faden, rauht ihn auf und führt unter ungünstigen Umständen zum Aufdrehen.
Je nach Umständen können das aber je nach Maschine und Arbeitsgang auch mehr oder weniger sein. Je grösser die Stichlänge umso weniger oft wird die selbe Stelle das Öhr (= Stichloch & Greifer) passieren.
Diese Beanspruchung führt bei Stickerei zu einem schlechteren Aussehen und kann bei dickem, festen Material (z.B. Leder) zum Aufdrehen des Fadens führen. Das heisst der Faden teilt sich in seine (häufig 3) Strähnen und der Greifer sticht irgendwann zwischen den Strähnen durch, was zum Abreissen einer Strähne führt die sich dann zusammenschiebt und innerhalb weniger Stiche zum Fadenbruch führt.

Zu Deiner Frage nach der Nadellebensdauer:
Bei einer Hemdenfabrik hält eine Nadel bei 8Std/Tag ungefähr eine Woche. Je nach Maschine und Arbeitsgang können es aber auch deutlich mehr oder weniger sein.
Wieviele Meter Naht z.B ein Knopflochleistenautomat der fast im Dauerbetrieb läuft näht weiss ich nicht, damit kann ich auch keine Angaben zum Fadenverbrauch machen. Steppstich wird da aber auch nur für sehr hochwertige/teure Hemden genutzt. Bei normalen Hemden näht man die Leisten mit Kettenstich, weil man sich dadurch das dauernde Spulenwechseln erspart.

Zu Deiner Frage nach dem Fadenverbrauch:
Hier hilft uns das Amann Focus Buch -> https://www.amann.com/fileadmin/user_up ... uch_DE.pdf welches man sich bei der Fa. Amann kostenlos als PDF herunterladen kann.
In dem Buch wird vieles über Fäden, Nähen und Textilverarbeitung erklärt, unter anderem auch die Berechnung des Fadenverbrauchs bei den einzelnen Nahttypen.

Bettwäsche wird üblicherweise mit einer 5-Faden Sicherheitsnaht genäht. Im Focusbuch wird ab Seite 150 der Nähfadenverbrauch und seine Berechnung erklärt.
Da gibt es die Faktoren Stichdichte, Nähgutstärke, Fadenspannung und Fadenverteilung.
Die 5-Faden Sicherheitsnaht besteht aus einer Doppel-Kettenstichnaht 401 (Fadenbedarf pro Meter ~5m) und einer 3-Faden-Überwendlichstichnaht 504 (Fadenbedarf pro Meter ~12m) ergibt in Summe ~17m Faden für 1m Naht.
Mit Nebenarbeiten und Pausen schätze ich mal 8 Nähte/Minute * 60min = 480 Nähte* 2m/Naht = 960m/Std. * 8 Std. = 7680m Naht/Tag * 17m Faden/Meter Naht = 130560m Faden/Tag = 1306Km Faden pro Tag.
Davon laufen aber nur ~62Km Faden pro Tag durch jede Nadel. Das wären dann bei 20x durchs Öhr (wegen vierfachem Fadenverbrauch) ~ 12,5Km/Tag.
Beim Kettenstich ist die Schlinge auch deutlich kleiner als beim Umlaufgreifer. Wie oft da eine Stelle vom Faden durchs Öhr gezogen wird weiss ich nicht.

Die "eine Stelle 80x durchs Nadelöhr" beziehen sich auf die durchschnittliche Steppstichnaht auf einem Schnellnäher, also Stichlänge 2mm - 3mm bei relativ dünnem Stoff (Hemden/Sommerhosen). Je grösser die Stiche werden umso mehr Faden wird verbraucht und umso weniger oft passiert eine Stelle das Nadelöhr. Bei Wäscheknopflochmaschinen näht man seit ~40 Jahren keine hochgezogenen Knopflöcher mehr sondern zieht die Verknotung nach unten. Damit brauche ich nur mehr selten die Spule wechseln und der Oberfaden wird viel weniger oft durchs Öhr gezogen.

Ich erwähne das "80 x"des öfteren wenn es um Probleme mit aufgedrehten Fäden oder unschönen Nähten geht, weil den meisten Menschen nicht bewusst ist das eine Stelle des Fadens bei einer Nähmaschine so oft hin und her gezogen wird. Deshalb ist z.B. auch der Zustand der Nadel, des Stichlochs und des Greifers von so grosser Bedeutung. Ein heutiger Nähfaden ist ein Hochtechnologieprodukt. Einen Baumwollfaden der wie vor 100 Jahren hergestellt wird kann man auf einem Schnellnäher überhaupt nicht verarbeiten weil er die Belastung nicht aushält. Von den natürlichen Fasern sind Seide und Hanf die besten und Baumwolle die schlechteste. Früher wurden belastbare Stoffe (Segel, Jeans etc.) aus Hanf und schöne feste Stoffe aus Seide hergestellt. Ich finde das immer so toll wenn hier jemand schreibt: "Ich will auf meiner uralt Knopflochmaschine nur einen reinen Baumwollfaden verwenden." ... es hat schon seinen Grund warum man damals schon in allen Anleitungen Knopflochseide vorgeschrieben hat. wink
Kein Schneider würde auf die Idee kommen ein Knopfloch mit einem reinen Baumwollfaden zu nähen.

Für weitere Informationen über Fäden empfehle ich das Amann Focus Buch.

Herzliche Grüsse vom Sputnik
Und sehen wir uns nicht in dieser Welt
dann sehen wir uns in Bielefeld! (Udo Lindenberg)

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Achim (js_hsm)
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Re: Spannung Rückwärtsstich

#17 Beitrag von Achim (js_hsm) »

Etwas OT aber trotzdem passend..

Der Vorteil der Lang- und Schwingschiffmaschinen ist die geringe benötigte Fadenmenge im Vor-Rücklauf je Stich wink
Gruß, Achim

Der Maschinen(um)bauer
Adler 30,48,67,68,69 Pfaff 142,145,335,1222, Typical GC20606-18, Sailrite 9" Clone und..
https://youtube.com/@Special_Solutions
BLDC-Servos https://www.naehmaschinentechnik-forum. ... 33#p119733

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