Die 80 mal durchs Nadelöhr beziehen sich auf einen Punkt am Faden. Wenn Du bei einem normalen Schnellnäher auf den Nähfaden einen Punkt markierst so wird der bei durchschnittlicher Materialstärke und Stichlänge ~ 80x durch das Nadelöhr gezogen.
Der Fadenhebel gibt Faden frei der vom Greifer über die Spulenkapsel gezogen wird und anschliessend wieder zum Verknoten zurückgezogen wird. Beim nächsten Stich wieder ... usw. Das alles belastet aber den Faden, rauht ihn auf und führt unter ungünstigen Umständen zum Aufdrehen.
Je nach Umständen können das aber je nach Maschine und Arbeitsgang auch mehr oder weniger sein. Je grösser die Stichlänge umso weniger oft wird die selbe Stelle das Öhr (= Stichloch & Greifer) passieren.
Diese Beanspruchung führt bei Stickerei zu einem schlechteren Aussehen und kann bei dickem, festen Material (z.B. Leder) zum Aufdrehen des Fadens führen. Das heisst der Faden teilt sich in seine (häufig 3) Strähnen und der Greifer sticht irgendwann zwischen den Strähnen durch, was zum Abreissen einer Strähne führt die sich dann zusammenschiebt und innerhalb weniger Stiche zum Fadenbruch führt.
Zu Deiner Frage nach der Nadellebensdauer:
Bei einer Hemdenfabrik hält eine Nadel bei 8Std/Tag ungefähr eine Woche. Je nach Maschine und Arbeitsgang können es aber auch deutlich mehr oder weniger sein.
Wieviele Meter Naht z.B ein Knopflochleistenautomat der fast im Dauerbetrieb läuft näht weiss ich nicht, damit kann ich auch keine Angaben zum Fadenverbrauch machen. Steppstich wird da aber auch nur für sehr hochwertige/teure Hemden genutzt. Bei normalen Hemden näht man die Leisten mit Kettenstich, weil man sich dadurch das dauernde Spulenwechseln erspart.
Zu Deiner Frage nach dem Fadenverbrauch:
Hier hilft uns das Amann Focus Buch ->
https://www.amann.com/fileadmin/user_up ... uch_DE.pdf welches man sich bei der Fa. Amann kostenlos als PDF herunterladen kann.
In dem Buch wird vieles über Fäden, Nähen und Textilverarbeitung erklärt, unter anderem auch die Berechnung des Fadenverbrauchs bei den einzelnen Nahttypen.
Bettwäsche wird üblicherweise mit einer 5-Faden Sicherheitsnaht genäht. Im Focusbuch wird ab Seite 150 der Nähfadenverbrauch und seine Berechnung erklärt.
Da gibt es die Faktoren Stichdichte, Nähgutstärke, Fadenspannung und Fadenverteilung.
Die 5-Faden Sicherheitsnaht besteht aus einer Doppel-Kettenstichnaht 401 (Fadenbedarf pro Meter ~5m) und einer 3-Faden-Überwendlichstichnaht 504 (Fadenbedarf pro Meter ~12m) ergibt in Summe ~17m Faden für 1m Naht.
Mit Nebenarbeiten und Pausen
schätze ich mal 8 Nähte/Minute * 60min = 480 Nähte* 2m/Naht = 960m/Std. * 8 Std. = 7680m Naht/Tag * 17m Faden/Meter Naht = 130560m Faden/Tag =
1306Km Faden pro Tag.
Davon laufen aber nur ~
62Km Faden pro Tag durch jede Nadel. Das wären dann
bei 20x durchs Öhr (wegen vierfachem Fadenverbrauch) ~ 12,5Km/Tag.
Beim Kettenstich ist die Schlinge auch deutlich kleiner als beim Umlaufgreifer. Wie oft da eine Stelle vom Faden durchs Öhr gezogen wird weiss ich nicht.
Die
"eine Stelle 80x durchs Nadelöhr" beziehen sich auf die
durchschnittliche Steppstichnaht auf einem Schnellnäher, also Stichlänge 2mm - 3mm bei relativ dünnem Stoff (Hemden/Sommerhosen). Je grösser die Stiche werden umso mehr Faden wird verbraucht und umso weniger oft passiert eine Stelle das Nadelöhr. Bei Wäscheknopflochmaschinen näht man seit ~40 Jahren keine hochgezogenen Knopflöcher mehr sondern zieht die Verknotung nach unten. Damit brauche ich nur mehr selten die Spule wechseln und der Oberfaden wird viel weniger oft durchs Öhr gezogen.
Ich erwähne das "80 x"des öfteren wenn es um Probleme mit aufgedrehten Fäden oder unschönen Nähten geht, weil den meisten Menschen nicht bewusst ist das eine Stelle des Fadens bei einer Nähmaschine so oft hin und her gezogen wird. Deshalb ist z.B. auch der Zustand der Nadel, des Stichlochs und des Greifers von so grosser Bedeutung. Ein heutiger Nähfaden ist ein Hochtechnologieprodukt. Einen Baumwollfaden der wie vor 100 Jahren hergestellt wird kann man auf einem Schnellnäher überhaupt nicht verarbeiten weil er die Belastung nicht aushält. Von den natürlichen Fasern sind Seide und Hanf die besten und Baumwolle die schlechteste. Früher wurden belastbare Stoffe (Segel, Jeans etc.) aus Hanf und schöne feste Stoffe aus Seide hergestellt. Ich finde das immer so toll wenn hier jemand schreibt: "Ich will auf meiner uralt Knopflochmaschine nur einen reinen Baumwollfaden verwenden." ... es hat schon seinen Grund warum man damals schon in allen Anleitungen Knopflochseide vorgeschrieben hat.
Kein Schneider würde auf die Idee kommen ein Knopfloch mit einem reinen Baumwollfaden zu nähen.
Für weitere Informationen über Fäden empfehle ich das Amann Focus Buch.
Herzliche Grüsse vom Sputnik