Nach der schönen Erkläreung von
Christoph (wrought_iron) gebe ich auch noch ein wenig von meinem Senf dazu.
Historisches:
Es gab die Maschine in Ausführungen für Haushalt, Gewerbe oder Industrie.
Es gab Versionen für Pedalantrieb und für Motorantrieb.
Im Lauf der Zeit wurden Teile der Konstruktion geändert und verbessert, womit auch die Maschinen besser, schneller und langlebiger wurden.
Der Lauf der Zeit begann Anfang der 1930er Jahre und endete Anfang der 1980er Jahre. Bei den ersten Ausführungen gab es Modelle welche spätestens in den 1940er Jahren nicht mehr erzeugt wurden.
Die Maschine ist eine Nachfolgerin/Verwandte der Maschinenklassen 130 und 134 von welchen auch viele Teile auch bei der 138 verwendet werden können. Das war in den 1940er/1950er Jahen noch "Allgemeinwissen" und wurde deshalb in Anleitungen und Teilelisten nicht erwähnt. Auf meine Nachfage warum die Teile nicht in der Teileliste stehen hat mir der Lagerleiter bei Pfaff gegeantwortet: "Weil das immer schin so gemacht wurde und das ohnehin jeder weiss."

Also findet man viele Teile (z.B. Nähgarnituren für Geradestich) nur in in den Teilelistern der Klasse 134/130 ff.
Die ersten Modelle hatten maximal
4mm Überstichbreite, einen anderen Einstellmechanimus für Zick-Zack und anstelle der späteren Königswelle noch einen Schnurriemen zum Antrieb der Greiferwelle. Die einzige Maschine die ich jemals davon (mit dem alten Zick-Zack Mechanismus) gesehen habe steht in einem deutschen Museum und wurde 1934 gebaut.
Ab 1945 wurden bie etwa Anfang der 1960er Jahe auch noch schwarze Maschinen gebaut, die hatten aber alle bereits den neuen Zick-Zack Regler (Stichlageneinstellmechanismus) und mindestens
4,5mm Überstichbreite. Später gab es Versionen mit 4,5mm und 6mm Überstichbreite. Irgendwann recht früh gab es dann auch keine Versionen mit Schnurketten mehr.
Die alten Maschinen hatten Handräder mit Speichen ... die wurden irgendwann wegen Verletzungsgefahr verboten und ab dann (schätzungsweise Ende der 1950er) gab es nur mehr die vollen Handräder.
Die Handräder für Pedalantrieb waren grösser um einem ruhigeren Lauf und mehr Durchstichkraft zu ermöglichen ... die Handräder für den Motorantrieb waren kleiner um den Motor nicht unnötig zu belasten und ein dynamischere Bechleunigen/Abbremsen zu ermöglichen.
DIe Haushaltsmaschinen waren mit Nadelstangen für Flachkolben-NadelnSystem 130/705 ausgestattet. Die Gewerbe und Industriemaschinen mit Nadelstangen für Rundkolbennadeln System 438/134.
Dabei ging es bei den Hauhaltsnadeln um die einfachere Bedienung und Beschaffung und bei den Rundkolbennadeln um die Verdrehbarkeit der Nadel, mehr Sonderformen und auch darum andere Nadeln welche bei den Kunden schon verwendet wurden einsetzen zu können. Die Änderungsschneider haben manchmal die 438er Nadeln verwendet ... die Industriekunden fast ausschliesslich die 134er Nadeln. Für dickeres Material gibt es die 134er mit kürzerem Kolben (134 KK). Für noch dickeres Material kann die Nadelstange höher gesetzt werden um 134-35er Nadeln verwenden zu können.
Für feine dünne Stoffe (Hemden/Blusen etc.) ist die Verwendung einer Geradestich A-Austattung ( = Presserfuss, Transporteur & Stichplatte) zu empfehlen. Das kleiner Stichloch (für max. 80nM Nadeln) verhindert flattern des Materials und ermöglicht eine gleichmässigere schönere Naht. Der Transporteur muss immer zur Stichplatte passen.
Bei den Biesenmaschinen waren natürlich zwei Spannungen verbaut und die Biesenköpfe für 1738er Nadeln vorgesehen. Von den Biesenköpfen gab es drei Unterschiedliche Versionen. Bei der Version mit auswechselbarem Biesenkopf konnte die Nadelstange in der Maschine verbleiben und der Biesenkopf (mit lösen einer einzigen Schraube) durch Einzelnadelköpfe für System 134 oder 1738 getauscht werden. Die Biesenmaschinen dürfen wegen der grösseren bewegten Masse nur mit geringerer Stichzahl betrieben werden. Mit den Einzelköpfen wieder mit etwas erhöhter Stichzahl.
Ab den 1960er Jahren wurden die Maschinen in Gold-Hammerschlag lackiert und es gab auch keine Stichzahlerhöhungen mehr. Die maximale Drehzahl (=Stichzahl) mit normaler Nadelstange war etwas über 3000 Upm (3200 oder 3300?). Mit Biesenstange und Einzelnadelkopf 100 Upm weniger und mit Biesennadelkopf ~2800? Upm. Wir (die Vertretungen und auch Pfaff selbst) haben den Kunden immer empfohlen die Maschinen mit 10% reduzierter Geschwindigkeit zu betreiben um die Lebensdauer zu erhöhen.
Meine Maschine (von zweite Hälfte 1960er) läuft deshalb mit maximal 2500 Upm.
Zu Deiner
Erkennungsfrage:
Die Nadelstangen für Flachkolbennadel haben seitlich einen Schlitz für die Nadeln eingefräst.
Die Nadelstangen für Rundkolbennadeln haben nur ein rundes Loch von unten hineingebohrt.
Zu dem von Christoph erwähnten
Ledernähen:
Es gab früher Ausstattungen/Nähgarnituren bis E (bis max. 120nM Nadeln)
Für dickere Nadeln muss die Maschine von einem Mechaniker angepasst werden.
Das haben früher auch die Vertretungen gemacht ode bei frösseren Firmen die Hausmechaniker.
Nähgarnituren + Greifer bis Ausstattung E sollten noch vereinzelt zu bekommen sein.
Stichplatte + Presserfuss kann mit Schmirgel- und Polierleinen angepasst werden.
Die anfänglichen fünf Greiferabstufungen wurden im Lauf der Jahre immer weiter reduziert bis nur mehr zwei übrig waren.
Mit passender Nähgarnitur sollten Nadelstärken von 60 bis 130 möglich sein (offiziell 70 - 120 mit zwei unterschiedlichen Greifern).
Für Leder und für Stoff gab es eigene Unterklassen und auch eigene Greifer.
Zum Ledernähen ist ein grosser wegklappbarer Rollfuss meistens empfehlenswert.
Nadelstärken.jpg
Herzliche Grüsse vom Sputnik
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